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Für 3100 bemalte Steine gibt’s 320 Portionen Eis

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Von: Ulrike Osman

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Mit Mundschutz kam Emil (13), um sich das Eis abzuholen. Christian Hief-Schmal überreichte es ihm mit einer eigens für die Aktion gebauten Stange. So konnte der Sicherheitsabstand eingehalten werden. © Osman

Nachdem Kinder in Türkenfeld über 3000 Steine bemalt hatten, machte das Gasthaus Hartl sein Versprechen wahr und spendierte jedem Kind zwei Kugeln Eis – natürlich unter Einhaltung sämtlicher Sicherheitsmaßnahmen.

Türkenfeld –  „Wir wollen ja für die Gratis-Aktion nicht auch noch eins auf den Deckel bekommen“, sagt Gastwirt Josef Hartl. Deshalb hatten er und seine Mitarbeiter mit Absperrgittern, Bierbänken und Markierungen am Boden dafür gesorgt, dass alle die Mindestabstände einhielten.

Dass großer Andrang herrschen würde an diesem sonnigen Nachmittag, hatten sie richtig vorausgesehen. Schon vor dem Start der Eis-Ausgabe um 14 Uhr bildeten sich lange Schlangen vor der Drive-in-Essensausgabe, die Hartl an der Tür zu seinem Biergarten eingerichtet hat. Dort stand nun die Eistruhe, aus der Service-Mitarbeiter routiniert Waffeln und Becher mit Schoko-, Vanille-, Walnuss-, Karamell-, Honig-Eis und anderen Sorten füllten.

Übergabe erfolgt mit genügend Sicherheitsabstand

Sogar die Übergabe an die wartenden Kinder klappte kontaktlos – mit Hilfe einer langen Holzstange, an deren vorderem Ende ein Brett mit zwei Löchern befestigt war. Die ortsansässige Schreinerei Wimmer hatte sich die Konstruktion extra für die Eis-Aktion einfallen lassen. Rund 320 Portionen wurden so übergeben. Verziert waren sie mit Streuseln, Gummibärchen, Marshmallows und vielem mehr – insgesamt waren es 20 Kilo Süßigkeiten.

Begonnen hatte alles vorletzte Woche mit ein paar bemalten Steinen, die Julia Heinrich und Stefanie Herb mit ihren Kindern entlang des Feldwegs am Gollenberg auslegten. Was als Zeitvertreib in der Corona-Krise gedacht war, erfasste schnell den ganzen Ort. Täglich strömten Kinder mit neuen bemalten Steinen zum Gollenberg. Spaziergänger und Radler staunten über die stetig länger werdende Reihe und die fantasievollen Motive – auch Josef Hartl und seine zweijährige Tochter Mathilda. Der Gastwirt versprach, jedem Türkenfelder Kind unter 16 Jahren ein Eis zu spendieren, wenn die 1500er-Marke geknackt würde. „Das hat einen regelrechten Hype ausgelöst“, erzählt der Inhaber der Traditions-Wirtschaft.

Firma spendiert die Toppings für das Eis

Die Moorenweiser Firma Magna Sweets setzte noch eins drauf. Sie kündigte an, für das Eis die Toppings zu spendieren, wenn die Zahl der Steine über 2000 klettern würde. Das haben die Türkenfelder Kinder spielend geschafft. Über 3100 Steine waren es zuletzt.

Zwei davon kamen vom 13-jährigen Emil, der mit Mundschutz zur Eisausgabe kam, „weil hier so viele Leute sind“. Die fünfjährige Ella und ihr Bruder Tim (3) hatten zusammen zwölf Steine bemalt – mit Acrylfarbe, damit die Kunstwerke nicht vom Regen abgewaschen wurden. Ihr Lieblingsmotiv? „Affen“, sagen die beiden, während sie sich in der geräumigen Transportbox von Papas Lastenfahrrad ihr Eis schmecken lassen. Das Bemalen der Steine sei eine schöne Beschäftigung gewesen, erzählt Mama Laura Joppien. „Der Kindergarten fehlt den beiden schon sehr – und noch mehr das Schwimmbad.“

Die schönsten Steine kommen ins Rathaus

Kaum eine der Familien geht gleich wieder nach Hause. Die Leute lassen sich an der Straße auf dem Randstein nieder und genießen die Sonne. Man freut sich, Freunde und Bekannte wiederzusehen, tauscht mit gebotenem Abstand Corona-Krisen-Geschichten aus.

Und die Steine auf dem Gollenberg? Die werden nach und nach wieder abgetragen, damit sie nicht verblassen und vergessen werden. Die schönsten sollen ins Rathaus kommen, erzählt David Müller, während er Eiskugeln mit Gummibärchen, Schokostreuseln und Smarties garniert. „Sie sollen für die Nachwelt ausgestellt werden.“

Inzwischen werden die Steine immer professioneller bemalt. Man sehe, dass die Erwachsenen das Ruder übernommen haben, so Müller. Und die Steinschlange findet Nachahmer, nicht nur im Landkreis, sondern auch in den USA. Freunde von Julia Heinrich und Stefanie Herb haben dort eine initiiert.

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