Freuen sich über das Toteisloch: (v.l.) Bürgermeister Emanuel Staffler, Peter Brill (Vorsitzender Bund Naturschutz), Günther Asam (Vorsitzender Obst- und Gartenbauverein), Irmgard Meißner (Natur- und Umwelt-Referentin des Gemeinderats), knieend Landschaftsplanerin Cornelia Siuda, Petra Kotschi (Geschäftsführerin Landschaftspflegeverband/LPV), Pius Keller (Bewirtschafter Gemeindewald und Vorsitzender LPV).	Fotos: Kronenbitter (3)
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Freuen sich über das Toteisloch: (v.l.) Bürgermeister Emanuel Staffler, Peter Brill (Vorsitzender Bund Naturschutz), Günther Asam (Vorsitzender Obst- und Gartenbauverein), Irmgard Meißner (Natur- und Umwelt-Referentin des Gemeinderats), knieend Landschaftsplanerin Cornelia Siuda, Petra Kotschi (Geschäftsführerin Landschaftspflegeverband/LPV), Pius Keller (Bewirtschafter Gemeindewald und Vorsitzender LPV).

Bei Türkenfeld

Kleinod aufgetaucht: Toteisloch im Wald

  • vonMax-Joseph Kronenbitter
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Ein Kleinod aus der Nacheiszeit schlummerte bis dato unerkannt im Türkenfelder Gemeindewald. Durch ein Konzept zur Moorrenaturierung ist das Toteisloch in seinem Fortbestand jetzt gesichert. Und es wurde der ständigen Kohlendioxid-Emission der Garaus gemacht.

Türkenfeld – Der vom örtlichen Obst- und Gartenbauverein angelegte und unterhaltene Walderlebnispfad schlängelt sich durch ein idyllisches Stück Gemeindewald südlich des Türkenfelder Bahnhofs. Mehrere Themenstationen und 30 Tafeln auf dem 600 Meter langen Rundweg erklären Kindern und Erwachsenen den Wald. Durch ein Areal von 4500 Quadratmetern verläuft der Weg auf einem nicht mehr verkehrssicheren Holzbohlenweg, weil der Bereich schon immer etwas nass war.

Entwässerungsgraben

Um diese Fläche etwas auszutrocknen und für die Waldnutzung zu erschließen, zogen die Vorfahren Mitte des vergangenen Jahrhunderts kurzerhand einen Entwässerungsgraben. Freilich waren sie sich der Auswirkung ihrer pragmatischen Lösung nicht bewusst, sprach doch damals noch kein Mensch vom Klimawandel. Vermutlich hat auch noch keiner erkannt, dass es sich hier um einen vor Jahrtausenden entstandenen Toteiskessel handelt.

Dieser entsteht, wenn einzelne Eisblöcke aus dem sich zurückziehenden Gletscher langsamer abschmelzen und dabei nach unten absinken. Gleichzeitig lagern sich darauf Schmelzwassersande ab, die heute als Tonschicht den Kessel nach unten abdichten.

Holzbohlenweg

Jüngst stand dann die Erneuerung des durchgefaulten Holzbohlenweges an. „Vorher hatten wir uns an die Untere Naturschutzbehörde gewandt. Wir wollten wissen, ob man da generell was machen sollte“, berichtete Altbürgermeister Pius Keller, der sich seit 40 Jahren um den Gemeindewald kümmert. Sven Bartschat und Cornelia Siuda, die Landkreis-Beauftragte für das „Klimaprogramm Bayern (KLIP) 2050“, erkannten das Potenzial. Schon bei der ersten Ortsbesichtigung fand die Landschaftsplanerin Großseggen und flächige Torfmoosrasenbestände, die auf die Entstehung eines Hochmoores schließen ließ und eine eingehende Sondierung des Moorbodens erforderten. Mit einer Lanze zog Siuda sämtliche Bodenschichten bis zu einer Tiefe von 5,60 Metern ans Tageslicht.

„In den ersten Metern fanden wir unzersetzte und einwandfrei bestimmbare Torfmoosarten, nach fünf Metern wurde es immer toniger, bis schließlich der Grund des Toteislochs erreicht wurde“, erklärt die Moor-Expertin. Ihr daraufhin erstelltes Moorrenaturierungskonzept besagte, die nicht standortgerechten Kiefern und Fichten in diesem Areal zu entnehmen und den Entwässerungsgraben mittels einer „Erdplombe“ wieder zu verschließen. „Denn die Bäume entziehen durch Verdunstung das Wasser, das notwendig ist, um die Zersetzung des Mooskörpers und damit die Freisetzung von CO2 zu verhindern“, so Siuda.

Kleine Tümpel: Das sich aufstauende Wasser zeigt, dass das Entwicklungsziel durch die Niederschläge der vergangenen Wochen in Teilbereichen langsam erreicht wird.

Veranlasst wurden die Arbeiten im vergangenen Winter durch den Landschaftspflegeverband (LPV) Fürstenfeldbruck. Dessen Geschäftsführerin Petra Kotschi konnte dafür Fördermittel aus dem KLIP-Programm, von der Sparkassenstiftung, dem Bund Naturschutz und dem örtlichen Obst- und Gartenbauverein akquirieren.

„Der Pfad durch das Toteisloch ist derzeit gesperrt, weil wir mit der Gemeinde noch den Holzbohlenweg erneuern wollen“, berichtet Kotschi. Zusätzlich sollen im Sommer drei Info-Tafeln aufgestellt werden.

Das Wichtigste war aber, die weitere Austrocknung und Entwässerung zu vermeiden. Schon jetzt steigt der Wasserstand im Toteiskessel durch die Niederschläge zusehends.

Landschaftspflegeverband Fürstenfeldbruck feiert sein 30-jähriges Bestehen

Auch wenn die Pandemie die Planung eines Festes laut Geschäftsführerin Petra Kotschi derzeit unmöglich macht – der Landschaftspflegeverband (LPV) Fürstenfeldbruck feiert heuer sein 30-jähriges Bestehen. Zumindest wurde das Toteisloch in Türkenfeld zum Jubiläumsprojekt gekürt.

Satzungszweck des 1991 gegründeten Vereins ist die Förderung des Naturschutzes und der (Kultur-)Landschaftspflege. Dazu gehört, „reizvolle Landschaftsbilder in ihrer Vielfalt und in ihrem Artenreichtum zu erhalten“ sowie ökologisch wertvolle Flächen, Biotope und andere Schutzgebiete zu pflegen. Weil der gemeinnützige LPV außer der Geschäftsführung und einer Gebietsbetreuerstelle kein eigenes Personal hat, müssen die Pflegearbeiten an örtliche Landwirte, Unternehmer und andere Vereine vergeben werden. Diese übernehmen nach Vorgaben des Vereins mit ihren Spezialgeräten zum Beispiel die Mahd von Feuchtwiesen und Trockenrasen, den Unterhalt von Streuobstpflanzungen, Entbuschungen sowie die Hecken- und Gewässerpflege. Regelmäßig im Frühjahr beschäftigt den Verein auch der Gelegeschutz für den Großen Brachvogel im Ampermoos.

73 Teilflächen in einer Gesamtgröße von 215 Hektar sind in der Obhut des LPV. Der größte Anteil liegt im Naturschutzgebiet Ampermoos, weitere Gebiete sind im Ampertal rund um den Zellhof, in Olching am aufgelassenen Bahndamm, in Eichenau am Starzelbach, in Alling am Hirtberg, in Moorenweis am Naturdenkmal Hohenzell und Landschaftsschutzgebiet Wildmoos, in Kottgeisering am Schinterberg und in Grafrath am Mauerner Hölzelberg sowie im Tiefen Tal.

322 000 Euro wurden 2020 vom Verein für den Naturschutz ausgegeben. Die Einnahmen generieren sich zu drei Vierteln aus staatlichen Fördermitteln, der Landkreis zahlt jährlich 66 000 Euro an den LPV.

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