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Sie gestaltet Blühflächen am Straßenrand und macht Türkenfeld schöner

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Von: Ulrike Osman

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Ortsverschönerin aus Leidenschaft: Helga Diesing kümmert sich in Türkenfeld darum, dass es am Straßenrand grünt und blüht. Mit der gleichen Hingabe hat sich als Bedienung im Münchner Ratskeller gearbeitet – und dabei unter anderem Franz Josef Strauß kennengelernt.
Ortsverschönerin aus Leidenschaft: Helga Diesing kümmert sich in Türkenfeld darum, dass es am Straßenrand grünt und blüht. Mit der gleichen Hingabe hat sich als Bedienung im Münchner Ratskeller gearbeitet – und dabei unter anderem Franz Josef Strauß kennengelernt. © Osman

Dass Türkenfeld so schöne Ortseingänge hat, ist zu einem großen Teil Helga Diesing zu verdanken. Seit vielen Jahren kümmert sich die 81-Jährige darum, dass es am Straßenrand grünt und blüht. Sie macht das aus reiner Freude und komplett ehrenamtlich.

Türkenfeld – Am Anfang hat sich Helga Diesing gefragt, ob sie das überhaupt darf. Einfach so das öffentliche Grün verschönern, ohne dass ihr das jemand angeschafft hätte, ohne dass sie um Erlaubnis gefragt oder um Unterstützung gebeten hätte. „Aber es war halt so hässlich“, erinnert sich Helga Diesing. „Das hat mich aufgeregt.“

Und so hat die damals frisch gebackene Rentnerin einfach losgelegt. Hat eine Kiste mit Blumen auf ihr Fahrrad gepackt und ist zur Geltendorfer Straße gefahren. Der dortige Ortseingang hatte es in ihren Augen am dringendsten nötig, dass sich jemand um ihn kümmerte. Sie entfernte das Unkraut und platzierte die Blumen vor der Ortseingangstafel. Am nächsten Tag radelte sie mit vollen Wasserflaschen wieder zu der Stelle, um zu gießen. Halb rechnete sie damit, dass ihre Blumenpracht in der Zwischenzeit entfernt worden war. Aber nein – „die Blumen waren noch da“. Das hat sie damals sehr gefreut. Und es ermutigte sie, auch an anderen Stellen des Dorfes aktiv zu werden.

Immer passend zur Jahreszeit gestaltet die 81-Jährige die Blumenkästen am Ortseingang Türkenfeld.
Immer passend zur Jahreszeit gestaltet die 81-Jährige die Blumenkästen am Ortseingang Türkenfeld. © Diesing

Nach und nach kamen alle Ortseingänge an die Reihe und dann einzelne Stellen im Innenbereich. Wenn sie sah, dass es irgendwo im öffentlichen Raum unbeachtet vor sich hin wucherte, wurde Helga Diesing aktiv – in der Richard-Wagner-, der Ludwig-Thoma- und der Eresinger Straße, vor der Schule und am Dorfweiher. Fotos zeigen, wie sie hier geschuftet hat beim Umgraben und Säubern der Flächen von Unkraut und beim Anpflanzen schöner kleiner Blühinseln. Dass im Zuge des Bienen-Volksbegehrens öffentliche Blühflächen in aller Munde sein würden, ahnte sie damals noch nicht. Helga Diesing war ihrer Zeit voraus.

Bei den schweren Arbeiten bekam sie bald Hilfe von Bauhofmitarbeiter Martin Keller. Auch ihr Mann Peter packt viel mit an. Arbeit gibt es fast das ganze Jahr über, erzählt Helga Diesing. Neue Blumen pflanzen, Unkraut jäten, gießen –„das alles erfordert viel Zeit und Mühe“.

Außerdem gestaltet sie dekorative Kästen, die an die Ortseingangstafeln gehängt werden. Je nach Jahreszeit sieht man darin farbenprächtige Blüten, herbstliche Arrangements oder Tannengrün und Weihnachtsschmuck.

So kennt man die Türkenfelderin – knieend und werkelnd vor den Ortseingangsschildern.
So kennt man die Türkenfelderin – knieend und werkelnd vor den Ortseingangsschildern. © Diesing

Helga Diesing lebt schon lange in Türkenfeld, doch als sie noch berufstätig war, nahm sie das Ortsbild nicht so wahr. 22 Jahre lang arbeitete sie als Bedienung im Ratskeller am Marienplatz. Auch hier war sie voller Power und Freude bei der Sache. Wahrscheinlich schickte ihr Chef sie deshalb so gern an die Tische der Prominenten. Sie hat Franz-Josef Strauß und Edmund Stoiber bedient, den damaligen Münchner OB Georg Kronawitter, Michail Gorbatschow und Michael Jackson. „Alles ganz normale Menschen“, stellte Helga Diesing fest. Der Strauß sei besonders nett gewesen. Er habe wohl gemerkt, wie nervös sie in seiner Gegenwart war, glaubt Helga Diesing. „Geh her, Madl, jetzt lassen wir uns fotografieren“, sagte der Landesvater damals zu ihr. Das Foto hütet sie bis heute, ebenso wie den Kassenbeleg mit der Unterschrift von Michael Jackson.

Dass ihr auch im Ruhestand nicht langweilig wird, dafür sorgt neben der Arbeit als Ortsverschönerin der große heimische Garten. Hier gedeihen Blumen an allen Ecken und Enden – und liefern Helga Diesing die Ableger, die sie dann im öffentlichen Raum anpflanzt. Wie die Blumen heißen, weiß sie meistens gar nicht. „Ich bin ja keine Fachkraft“, sagt die Rentnerin bescheiden. Zusätzlich war sie jahrelang im Besuchsdienst des Brucker Klinikums aktiv und hat im Seniorenheim in Jesenwang regelmäßige Kaffeekränzchen veranstaltet. „Ich bin so gern unter Leuten.“

Seit das Türkenfelder Ortszentrum umgebaut wird, macht die 81-Jährige jeden Tag einen Spaziergang dorthin und freut sich an jedem Baufortschritt. „Ich mag halt meinen Ort so gern.“ Außerdem überlegt sie schon, wo sie auf dem neuen Dorfplatz das ein oder andere Blümchen pflanzen kann.

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