Stefan Dietrich war gerne am Wasser. Seine Urlaube gingen immer ans Meer. Er starb mit nur 55 Jahren. repro: os
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Stefan Dietrich war gerne am Wasser. Seine Urlaube gingen immer ans Meer. Er starb mit nur 55 Jahren. repro: os

Nachruf

Am Ende war die Krankheit stärker: Trauer um einen Mann mit vielen Talenten

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Türkenfeld – Stefan Dietrich war jemand, der scheinbar gegensätzliche Talente in sich vereinte. Im Alter von nur 55 Jahren ist er verstorben.

Türkenfeld - Auf der einen Seite war er ein blitzgescheiter, analytischer Naturwissenschaftler. Auf der anderen Seite hatte er eine ausgeprägte künstlerische Ader und war ein begabter Musiker. Bei der Blaskapelle Türkenfeld spielte er diverse Instrumente, brachte innovative Ideen ein und war bei vielen neuen Projekten die treibende Kraft. Tenorhorn, Posaune, Alphorn und zuletzt auch noch Schlagzeug – wenn er sich für ein Instrument entschieden hatte, ging Stefan „Didi“ Dietrich methodisch zu Werke. Von Grund auf lernte er alles, was es über das Instrument und die Spieltechnik zu wissen gab. Stand er dann aber auf der Bühne, machte der Kopfmensch dem leidenschaftlichen Musiker Platz. Dazwischen moderierte er die Musikveranstaltungen häufig auch noch.

Münchner Kindl mit Türkenfelder Wurzeln

Im Hintergrund pflegte er die Homepage des Vereins, entwarf dessen erstes Logo und war federführend an der Organisation des „Blech trifft Strom“-Konzerts zum 125. Feuerwehrjubiläum beteiligt. Daneben war Dietrich ein sehr guter Maler. In seiner Studienzeit verzierte er für Freunde zahllose Autos, Motorräder und Helme mit Air-Brush-Bildern.

Dietrich war ein Münchner Kindl mit Türkenfelder Wurzeln. Seine Großeltern hatten hier einen kleinen Bauernhof, der Großvater war Feuerwehrkommandant und Hochzeitslader. Dietrichs Eltern bauten auf dem Grundstück der Familie ein Haus, als der Sohn noch klein war. So wurde Türkenfeld für den Absolventen des Brucker Viscardi-Gymnasiums zur Heimat, die ihm zeitlebens wichtiger war als die berufliche Überholspur. In der Halbleiterindustrie fand er ein Arbeitsfeld, wo er seine gegensätzlichen Talente optimal einbringen konnte. Die Entwicklung von Speicher-Chips für Computer forderte seine Kreativität ebenso wie sein analytisches, faktenorientiertes Denken.

Sonnenuntergang am Strand

Berufliche Wechsel ins Ausland wurden ihm mehrfach angeboten, doch der promovierte Physiker lehnte sie alle ab. „Karriere war ihm nie wichtig. Er wollte lieber am Ammersee und bei seinen Musikern bleiben“, sagt Dietrichs Frau Sabine, mit der er seit 1992 verheiratet war.

Ans Wasser zog es ihn im Laufe seines Lebens immer mehr. „Die Vorfreude auf die jährliche Segelwoche war immer groß. Unsere Urlaube gingen auf die verschiedensten Kontinente, aber immer ans Meer.“ Wenn Stefan Dietrich dann abends mit einem Bier am Strand saß und in den Sonnenuntergang schaute, war seine Welt rundum in Ordnung.

Der Mann mit dem gewinnenden Lächeln war noch keine 30 Jahre alt, als er erstmals an Krebs erkrankte. Trotz düsterer Prognose nahm er den Kampf auf – und gewann. 2016 kam die Krankheit völlig unerwartet zurück, und wieder bot Dietrich ihr die Stirn, auch wenn es bedeutete, einen schweren Weg voller Schmerzen auf sich zu nehmen.

Doch diesmal war der Krebs stärker. In den letzten Monaten fand er nicht einmal mehr Zuflucht in der Kunst, denn er konnte nicht mehr malen oder eines seiner geliebten Instrumente spielen. „Aber beklagt hat er sich niemals“, sagt seine Frau. Daheim in seinem Türkenfeld schlief Stefan Dietrich mit nur 55 Jahren friedlich ein.

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