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Der Ritt ist eine wichtige Tradition in Türkenfeld.

35 Jahre Freiheit

Silvesterritt mit neuem Jubiläum

Türkenfeld - Pünktlich um zwölf Uhr mittags startete der traditionelle Silvesterritt in Türkenfeld. Und genauso pünktlich begann es zu regnen. Den vielen Pferden und Reitern machte das aber nichts aus.

Dreimal umrundeten sie die Kirche und empfingen von Pfarrer Klaus Distl den Segen, wie es der Brauch gebietet. Am Rande stellte sich heraus, dass der Ritt, so wie man ihn heute kennt, ein kleines Jubiläum feierte.

So lief der Silvesterritt in Türkenfeld 

Eine halbe Stunde vor dem Start war in Türkenfeld schon alles auf den Beinen, um einen guten Platz am Straßenrand zu ergattern. Vor dem Glühweinstand herrschte bereits Hochbetrieb, als die Zahl der Pferde am Startpunkt bei der Schule noch höchst überschaubar war.

Doch nach und nach trafen immer mehr Teilnehmer ein. Da sich zum Silvesterritt niemand anmelden muss, ist es jedes Jahr aufs neue spannend – wird eine Rekordzahl zustande kommen oder nicht? Mit rund 100 Pferden und Reitern sowie sechs Motivwagen und zwei Musikkapellen wurde es dieses Mal guter Durchschnitt. Viele Besitzer hatten ihre Rösser mit eingeflochtenen Schweifen und Mähnen schick herausgeputzt. An der Spitze des Zuges ritt Kreuzreiterin Vroni Schmid aus Jesenwang, dahinter trug Bauernobmann Norbert Glas die Statue des heiligen Silvester, zu dessen Ehren der Ritt veranstaltet wird.

Den Brauch gibt es bereits seit 1807, doch ein großes Ereignis mit Blasmusik, vielen Zuschauern und festlichem Charakter ist er erst seit 35 Jahren. Denn damals dankte Türkenfeld nicht nur für das Abklingen einer Viehseuchte in ferner Vergangenheit, sondern auch für seine wiedererlangte Unabhängigkeit. Im Zuge der Gebietsreform war die Gemeinde Sitz einer Verwaltungsgemeinschaft mit Kottgeisering, Grafrath und Schöngeising geworden. Dagegen kämpfte der Gemeinderat, angeführt von Peter Ofer, damals einer der jüngsten Bürgermeister in ganz Bayern. „Wir haben im Sitzungssaal des Rathauses ein Gelübde abgelegt“, erzählte der heute 77-Jährige Altbürgermeister am Rande der Veranstaltung. Er lebt inzwischen in München, marschiert aber noch jedes Jahr in der Prozession mit.

Inhalt des Schwurs: Wenn die Gemeinde es schaffen würde, ihre Selbstständigkeit zurückzugewinnen, würde sie den heiligen Silvester zum Ortspatron erheben. Bis dahin war er lediglich ein Nebenpatron der Pfarrkirche. Der Rest ist Geschichte. Es gelang der Gemeinde tatsächlich, die Verwaltungsgemeinschaft wieder zu verlassen. Das war 1980, und seit diesem Jahr wird die Reiterprozessen mit Pferdesegnung groß aufgezogen.

Die Statue des Heiligen ließ man damals eigens anfertigen. Sie hat noch heute ihren Stammplatz im Sitzungssaal. An die Zeit davor erinnerte sich unter anderen der ehemalige Gemeinderat Ewald Brix. In den 1950er Jahren war die Zahl der Pferde so stark zurückgegangen, dass es kaum noch Teilnehmer gegeben habe. „Ein Ackergaul und ein, zwei Pferde aus Zankenhausen wurden damals um den Friedhof herum geritten.“ Damit der Brauch nicht aus Pferdemangel einschlief, kaufte sich der damalige Pfarrer Adolf Kiefer sogar selbst zwei Ponys. Auch Bürgermeister Pius Keller kann sich noch gut an diese Zeit erinnern – er war damals als Ministrant mit von der Partie

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