Ausflugs-Chaos am Ammersee - Gleich 60 Verstöße am Samstag: Polizei verwarnt Autofahrer
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Die Polizei verteilte Strafzettel.

Türkenfeld

Strafzettel kommen bald aus dem Rathaus

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Die Gemeinde Türkenfeld zieht sich aus dem Zweckverband kommunale Verkehrsüberwachung Südostbayern zurück. Gegen Falschparker will die Verwaltung künftig selber vorgehen, blitzen soll die Polizei.

Türkenfeld – Erst im Jahr 2018 hatte sich Türkenfeld dem Zweckverband im Rahmen einer Probemitgliedschaft angeschlossen. Nachdem sich die vereinbarten zwei Jahre nun dem Ende nähern, musste die Gemeinde entscheiden, wie es weitergehen soll.

„Bisher waren wir verlobt. Jetzt kommt vom Zweckverband die Frage, ob wir heiraten wollen“, umschrieb Bürgermeister Emanuel Staffler (CSU) blumig die Situation – und empfahl dem Gemeinderat, dem Hochzeitswerber einen Korb zu geben. Denn mit dieser Art der Verkehrsüberwachung könnten „nur sehr punktuelle Signale“ gesetzt werden, so Staffler. Aufgrund des großen Verbandsgebiets seien schnelle Reaktionen, etwa auf zugeparkte Rettungswege, nicht möglich.

Hinzu kommt, dass die Gemeinde gehörig draufzahlt – insgesamt wurden in den Jahren 2019 und 2020 rund 5600 Euro an Bußgeldern eingenommen. Demgegenüber stehen Kosten von mehr als 26 000 Euro.

Zwar solle die Verkehrsüberwachung keinen finanziellen Gewinn in die Kasse spülen. Doch wenn eine Stunde Blitzen einen dreistelligen Betrag koste, dabei aber nur eine Handvoll Temposünder erwischt werde, stünden Kosten und Nutzen in keiner Relation, hieß es. Das Geld sei anders besser angelegt – zum Beispiel für bauliche Maßnahmen, Ideen aus dem Arbeitskreis Verkehr oder digitale Hinweisschilder.

Notorische Falschparker bekommen es künftig direkt mit der Verwaltung zu tun. Die nämlich sei durchaus befugt, Verwarnungen mit entsprechenden finanziellen Sanktionen zu verhängen, sagte Staffler.

Zunächst soll aber immer an den guten Willen der Verursacher appelliert werden. Musterbriefe, mit denen Bürger auf Verstöße aufmerksam gemacht werden sollen, liegen bereit. Die Mitarbeiter der Verwaltung haben begonnen, sich in Sachen Straßenverkehrsordnung und Verkehrsüberwachung weiterzubilden.

Auch hat die Gemeinde mittlerweile gute Kontakte zur Fürstenfeldbrucker Polizeiinspektion und hofft, manches auf kurzem Dienstweg anstoßen zu können – zum Beispiel punktuelle Geschwindigkeitsüberwachungen an neuralgischen Stellen. Auf Probleme beim Hol- und Bringverkehr vor den Kindergärten machte kürzlich auf Bitten der Gemeinde eine Fürstenfeldbrucker Polizeibeamtin die Eltern aufmerksam.

Um Konflikte zwischen parkenden Fahrzeugen und Winterdienst zu vermeiden, kann sich Staffler in schmalen Straßen und engen Kurvenbereichen auch temporäre Parkverbote im Winter vorstellen. Im Bereich Seniorenwohnanlage, Kirche und Friedhof hat die Gemeinde jüngst Tempo 30 angeordnet. Mit dem Vorgehen in Sachen Zweckverband erklärte sich der Gemeinderat einhellig einverstanden.

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