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Das Linsenmannhaus in Türkenfeld soll zukünftig für Veranstaltungen genutzt werden. 

Im Linsenmannhaus

„Am Anfang war die Begeisterung groß“: Kleidertreff in Türkenfeld löst sich auf

Aus für den Kleidertreff im Linsenmannhaus. Weil die Nachfrage zu gering ist und die Gratis-Abgabestelle für Second-Hand-Kleidung über kurz oder lang aus ihren jetzigen Räumen ausziehen müsste, wird sie aufgelöst.

Am Donnerstag, 19. Juli, ist zum letzten Mal regulär geöffnet. Am darauffolgenden Samstag findet im Rahmen des Wochenmarkts ein großer Kleiderflohmarkt statt, bei dem so viel wie möglich von den Beständen unters Volk gebracht werden soll. „Es geht einfach zu wenig“, bedauert Kleidertreff-Leiterin Margit Lechner. Oft kommen während der zweistündigen Öffnungszeiten nur drei oder vier Kunden. „Manchmal auch bloß einer.“

Sie führt das unter anderem darauf zurück, dass der Kleidertreff kein Schaufenster hat und deshalb im Bewusstsein der Leute nicht präsent ist. Um den Betrieb zu optimieren, war zuletzt nicht mehr jede Woche, sondern nur noch alle zwei Wochen am Donnerstag von 17 bis 19 Uhr geöffnet. Doch auch das erhöhte die Kundenfrequenz nicht. Für die wenigen Interessenten rentiert sich der Aufwand nicht, den Lechner gemeinsam mit einigen weiteren Ehrenamtlichen betreibt. Das ständige Ein- und Umsortieren gespendeter Kleidung – und davon gibt es reichlich – macht eine Menge Arbeit, zumal die Zahl der Helfer in der letzten Zeit sukzessive zurückgegangen ist.

„Am Anfang war die Begeisterung groß“, sagt die 53-Jährige. Gegründet wurde der Treff auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im September 2015. Gedacht war er von Anfang an nicht nur für Asylbewerber, sondern für alle sozial Schwachen.

Angeboten wurde – und wird – Kleidung für Kinder und Erwachsene in sehr guter Qualität. Die Abgabe erfolgt gegen eine freiwillige Spende zugunsten sozialer Projekte in Türkenfeld. Alle Helfer arbeiten ohne Aufwandsentschädigung und für den Raum im gemeinde-eigenen Linsenmannhaus fällt keine Miete an. Weil das Gebäude aber wieder für Veranstaltungen genutzt werden soll, müsste der Kleidertreff aus Brandschutzgründen bald ausziehen. Neue kostenlose Räume waren nicht zu finden. So bleibt den Ehrenamtlichen nur die Schließung.

Lechner schätzt, dass die Bestände noch 70 bis 80 Kartons an Ware umfassen. „Dadurch wird einem erst wieder bewusst, in welchem Wohlstand wir hier leben. Was allein in Türkenfeld an Kleidung weggeschmissen wird, ist der Wahnsinn.“

Was am letzten Öffnungstag und beim Flohmarkt nicht verkauft wird, soll komplett an eine Verwertungsstelle abgegeben werden. Ironie am Rande: Nun, da das Ende beschlossen ist, zählte der Kleidertreff kürzlich an einem Abend einen Kundenrekord von sieben Leuten. „Und das jetzt, wo wir aufhören“, sagt Margit Lechner. „Aber es war eine gute Erfahrung.“

von Ulrike Osman

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