Über 100 Flüchtlinge in der Grundschule

Fürstenfeldbruck - In wenigen Stunden haben fast 100 eilig alarmierte Helfer gestern die Grundschule am Niederbronner Weg in Bruck für Asylbewerber hergerichtet.

Um 20 Uhr kamen die ersten Flüchtlinge an, weitere folgten spät in der Nacht, sodass jetzt über Asylbewerber in der Unterkunft leben. Zuvor waren Feldbetten und eine Not-Küche aufgestellt worden.

Die Eil-Aktion hatte Landrat Thomas Karmasin nach einem Krisentreffen in München gestartet. Die Lage in der Erstaufnahmestelle, der Münchner Bayernkaserne, hatte sich so dramatisch entwickelt, dass keine andere Lösung mehr möglich war. Die Grundschule in der Brucker Stadtmitte steht leer, seit die Schüler in das Alte Rasso-Gymnasium umgezogen sind.

Nach einer Spontankonferenz im Landratsamt halfen Vertreter des Technischen Hilfswerk, des Roten Kreuzes, der Malteser, der Johanniter und der Feuerwehr zusammen, um die leere Schule fit für Flüchtlinge zu machen. THW-Ortssprecher Philipp Donath und seine Männer etwa holten die Feldbetten aus dem Lager in Maisach und stellten sie in den Klassenzimmern auf.

Das Münchner THW lieferte Duschzelte, die ebenfalls aufgebaut werden mussten. Dafür rückte am Abend die Feuerwehr mit einem Radlader an. Die Verpflegung soll das Rote Kreuz mit dem Mobilen Küchenwagen übernehmen, erste Mahlzeiten standen am Abend schon bereit. Am Abend hing über einem Zimmer, das als Büro dienen wird, sogar schon ein handgemaltes Schild mit der Aufschrift „Office“.

Landrat Thomas Karmasin mischte sich unter die Flüchtlinge, um sie in Bruck zu begrüßen. Viele von ihnen hatten gerade mal eine Tüte oder einen Sack als Gepäck dabei. Mehr besitzen die Flüchtlinge nicht mehr.

Die Beschlagnahmung des Gebäudes am Niederbronner Weg war schon Anfang September vorbereitet worden. Motivation des Landkreises damals: Er wollte für Notfälle gerüstet sein, um eine Unterbringung von Asylbewerbern in Turnhallen unbedingt zu vermeiden. Dieser Notfall ist jetzt eingetreten. Die Politik des Münchner OB möge ja von gutem Willen beseelt sein, kommentierte Landrat Karmasin die Schließung der Bayernkaserne durch Dieter Reiter. So aber werde München zum Verschiebebahnhof für Flüchtlinge.

Das Landratsamt stand gestern außerdem vor dem Problem, dass die 100 Flüchtlinge noch einem Gesundheitscheck unterworfen werden müssen. Das Gesundheitsamt kann das alleine nicht schultern. Deshalb wird die Kreisklinik ärztliche Hilfe leisten, wie deren Chef Stefan Bauer bestätigte.

Unterdessen sind die Gemeinden dabei, weitere Unterbringungsmöglichkeiten zu suchen. Denn der Zustrom an Flüchtlingen steigt weiter, der Druck ist höher als je zuvor. Allings Bürgermeister Frederik Röder beispielsweise führt derzeit unter anderem auch Gespräche mit Sportvereinen, ob man in deren Heimen nicht Räume abtrennen könnte.

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion