Tagblatt-Reporter wagt Selbstversuch

Paddelspaß im  Dorfweiher

Bretter, die die Welt bedeuten, wollen beherrscht sein. Das gilt für die großen Bühnen wie für den Dorfweiher in Türkenfeld und dem ersten Stand-Up-Paddling-Tag. Mittendrin auch der Tagblatt-Reporter.

Türkenfeld – „Pack die Badehose“ – Nein, zum Singen des im Sommer immer wieder mal gern gespielten Klassikers von Conny Froeboess ist der Tagblatt-Reporter nicht nach Türkenfeld gefahren. Badekleidung, Handtücher und Wechselklamotten waren vielmehr die wichtigsten Utensilien für die Teilnahme.

Von den Veranstaltern wird die Schwimmweste gestellt. Die ist laut Ausschreibung Pflicht. Mit dem Hinweis auf die Schwimmwesten sichern sich auch die Hersteller der Boards rechtlich ab. „Letztlich ist jeder selbst verantwortlich“, so Werner Epp, Gemeinderat und einer der Organisatoren des Actiontages. Ich selbst packe dann noch die Erinnerungen an den letzten Urlaub dazu, in dem ich auf so einem Board gestanden bin. „Dabei braucht es gar nicht so viel, um Spaß zu haben“, klärt Epp auf. „Du musst schwimmen können und wenigstens einen kleinen Ansatz von Gleichgewichtsgefühl haben. Schon kannst aufs Wasser.“

Mit dem 20 Grad warmen Wasser gibt’s schnell Kontakt. „Der Schwerpunkt war nicht richtig verlagert“, erklärt Epp. Die Badeeinlage erhöht aber Lerneffekt und Konzentration. Wer eine ganze Weile nicht Schwimmen war oder Auto gefahren ist, weiß: Es dauert mitunter eine Weile, bis man wieder drin ist. Dazu gehört beim Stand-Up-Paddling die Kombination aus Gleichgewicht bewahren und mit dem Paddel Richtung zu halten sowie Geschwindigkeit zu machen. Das gelingt immerhin bis gut über die Mitte des Türkenfelder Dorfweihers. Das gute Gefühl, mit jedem Meter „wieder ein bisschen mehr drin zu sein“ wächst – für ein paar Momente zu sehr. Das reicht, um den Rückweg doch wieder schwimmend anzutreten, das Board vor sich herschiebend.

Kein Gedanke in diesen Momenten daran, dass das Stehpaddeln auf polynesische Fischer zurückgeht. Oder dass es auf ein Hawaii früher eine Auszeichnung war, sich neben dem König aufrecht stehend fortzubewegen. Für Surflehrer war später das Stehpaddeln eine komfortable Möglichkeit, den Schülern zuzusehen und sie zu kontrollieren. Oft saßen die Surflehrer dabei sogar auf einem Stuhl.

Auf dem Türkenfelder Dorfweiher hat sich das keiner getraut, aber immerhin 54 Kinder im Alter von sechs bis 15 Jahren standen auf einem der Boards. Bei den bis Elfjährigen bewältigten Jakob Schmidt, Konstantin Milanos und Lukas Deutsch den Rundkurs am schnellsten. Bei den Zwölf- bis- 15-Jährigen erwiesen sich Benedikt Griebel, Eva Seiter und Melvin Heigl am wendigsten. „Wir haben die Veranstaltung um eine Stunde verlängern müssen, weil die Kinder nicht genug bekommen konnten“, freute sich Epp.

Maßgebend mit auf die Idee hatte ihn Andrea Beinhofer vom Kinder- und Jugendförderverein Türkenfeld- Zankenhausen gebracht. Man habe Abwechslung im Freizeitangebot für die Kinder und Jugendlichen gebraucht, so Epp.

Dabei stellt der Förderverein ein durchaus abwechslungsreiches Angebot wie Ausflüge zu Kletterinseln oder -hallen und Zeltlager auf die Beine. Warum darauf die Kinder und Jugendlichen nicht immer wie gewünscht darauf anspringen, kann Epp nicht erklären: „Manchmal kann man nicht genau nachvollziehen, warum sich Ansprüche und Bedürfnisse ändern.“ Der Stand-Up-Paddling-Tag in Türkenfeld werde aber ziemlich sicher eine Neuauflage bekommen. (hk)

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