So sah es während der Bauarbeiten aus und so sieht es jetzt aus: Bürgermeister Emanuel Staffler (Mitte) und seinen beiden Stellvertreter Sabeeka Gangjee-Well und Johannes Wagner zeigen im frisch sanierten Rathaussaal Fotos, die während der Bauarbeiten entstanden sind.	Fotos: Peter Weber (4)
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So sah es während der Bauarbeiten aus und so sieht es jetzt aus: Bürgermeister Emanuel Staffler (Mitte) und seinen beiden Stellvertreter Sabeeka Gangjee-Well und Johannes Wagner zeigen im frisch sanierten Rathaussaal Fotos, die während der Bauarbeiten entstanden sind.

Türkenfeld

Alter Rathaussaal im Schloss erstrahlt in neuem Glanz

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Mit seinem knarzenden Fußboden, den alten Bücherregalen und 1970er-Jahre-Kronleuchtern konnte man dem Türkenfelder Rathaussaal bestenfalls einen gewissen angestaubten Charme bescheinigen. Jetzt aber hat sich der Raum in ein Schmuckkästchen verwandelt.

Türkenfeld – Dank einer mehrmonatigen Sanierung ist er schöner, moderner und sicherer geworden – ohne sein historisches Flair zu verlieren.

Als im Januar die Arbeiten anliefen, hätte es einiger Fantasie bedurft, sich den Endzustand vorzustellen. Fotos aus dieser Phase zeigen nichts als eine Schuttschicht statt eines Fußbodens – Schutt, der schubkarrenweise durchs Fenster aus dem ersten Stock weggeschafft werden musste. Die auf historische Gebäude spezialisierte Zimmerei hatte eigens eine temporäre Treppe an der Außenwand errichtet, um das historische Treppenhaus des Rathauses zu schonen.

Alte Bücherregale und Kronleuchter aus den 1970er-Jahren: Man konnte dem Rathaussaal bis zur Sanierung bestenfalls einen angestaubten Charme bescheinigen.

Im Saal musste der alte Filzteppichboden inklusive Unterboden vollständig herausgebrochen, jeder Bodenbalken mit einer Spezialsonde auf seine Tragfähigkeit überprüft und gedämmt werden. Nur noch eine dünne Putzschicht trennte in diesem Stadium den Saal vom darunterliegenden Bauamt.

Statische Untersuchungen hatten zuvor ergeben, dass das jedem Besucher wohlbekannte Schwingen des Saalbodens ein ernst zu nehmendes Risiko darstellte. Aus Sicherheitsgründen sollten zuletzt nur noch maximal 20 Personen gleichzeitig im Raum sein. Spätestens nach diesem Befund war klar, dass der Saal würde saniert werden müssen. „Die Überprüfung der freigelegten Balken hat zum Glück gezeigt, dass sie in einem guten Zustand sind“, sagt Bürgermeister Emanuel Staffler.

Beton und Stahl stärken Boden

Michael Drexl und Gerhard Meissner von der Teilnehmergemeinschaft Dorferneuerung. Weil die Saalsanierung zur Dorferneuerung gehört, gab’s Zuschüsse.

Um den Boden zu ertüchtigen, wurden die Balken mit Stahlträgern verstärkt, die Zwischenräume mit einem Betongemisch ausgegossen und gedämmt. Grobspanplatten und ein Plastikgemisch bilden nun den Untergrund für das schicke neue Fischgrätparkett, das Staffler und seine beiden Stellvertreter Johannes Wagner und Sabeeka Gangjee-Well ausgesucht haben. Gemeinsam traf das Trio auch die Entscheidung, die Stuckleiste unterhalb der Decke farblich abzusetzen und damit optisch stärker hervorzuheben. „Wir haben verschiedene Grautöne ausprobiert“, berichtete Emanuel Staffler.

Die Arbeit an der Decke gestaltete sich ebenfalls aufwändig. Vor dem neuen Anstrich musste der alte mit dem Spachtel abgekratzt werden. Man hatte in der Vergangenheit zwei Farben übereinander aufgetragen, deren Substanz sich nicht vertrug, was zu zahlreichen Rissen führte.

Erneuert werden mussten auch die Fenster. Sie tun nun, was ihre Vorgänger nicht oder nur teilweise konnten – sich vollständig öffnen und fest schließen lassen.

Um das schöne historische Treppenhaus zu schonen, wurde für den Abtransport von Bauschutt außen temporär eine Treppe angebaut.

Rolle des Bauernmalers in der NS-Zeit

Die Sanierung überlebt haben die Ölgemälde des Zankenhauseners Franz Xaver Wölfle (1887-1972). Hinzugekommen ist allerdings eine Info-Tafel, die sich mit der Rolle des als „Bauernmaler“ bekannten Künstlers in der NS-Zeit beschäftigt. Seine naturgetreuen Genre-Porträts passten zur damaligen Kunstideologie und kamen bei den Nazis gut an. Er selbst wird heute in der Rückschau als Mitläufer eingestuft.

Sitzungsgelder gespendet

Die Kosten der Saalsanierung belaufen sich insgesamt auf 200 000 Euro, wobei die Gemeinde im Zuge der Dorfentwicklung einen Zuschuss von 80 000 Euro vom Amt für Ländliche Entwicklung erhält. Möglich ist dies, weil der Saal nicht ausschließlich für hoheitliche Aufgaben der Gemeinde, sondern auch für Kulturveranstaltungen genutzt wird. Auch der Gemeinderat leistete einen Beitrag zur Finanzierung. Für die Restaurierung der Ratsstühle verzichtete das gesamte Gremium im vergangenen Jahr auf sein Sitzungsgeld.

Wann die Ratsmitglieder das erste Mal auf den frisch aufgepolsterten Stühlen Platz nehmen werden, ist offen. Sitzungen können im Saal erst wieder stattfinden, wenn das coronabedingte Abstandsgebot nicht mehr gilt.

Brautpaare begeistert

Immerhin: Zwei Brautpaare hat Rathauschef Staffler hier schon getraut. Beide, so erzählt der Bürgermeister, seien ganz begeistert gewesen vom alten Saal in neuem Glanz.

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