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Türkenfeld verkauft sein eigenes Glasfasernetz

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Als einzige Gemeinde im Landkreis betrieb Türkenfeld bis vor kurzem ein eigenes Glasfasernetz. Die optimale Versorgung der Haushalte mit schnellem Internet sollte langfristig Gewinne in die Gemeindekasse spülen. Doch die wären womöglich nie gekommen. 

Türkenfeld – Nun hat Türkenfeld sein Netz verkauft – und sich damit vor finanziellen Verlusten in der Zukunft geschützt. Käufer ist das Telekommunikationsunternehmen Deutsche Glasfaser, das als Provider bereits seit Jahren für den aktiven Netzbetrieb zuständig ist. Die passive Netzinfrastruktur hatte die Deutsche Glasfaser lediglich gepachtet. Der Vertrag wäre 2023 ausgelaufen. Wie sich die Pachtpreise danach entwickelt hätten, war nicht abzusehen. „Man weiß nie, was in der Zukunft auf dem Telekommunikationsmarkt passieren wird“, konstatiert Bürgermeister Pius Keller (CSU).

Sorge wegen steigender Beiträge

Die Kredite, die die Gemeinde für den Bau des Netzes aufgenommen hatte, laufen noch gut 20 Jahre. Für den Betrieb wurde das Kommunalunternehmen Errichtungs- und Versorgungsbetrieb Türkenfeld (EVBT) gegründet, das schon bald auf finanzielle Unterstützung aus der Gemeindekasse angewiesen war, da die Einnahmen sich weniger positiv entwickelten als gedacht. Seit 2016 stellte die Gemeinde jedes Jahr 60 000 Euro als Unterstützung für den EVBT bereit. Diese Mittel hätten aber nicht immer vollständig ausgeschöpft werden müssen, erklärt Kämmerin und EVBT-Vorsitzende Renate Mang. Bei sinkenden Pachteinnahmen hätten die Zuschüsse aber unter Umständen steigen müssen. „Im schlimmsten Fall hätten wir jedes Jahr hohe Beträge draufzahlen müssen“, so Keller.

Mit Hilfe eines auf Telekommunikationsrecht spezialisierten Anwalts einigte sich die Gemeinde mit der Deutschen Glasfaser auf den Verkauf. In nichtöffentlichen Sitzungen gaben der EVBT-Verwaltungsrat einstimmig und der Gemeinderat mehrheitlich ihren Segen dazu. Die Gegner hofften langfristig doch noch auf Gewinne, wie Keller berichtet. Und es fiel ihnen schwer, sich von dem Projekt zu trennen, das seinerzeit mit viel bürgerschaftlichem Engagement aus der Taufe gehoben wurde. Freiwillige gingen damals von Tür zu Tür und warben bei den Mitbürgern dafür, sich anschließen zu lassen. Fachkundige Bürger berieten den EVBT-Verwaltungsrat und standen als Ansprechpartner für Kunden zur Verfügung, die Probleme mit ihrem Anschluss hatten. „Es wurde viel Zeit und Herzblut hineingesteckt“, sagt Bürgermeister Keller. Er und Renate Mang sind sich deshalb einig: „’Geistig’ ist es noch immer unser Netz.“

Verträge bleiben bestehen

Für die Kunden hat sich durch den Verkauf nichts geändert. Alle Verträge haben ihre Gültigkeit behalten. Aus der Bürgerschaft habe er keine Kritik gehört, berichtet Keller. Technische Probleme seien nicht mehr aufgetreten, seit im letzten Jahr die Elektronik in der Schaltzentrale erneuert wurde. Im Anschluss schaffte die Deutsche Glasfaser allerdings die reinen Telefonie-Verträge ab, die einige ältere Leute noch hatten. Mittlerweile kann der Telefonanschluss nur noch in Verbindung mit Internet gebucht werden.

Wie es nun mit dem EVBT weitergeht, ist offen, denn nach dem Verkauf des Netzes hat er keine Funktion mehr. Ob das Kommunalunternehmen deswegen aufgelöst wird, bleibt abzuwarten. Mang kann sich vorstellen, es lediglich ruhen zu lassen und bei neuen Projekten wieder zu aktivieren – beispielsweise für sozialen Wohnungsbau. 

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