Mit Grips und seinem Handy vermasselte Luis einer Unfallflüchtigen die Tour. Stolz zeigt er ein Beweisfoto.

Zwölfjähriger hilft der Polizei

Wie die TV-Detektive - nur in echt

Fürstenfeldbruck - Solche Zeugen wünscht sich die Polizei öfter: Ein Zwölfjähriger beobachtete einen Verkehrsunfall – und den Verursacher, der sich aus dem Staub machte. Sofort zückte der Zwölfjährige sein Handy und machte Beweisfotos. Wo er sich das abgeschaut hat? Bei den Kinderdetektiven aus der Fernseh-Serie „Die drei ???“.

 Luis verpasste früher selten eine Folge der „drei ???“, in der eine Gruppe junger Burschen böser Schurken mit detektivischem Spürsinn auf die Schliche kommt (siehe Nebenbei). Letzten Dienstag hat er nun selbst seinen ersten Kriminalfall gelöst.

Nun war Luis zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Der Bub besucht die Mittelschule Nord in Fürstenfeldbruck. In der Regel hat er bis 16 Uhr Unterricht und nimmt dann zehn Minuten später den Bus nach Hause. Diesen Dienstag hatte er aber noch ein Gespräch mit einem Lehrer und verpasste deshalb die übliche Verbindung. Bis zur Bushaltestelle direkt vor der Schule begleiteten ihn noch Freunde. Dann trennten sich die Wege, und der Zwölfjährige wartete allein im Bushäuschen auf seine Mitfahrgelegenheit.

Gerade als er seiner Mama eine SMS schreiben wollte, dass es heute später werden würde, sah er es: „Eine Frau hat beim Rückwärtsausparken einen Lastwagen angefahren“, erzählt Luis, der in seiner Freizeit gerne Fußball und Computerspiele spielt. An das Geräusch erinnert er sich noch genau: „Es war so ein Krachen. Wenn Metall auf Metall trifft.“

Die Frau muss das wohl auch gehört haben. „Sie hat sich sogar umgedreht und nach hinten geschaut“, erinnert sich der Schüler. Dann fuhr sie aber davon, ohne sich um den geparkten – jetzt verschrammten – Lastwagen zu kümmern. Das weiß Luis so genau, weil die Parkbucht direkt gegenüber dem Bushäuschen ist, in dem er wartete. Er saß dort auf seiner Bank, also sozusagen in der ersten Reihe.

Als die Frau drauf und dran war, davonzurauschen, tat der Zwölfjährige genau das, was wohl auch „Die drei ???“ getan hätten. Er merkte sich die Kennzeichen beider Fahrzeuge und notierte sie zur Sicherheit ins Handy. Dann verließ er seinen Beobachtungsposten und schaute sich den Lastwagen genauer an. „Links vorne hat man die Spuren gesehen. Das ging bis nach oben“, berichtet der Zwölfjährige. Mit dem Smartphone fotografierte er die Kratzer. So wie es die Ermittler in der Sat1-Serie „Auf Streife“ tun. Auch die schaut sich der Bub öfter an.

Danach lief Luis zur Polizeiinspektion. Die ist nur ein paar Straßen weiter. Ob das ein mulmiges Gefühl war, über die Schwelle der Wache zu treten? „Nein.“ Der Bub schüttelt energisch den Kopf: „Die Polizei will ja nur Gutes.“ Deswegen erzählte er den Beamten auch ohne Umschweife, was er gesehen hatte und lieferte Kennzeichen nebst Beweisfotos gleich mit. Die Polizei war beeindruckt: „Sie haben gemeint, dass ich das sehr gut gemacht hätte“, erzählt der Zwölfjährige fast verlegen.

Nur ein Fehler sei ihm unterlaufen: „Der Lkw war aus München. Ich hab’ mir aber in der Eile Fürstenfeldbruck notiert“, gesteht er. Kein Problem: Den Irrtum bemerkten die Beamten und Luis bei einer Besichtigung des Tatorts schnell. Und dank der genauen Informationen des Zwölfjährigen konnten die Halter der am Crash beteiligten Fahrzeuge schnell ausfindig gemacht werden.

Für Luis war das nicht der erste Unfall, den er beobachtet hat. Mit seiner Mama, die ganz stolz auf ihren Sprössling ist, hat er schon einmal einen Zusammenstoß gesehen. Damals hätten die Beteiligten aber selbst die Polizei verständigt. Trotzdem seien Mutter und Sohn vor Ort geblieben, bis die Gesetzeshüter eintrafen. „Danach haben wir uns drüber unterhalten“, erinnert sich Luis.

Vielleicht rührt es auch vom guten Vorbild, dass der Bub so viel Zivilcourage besitzt. Zudem ist er sich sicher: Wenn er selbst mal ein Auto hat, kommt Unfallflucht für ihn nicht in die Tüte. Detektiv möchte er aber nicht werden. Lieber am Computer programmieren. Vielleicht sogar für die Polizei. (ew)

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