„Ein Austausch mit offenem Visier ist wichtig“, sagt Emanuel Staffler – notfalls coronabedingt auch am offenen Fenster des Rathauses. Das Gebäude wird demnächst auf neueren Stand gebracht. Fenster und Fassade sowie eine energetische Sanierung stehen an.
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„Ein Austausch mit offenem Visier ist wichtig“, sagt Emanuel Staffler – notfalls coronabedingt auch am offenen Fenster des Rathauses. Das Gebäude wird demnächst auf neueren Stand gebracht. Fenster und Fassade sowie eine energetische Sanierung stehen an.

Interview-Serie

Türkenfelds neuer Bürgermeister: „Sie sehen mich entspannt“

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Seit der Kommunalwahl ist Emanuel Staffler neuer Bürgermeister in Türkenfeld. Im Tagblatt-Interview erzählt er von seinen bisherigen Erfahrungen.

Türkenfeld – Ein digitaler Bürgerstammtisch, neue Arbeitskreise, eine optimierte Raumstruktur im Rathaus, die Verlegung der Bücherei ins Schulgebäude und ein entschlossener Start bei den großen Sachthemen wie der Sportplatzverlegung – der neue Türkenfelder Bürgermeister Emanuel Staffler (CSU) hat in seinen ersten Monaten schon einiges angestoßen. Im Tagblatt-Interview erzählt der 35-Jährige, warum er trotz der Aufgabenfülle entspannt ist.

Sie sind als ehrenamtlicher Bürgermeister weiterhin in Ihrem Hauptberuf bei der Bayerischen Landesbank tätig. Wie vereinbaren Sie beides?

Mein Arbeitsalltag schaut anders aus als früher. Es braucht ein gutes Zeitmanagement und eine gute Zeiteinteilung. Aber dank der Neuerungen in der Berufswelt ist man weniger arbeitsplatzgebunden als früher, und mein Job im IT-Bereich lässt – auch dank des Entgegenkommens meines Arbeitgebers – viel Flexibilität zu. Das macht mich hier in der Gemeinde ansprechbarer. Ich hatte von Anfang an vor, mehr physisch im Rathaus präsent zu sein.

Wie waren die ersten Monate im Amt?

Sie waren lehrreich. Und es ist schön zu sehen, dass Dinge in gutem Miteinander funktionieren können und dass ein Dissens in der Sache nicht automatisch Blockade bedeutet. Unser Dreier-Bürgermeister-Team mit meinen Stellvertretern Johannes Wagner und Sabeeka Gangjee-Well funktioniert sehr gut, ebenso die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und der Verwaltung. Ein Austausch mit offenem Visier ist dabei wichtig. Ich hatte großen Respekt vor dem Amt, aber jetzt fühle ich mich angekommen. Sie sehen mich in gewisser Weise entspannt.

Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Man muss viel reden, und zwar nicht nur bei den Sitzungen. Man muss sich einfach Zeit für Kommunikation nehmen – was nicht heißt, dass man es allen recht machen kann. Ich sehe mich als Sachwalter der Interessen der Allgemeinheit, die man gegen Einzelinteressen abwägen muss.

Sie sind gleich mit hohem Tempo in die Sachthemen gestartet...

Alle vier Parteien im Gemeinderat haben ja in ihren Wahlprogrammen viel – und sehr Ähnliches – versprochen. Dem fühle ich mich verpflichtet. Das betrifft Themen wie die Verlegung des Sportplatzes, die Aufwertung des Dorfzentrums und die Schaffung neuer Wohngebiete im Einheimischenmodell.

Wie ist der Zeithorizont bei der Sportplatzverlegung?

Ein wichtiger Termin ist Anfang September die Mitgliederversammlung des TSV. Sie wird aufgrund der Corona-Regeln als Open-Air-Veranstaltung stattfinden. Ohne die Zustimmung der über 1000 TSV-Mitglieder kann die Sportplatzverlegung nicht stattfinden. Darum blicke ich momentan noch nicht weiter als bis zu diesem Termin.

Eine Überraschung in der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause war, dass das Landratsamt aus dem neuen Flächennutzungsplan ein Baugebiet gestrichen hat...

Da geht es um die Flächen nördlich der Geltendorfer Straße. Sie standen auf der Prioritätenliste des Gemeinderats nicht ganz oben, von daher kann man mit der Entscheidung mitgehen. Umso wichtiger sind Gebiete wie Bühlacker und Saliterstraße für die Schaffung von Einheimischenbauland. Verhandlungen mit verschiedenen Grundeigentümern laufen, die Dinge sind im Werden. Es steht auch die Sanierung des Rathauses an.

Was sind da die größten Probleme?

Wir sind in der Verantwortung, das zu erhalten, was vor über 50 Jahren mit nur zwei Stimmen Mehrheit beschlossen wurde – sonst hätten wir hier heute (statt des historischen Fuggerschlosses, d.Red.) einen 70er-Jahre-Zweckbau. Was nun gemacht werden muss, sind Fenster und Fassade, eine energetische Sanierung sowie vermeintlich profane Arbeiten im Innenbereich, die aber notwendig sind, damit man hier als Verwaltung arbeiten kann. Es sind zahlreiche Baustellen, die aber nicht unlösbar sind. Es wird im September eine Sondersitzung geben, der ein Ortstermin vorgeschaltet wird. Außerdem arbeiten wir bereits an Zuschussanträgen und führen Gespräche mit Energieberatern und dem Denkmalamt, um Fakten auf den Tisch legen zu können. Ich bin kein Freund von Hörensagen.

Ihre Frau ist als Bundestagsabgeordnete viel in Berlin, Sie sind als Bürgermeister eingespannt. Wie finden Sie noch Zeit für Gemeinsamkeit?

Wir haben ja gewusst, worauf wir uns einlassen (lacht). Zur Zeit ist die Zahl der Abendtermine coronabedingt signifikant weniger. Und Dinge wie Kreistagsfraktionssitzungen finden verstärkt per Video statt, das spart natürlich Zeit. Außerdem nehmen meine Frau und ich uns bewusst Tage fürs Privatleben, für Familie und Freunde. Die stehen im Kalender, und da findet dann auch nichts anderes statt. Uns geht es gut damit.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?

Ich fahre gerne Fahrrad. Außerdem bin ich leidenschaftlicher Koch und habe mir in den letzten Jahren eine ganze Landschaft an Grillgeräten zugelegt. Ich mag typisch amerikanische Barbecues, aber fast noch lieber die italienische Küche.

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