Wenn der Garten zum Atelier wird: Monika Vongehr stellte ihre Glasschalen auf dem Freigelände der evangelischen Kirche aus. 
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Wenn der Garten zum Atelier wird: Monika Vongehr stellte ihre Glasschalen auf dem Freigelände der evangelischen Kirche aus. 

Mitmach-Aktion

Kunst-Premiere in Türkenfelds Gärten

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Vom Modell-U-Boot bis zur Patchworkdecke, von der Glaskunst bis zum Retro-Schmuck reichte die künstlerische Vielfalt, die es bei einer zweitägigen Mitmach-Aktion des Vereins Kulturverstrickungen zu sehen gab. Zum ersten Mal konnte man auf einem Spaziergang durch den Ort „Kunst in Türkenfelder Gärten“ bestaunen. Diese Gelegenheit ließen sich viele nicht entgehen.

Türkenfeld – Organisatorin Agnes Forsthofer kam das ganze Wochenende nicht dazu, selbst bei den knapp 15 Ausstellern vorbeizuschauen. Es war viel los. In ihrem Vereinssitz, einem umgebauten ehemaligen Blumenladen in der Bahnhofstraße, gaben sich die Besucher die Klinke in die Hand.

Am Samstagvormittag musste Forsthofer allerdings alle weiterschicken. Ein Wasserschaden hatte über Nacht die Räume überschwemmt – ausgelöst von defekten Abflüssen in den oberen Stockwerken. Statt Interessierten die vielen Handarbeitsprojekte der Kulturverstrickungen vorzustellen – darunter eine neu gestartete Änderungsschneiderei –, mussten Forsthofer und ihre Mitstreiterinnen 40 Eimer Wasser wegschaffen und die Räume putzen.

Viele Kisten mit altem Brokat landeten im Müll. Die Stoffe hätten weder Waschmaschine noch Reinigung überlebt. „Ich bin nur froh, dass wir die Veranstaltung wegen des unsicheren Wetters nicht verschoben haben“, sagt die Organisatorin. Das Wasser wäre sonst unbemerkt das ganze Wochenende über gelaufen. „Da hätten wir am Montag eine schöne Überraschung erlebt.“

Ein paar Straßen weiter freute sich Diana-Bianca Lehmayr über die Möglichkeit, ihre Kreationen endlich wieder auszustellen – das erste Mal seit der Weihnachtszeit 2019. Welchen Spaß es allein machte, alles wieder aus den Kisten zu holen und im überdachten Bereich neben ihrem Haus aufzubauen, hätte sie selbst nicht erwartet.

„Ich habe mich so gefreut, meine Sachen wiederzusehen“, erzählt die Schneiderin, die seit einigen Jahren auf Design und Herstellung von Schmuck und Accessoires im viktorianischen Stil umgesattelt hat.

Ihre Dreispitz-Hüte, Doktorkoffer, Handtaschen mit eingebauten Uhren, Colliers und Ohrringe zeigt die Designerin normalerweise bei Gothic-Treffen und Steampunk-Conventions oder auf der Fantasy-Messe Animuc in Fürstenfeldbruck.

Bei der Friedenskirche

Monika Vongehr hat keinen eigenen Garten, also lieh sie sich für das Wochenende einen aus. Auf dem Freigelände der evangelischen Friedenskirche präsentierte die Ingenieurin die Glaskunst, die sie im Nebenerwerb herstellt. Letztes Jahr wollte sie die Türkenfelder zur Eröffnung ihres Ateliers einladen, doch Corona kam dazwischen.

Nun freute sich die 58-Jährige über die vielen Besucher, die interessiert ihre farbintensiven Glasschalen betrachteten. Manche sind Gebrauchsobjekte, andere dienen rein der Dekoration.

Einen gelungenen Kontrast zum harten Glas bildeten die Patchworkdecken von Felizitas Wolfgardt – und das kleine Dorf aus gehäkelten weißen Häuschen, das perfekt in die grüne Umgebung passte.

Der Weg zu Bernhard Wenzel an den Ortsrand lohnte sich vor allem für Modellbau-Fans. Der 61-Jährige baut U-Boote aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg originalgetreu nach – ohne vorgegebenen Bauplan, ohne Bausatz. Jahrelange Recherche und Tüftelei stecken in jedem seiner Modelle, eines wurde bereits preisgekrönt.

Er mag die Herausforderungen seines Hobbys und die Tatsache, dass er damit einen Beitrag gegen das Vergessen leistet. „Diese alten Dinge verschwinden sonst wie im Nebel.“

Agnes Forsthofer ist mit dem Erfolg zufrieden und kann sich vorstellen, dass „Kunst in Türkenfelder Gärten“ künftig regelmäßig stattfindet. Sie hat inzwischen auch schon von Leuten gehört, die gerne mitgemacht hätten, sich aber beim ersten Mal nicht trauten. Die Zahl der Aussteller dürfte künftig also noch wachsen.

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