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So jung sehen sie sich nie wieder: Die einstigen SCF-Funktionäre und ihre Star-Spieler.

Wiedersehensfeier

Alte Fußball-Asse sind immer noch klasse

An alte Geschichten haben sich Fußballhelden aus den 1970er-Jahren bei ihrer Wiedersehensfeier erinnert. Unter anderem an Herbert Pittrich, den sie „Säger Happy“ riefen, der sein Stottern mit viel Humor inszenierte.

Türkenfeld Die Inbrunst, mit der Pittrich als leidenschaftlicher Sänger „Wer hat die Welt so schön gemacht“ dirigierte, ist bis heute unvergessen. Und eben eine jener Geschichten, die man sich erzählt und die den Kitt jeder Dorfgemeinschaft bedeuten.

Über Abende wie jenem im Nebenzimmer des Gasthof Hartl liegt eine eigentümliche Nostalgie. Es trafen sich 45 Ehemalige des TSV Türkenfeld im Alter zwischen 60 und 86 Jahren. Einige wohnen noch im Ort, andere haben sich seit mehr als drei Jahrzehnte nicht mehr gesehen. Der Organisator des Treffens, der 66-jährige Christian Christner, seit fast 40 Jahren im Fürstenfeldbrucker Exil lebend, hatte zwei Wochen damit zugebracht, alte Weggefährten ausfindig zu machen und einzuladen. „Wenn ich an Zankenhausen vorbei, den Berg nach Türkenfeld herauffahre, dann fühl‘ ich mich daheim“, so Christner über die Trennung zwischen Heimat und Wohnort.

Zu den krachenden Derbys der 1960er-Jahre kamen bis zu 800 Zuschauer

Geschichten sind es, Episoden wie jene über den mittlerweile verstorbenen, „Säger Happy“, welche die Jahrzehnte gegenseitiger Absenz vergessen machen. So erzählt der 86-jährige Josef Heigl, der ab 1960 über 20 Jahre lang Jugendleiter war, von Reisen der Jugendmannschaften durch halb Europa. Von Oberösterreich 1971, „wo der 17-jährige Mayr Reinhold seine heutige Frau, die Conny, kennenlernte“. Er erzählt auch von Paris, als am Eiffelturm der Böck Rainer verloren ging, oder davon, dass man überall, wo man war, gegen die dortigen Fußballclubs antrat. Und bei allem Ehrgeiz auf jeder Reise auch „Freundinnen und solche, die gar nicht Fußball spielten“ mitzog.

Türkenfelds Fußballhelden – früher und heute

Adolf Bernhard, den sie alle nur Adi nennen, berichtet von den krachenden Derbys der 1960er-Jahre, als bei Spielen zwischen Türkenfeld und Geltendorf noch 800 Zuschauer kamen und sich mit Expertisen von der Seitenlinie nicht zurückhielten. Die Kabine am alten Sportplatz in der Fuggerstraße, eine Holzbaracke, sei in der Halbzeit so überfüllt gewesen, „dass man sich als Spieler gar nicht mehr hinsetzen konnte.“ Die Spieler hätten sich dann einmal beschwert, die Zuschauer sollten doch in der Halbzeit nicht mehr in die Kabine kommen. Dass der Platz abschüssig war – Christian Christner schätzt „auf 80 Meter ging es einen bergab“ – tat dem Enthusiasmus damals auch keinen Abbruch.

Als die Tore noch aus Holz und die Schuhe aus Kalbsleder waren

Jedoch bei allem Einklang: Mit einem kann Manfred Gräf, der ehemalige Wirt der Sportlerheime in Kottgeisering und Emmering, sich nicht zurückhalten. Peter Loder, der Sportchef des Tagblatts, habe ihn seinerzeit vom Platz gestellt, worauf eine halbjährige Sperre folgte. Das Ende von Gräfs Karriere. Heute lacht er darüber, vergessen hat er es nicht. Ebenso wie der Sportreporter, der damals für eine Artikelserie über Schiedsrichter die Neulingsprüfung (in Türkenfeld) gemacht hat. Sein erster Einsatz als Pfeifenmann war bei einem Seniorenturnier in Schöngeising. Gräf war auch dabei. „Leider“, wie sich Loder erinnert. Denn das mit dem „völlig unberechtigten“ Platzverweis tut dem Schreiberling heute noch „furchtbar leid“.

Es sind Geschichten, die erzählt werden aus Zeiten, als die Tore noch aus Holz und die Schuhe aus Kalbsleder waren. Als 50 Mark und ein paar Kästen Bier noch ganze Aufstiegsspiele entschieden und Spieltage stets im Wirtshaus Eisenreich am Bahnhof ausklangen. Dann sangen sie, die Spieler des TSV mit Gegnern, Frauen, Kindern: „Wer hat die Welt so schön gemacht, wer hat das Fußballspiel erdacht…“ Und der Herbert „Säger Happy“ Pittrich dirigierte und sang so inbrünstig.

von Johannes Thalmayr

Brucks ehemalige SCF-Größen erinnern sich an glorreiche Bayernliga-Zeiten

So jung sehen sie sich nie wieder: Die einstigen SCF-Funktionäre und ihre Star-Spieler.

Lang liegen sie zurück, die glorreichen Fußballzeiten des SC Fürstenfeldbruck in der Bayernliga. Zu lang – befanden zumindest Ex-Präsident Albrecht Huber, sein damaliger Organisator Christian Schilling und Vorstandsmitglieder wie Franz Ostermeier, Hans Hartwig und Siglinde Schmid. Weshalb die einstigen Chefstrategen die einstigen regionalen Fußballgötter zur Wiedersehensfeier zusammengetrommelt haben. Torjäger-Größen wie Alexander Plabst (künftig Coach in Freising) oder Andreas Felsner waren ebenso versammelt wie der aus dem Dachauer Hinterland angereiste Ex-Trainer Willi Loderer („Ich habe abgeschlossen mit dem Fußball.“).

Noch immer aktiv sind dagegen Carsten Teschke und Thomas Griesgraber, die als Trainer in Oberweikertshofen an alte Erfolge anknüpfen wollen. Erfolge, von denen die aktuelle SCF-Elf nur träumen kann. Sie kämpft ab kommenden Wochenende gegen den Abstieg in die Kreisliga. Ebenso beim Fußball-Revival dabei: Marlon Cecic, Stefan Sturm, Christian Obermeier, die Torhüter-Legenden Franz Taferner, Alexander Hahn, Peter Krems (der Grafrather soll jetzt als Trainer den TSV Schondorf vor dem Abstieg bewahren) und Hans Schöpf.

In Erinnerungen schwelgten außerdem der Starnberger Stefan Suchanke zusammen mit Thomas Herber, Stefan Steinbeißer, Viktor Fischer, Armin Riedl und Heinz Westphal. Und sogar Adelshofens Eisenfuß Max Altmann trat mal wieder in Öffentlichkeit, in die ihn damals auch Tagblatt-Reporter Peter Loder, der am Wiedersehens-Abend nicht fehlend durfte, öfter gezerrt hat, als dem Abwehr-Ass vielleicht lieb gewesen war. 

von Peter Loder

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