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Die Premiere der Veranstaltungsreihe SoMaLi (Sonntagsmatineen im Linsenmann-Saal) stieß beim Publikum auf größtes Interesse.

Nach Schulungszentrum und Flüchtlingsunterkunft

Wieder Kultur im Linsenmann-Saal

Der Saal im ersten Stock des Türkenfelder Linsenmannhauses hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Zuerst wurde er für Kulturveranstaltungen genutzt, dann war er Schulungsraum und zwischenzeitlich als Flüchtlingsunterkunft im Gespräch. Jetzt finden dort wieder Konzerte und Lesungen statt – der Kreis hat sich geschlossen.

Türkenfeld – Endlich, sagt Kulturreferent Valentin Schmitt. Er hat sich in den vergangenen Jahren im Gemeinderat immer wieder dafür ausgesprochen, den Raum als Bürgersaal für Veranstaltungen zu nutzen. „Dafür war er ja ursprünglich konzipiert worden.“ Nachdem die Gemeinde das Linsenmannhaus erworben und saniert hatte, mietete ein Türkenfelder Arzt den Saal und machte daraus ein lokales Kultur- und Seminarzentrum (KUSZ). „Es fanden Kabarett- und Musikveranstaltungen statt“, so Schmitt. Der Saal war oft voll.

Doch genau das wurde bald zum Problem. Die Nachbarn beschwerten sich über abendlichen Lärm und setzten eingeschränkte Nutzungszeiten durch. Der Kulturbetrieb kam dadurch zum Erliegen. 2009 fasste der Gemeinderat dann den Beschluss, den Saal an ein privates Fortbildungsinstitut zu vermieten. Schmitt machte damals seinem Unmut Luft, indem er im Gemeinderat Sterbebilder verteilte – mit der wirtschaftlichen Nutzung werde der Saal als Kulturstätte zu Grabe getragen, so seine Kritik.

Als 2015 im Ort händeringend nach Asylunterkünften gesucht wurde, war der etwa 130 Quadratmeter große Raum kurzzeitig als Flüchtlingsheim im Gespräch. Das Vorhaben scheiterte aber am Brandschutz, der einen unverhältnismäßig teuren Umbau erfordert hätte. Zwischenzeitlich wurde sogar die Genehmigung als Versammlungsstätte entzogen. Nachdem nun außen eine zweite Fluchttreppe angebaut wurde, darf der Saal wieder für Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen genutzt werden.

Die alte Bühne aus KUSZ-Zeiten ist noch vorhanden, Stühle werden aus der Schönbergaula antransportiert. Schmitt hofft aber, dass die Gemeinde dem Saal bald eine eigene Bestuhlung und eine neue Beleuchtungsanlage spendieren wird. Entsprechende Gelder wurden in den Haushalt eingeplant.

Unter dem Titel „SoMaLi“ (Sonntagsmatineen im Linsenmann-Saal) hat der Kulturreferent nun eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Die Premiere – ein Konzert des Akkordeonorchesters Amper-Lech – war bereits ein voller Erfolg. Am kommenden Sonntag präsentiert Bestseller-Autor Oliver Pötzsch, bekannt durch seine „Henkerstochter“-Saga, die musikalische Lesung „Meine Kur hat einen Schatten“.

Kulturreferent Valentin Schmitt, der das Programm gemeinsam mit Veronika Rüfer an Klavier und Gitarre begleitet, verspricht „eine schräge Revue zum Thema Reha“. Der Name SoMaLi ist übrigens nicht nur eine passende Aneinanderreihung von Silben. Schmitt spielt damit auch auf Somaliland an, eine Region Somalias, die sich als ansatzweise demokratischer, wenn auch bisher international nicht anerkannter Staat vom Mutterland unabhängig gemacht hat. „Das ist eine Region in Afrika, wo das Leben funktioniert“, so Schmitt. Deshalb passe der Name doch gut zu einer „Oase für künstlerische und dichterische Freiheit“.

Von Ulrike Osman

Die musikalische Lesung

„Meine Kur hat einen Schatten“ mit Oliver Pötzsch, Veronika Rüfer und Valentin Schmitt findet am Sonntag, 30. April, ab 11 Uhr im Linsenmann-Saal statt. Karten unter 08193/5885 oder val.schmitt@web.de.

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