Der alte Stein mit weißer Haube. 
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Der alte Stein mit weißer Haube. 

Türkenfeld/Geltendorf

Darum ist der Dreiherrenstein plötzlich weiß

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Tief im Wald zwischen Türkenfeld und Geltendorf steht der Dreiherrenstein. Viele Spaziergänger kennen den im Jahr 1692 gesetzten dreieckigen Grenzstein – mit ihm wurde seinerzeit das Zusammentreffen der Gebiete dreier Grundbesitzer markiert. Doch seit Kurzem trägt der alte Stein eine moderne weiße Markierung, die zunächst Rätsel aufgab.

Türkenfeld/Geltendorf – Etliche besorgte Bürger meldeten sich beim Türkenfelder Gemeindearchivar Dieter Hess, denn sie befürchteten, der Stein sei aus Unwissenheit oder böser Absicht nachhaltig beschädigt worden. Hess war jedoch auch ratlos. Nur eines schien klar: „Jugendliche mit der Sprühdose waren das nicht.“ Dazu ist die weiße Markierung auf dem verwitterten Stein zu exakt ausgeführt worden.

Farbe wird wohl in fünf Jahren weg sein

Tagblatt-Recherchen ergaben, dass das fragliche Waldstück dem Kloster St. Ottilien gehört. Und dort löst Bruder Jürgen Foitl bereitwillig das Rätsel der weißen Farbe. „Da das besagte Waldgrundstück unübersichtlich abgemarkt war, hat einer meiner Mitbrüder alle Grenzsteine gesucht und markiert beziehungsweise Metallpfosten eingeschlagen – eine ganz übliche Maßnahme“, sagt der Leiter der Klosterökonomie.

Den Dreiherrenstein hätte er persönlich zwar nicht angestrichen, da er ja schon wegen seiner Größe unübersehbar sei, räumt Foitl ein. Die Farbe schade dem Stein aber sicher nicht. „Sie wird in zirka fünf Jahren abgewittert sein.“

So sah der Dreiherrenstein noch bis vor Kurzem aus: ergrauter Kalkstein. Der Stein markiert den Grenzverlauf am Zusammentreffen dreier früherer Besitztümer.

Der Dreiherrenstein ist etwa 60 Zentimeter hoch und markiert den Grenzverlauf am Zusammentreffen dreier früherer Besitztümer. Einst gehörten die Waldgebiete dem Herzogtum Bayern, der Benediktinerabtei Benediktbeuern und den Landsberger Jesuiten. Die Wappen der Grundbesitzer sind jeweils in die drei Seiten des Grenzsteins eingemeißelt. Er besteht aus Ruhpoldinger Marmor, einem ehemals roten, mittlerweile aber ergrauten Kalkstein. „Den Stein grundsätzlich zu erhalten, ist eine gute Idee“, findet Bruder Jürgen Foitl. „Dazu müsste man ein kleines Dach bauen.“

Tummelplatz von bösen Geistern

In früheren Zeiten mieden die Menschen den geheimnisvollen Ort tief im Wald. Vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert soll hier eine Brand- und Opferstätte gewesen sein. Außerdem galt der Dreiherrenstein im Volksglauben als Tummelplatz von bösen Geistern. Der Sage nach war er ein Treffpunkt für die Hexen aus der Umgebung, die am Samstag nach dem Gebetsläuten auf ihren Besen angeflogen kamen, um sich mit Satan zu treffen und die ganze Nacht lang eine wilde Orgie mit unmäßigem Essen, Trinken und Tanzen zu feiern.

„Doch wehe, wenn eine der Hexen nicht auf die Zeit achtete“, schrieb Gisela Schinzel-Penth in ihrem 1996 erschienenen Buch „Sagen und Legenden um Fürstenfeldbruck und Germering“. Wer nicht rechtzeitig vor dem Gebetsläuten nach Hause flog, „gehörte für immer dem Teufel“.

Das Schlimmste, was einem heutzutage rund um den Dreiherrenstein droht, ist, dass man sich verläuft. Die Ortszeitschrift „Türkenfeld im Blick“ veröffentlichte vor einigen Jahren eine detaillierte Wegbeschreibung – riet aber auch dazu, ein GPS-Gerät mitzunehmen.

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