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Sie gründen eine Selbsthilfegruppe: Barbara und Christian Echter-König. 

Türkenfeld

Adipositas: Neue Selbsthilfegruppe für Übergewichtige

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Verächtliche Blicke, verletzende Kommentare – für Menschen, die unter Fettsucht leiden, gehört das zum Alltag. Ganz zu schweigen von den alltäglichen Einschränkungen, die viele Betroffene in die Verzweiflung treiben.

Türkenfeld –  Barbara Echter-König und ihr Mann Christian können ein Lied davon singen. Auch wenn die beiden den Kampf gegen das extreme Übergewicht inzwischen gewonnen haben, lässt das Thema sie nicht los. Nun wollen sie andere unterstützen und haben deshalb die Adipositas-Selbsthilfegruppe Amper-Lech gegründet. Der offizielle Startschuss fällt am 18. Januar mit einer Eröffnungsveranstaltung in Türkenfeld.

Bereits vor einem knappen Jahr hat das Ehepaar eine Schwimmgruppe ins Leben gerufen. „Schwimmen war der einzige Sport, den wir noch machen konnten“, erzählt Barbara Echter-König. Sie stellte fest, dass es vielen Leidensgenossen ähnlich ging, sich die Mehrzahl aus Scham aber nicht ins Schwimmbad traute. Die Lösung fand sich in Türkenfeld. Einmal in der Woche mietet das Ehepaar das Schulschwimmbad und engagiert eine Bademeisterin. Wer kommen möchte, muss sich anmelden. „Wenn alle da sind, sperren wir die Tür zu und schwimmen unter uns.“

Viele Fragen zum Thema Adipositas

Mit der Zeit kamen Christian Echter und seine Frau allerdings immer weniger dazu, selbst ein paar Bahnen zu ziehen. „Wir haben die meiste Zeit im Wasser gestanden und Fragen beantwortet.“ Die Gründung der Selbsthilfegruppe war die logische Konsequenz. Sie soll dem Informations- und Erfahrungsaustausch dienen. „Was einem wirklich hilft, sind Gemeinsamkeit und Austausch“, weiß Christian Echter. Der 56-Jährige plagte sich seit seiner Kindheit mit Übergewicht herum. Zuletzt brachte er fast 200 Kilo auf die Waage. Darunter litt er massiv.

Operation gegen Adipositas

Von der Gesellschaft werde man als faul, gefräßig und willensschwach abgestempelt, von der Medizin oftmals nicht ernst genommen, erzählt er. „Begleiterkrankungen werden übersehen. Man ist ja nur zu fett.“ „Wir waren am Ende“, ergänzt seine Frau. Sie erinnert sich noch gut an den Tag, als sie tränenüberströmt vom Arzt kam. Man werde ihre kaputten Kniegelenke nicht operieren können, hieß es. Die Prothesen würden nur 120 Kilo Körpergewicht aushalten. Ihr drohte der Rollstuhl. „Ich habe mich gefragt, ob ich jetzt von der Brücke springen soll“, sagt die 55-Jährige. Das Ehepaar entschloss sich zu einem chirurgischen Eingriff. Beiden wurden 90 Prozent des Magens entfernt. Übrig ist ein sogenannter Schlauchmagen, der dafür sorgt, dass man schneller satt ist. Seitdem sind bei beiden die Kilos gepurzelt. „Jetzt kann ich wieder Treppen steigen“, sagt Echter-König und strahlt. Ihr Mann braucht keine Schlafmaske mehr.

Er muss nicht mehr darüber nachdenken, ob die Plastikstühle im Biergarten ihn aushalten werden. Er kann wieder mit seiner Frau gemeinsam Aufzug fahren und muss bei der Urlaubsplanung keine Erkundigungen über die Stabilität der Hotelbetten mehr anstellen. Gleichzeitig wissen die beiden: Ebenso wie von anderen Suchterkrankungen ist man von Fettsucht nie geheilt. „Die Operation ist lediglich eine mechanische Hilfe zum Abnehmen. Die Fettzellen sind noch da, sie sind nur geschrumpft.“ Der eigentliche Kampf findet im Kopf statt und zwar lebenslang. Geplant sind Fachvorträge von Spezialisten, Ausflüge, gemeinsamer Sport, Freizeitaktivitäten und Feste.

Termin

Die Eröffnungsveranstaltung der Adipositas-Selbsthilfegruppe Amper-Lech findet am Samstag, 18. Januar, von 14 bis 18 Uhr im Türkenfelder Pfarrheim (Schlossweg 3) statt. Mehr Infos im Internet auf www.shg-amper-lech.de.

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