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Unangekündigt: Flüchtlingsrat besucht Asylbewerberheim

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Nur geduldet: Ali Z. zeigt Alexander Thal seinen Ausweis.
Nur geduldet: Ali Z. zeigt Alexander Thal seinen Ausweis.

Germering - Ali Z. hat resigniert. Seit 16 Jahren lebt der Iraker in Deutschland. Und er hat keine Aussicht darauf, mehr als eine Duldung vom Staat zu bekommen.

Ein Jahr lang ist Ali Z. nun in der Gemeinschaftsunterkunft am Starnberger Weg in Germering untergebracht. Das Zimmer teilt er sich mit einem Landsmann. Zwei Betten, eine durchgesessene Couch, ein alter Kühlschrank, ein Tisch: Das ist Ali Z.s zu Hause. Tür an Tür lebt er mit über 60 anderen Hilfesuchenden.

Unangekündigt haben sich Vertreter des Flüchtlingsrates, unter ihnen Alexander Thal, die Unterkunft nun angesehen. Germering ist nur eine Station einer einwöchigen Tour. „Wir wollen mit den Menschen sprechen und sie selbst befragen“, sagt Thal.

Bei den Flüchtlingen rennt er damit offene Türen ein. Ali Z. erzählt seine Geschichte gerne. Dass er aus dem Irak kommt, Akademie-Schauspieler ist. Dass er einen zehnjährigen Sohn mit einer deutschen Frau hat: Die Beziehung ging in die Brüche, das Kind lebt im Heim, weil die Mutter krank ist. Ali Z. hatte einen Job und eine Wohnung in München. Aber weil Saddam Hussein 2006 hingerichtet wurde, sah der bayerische Staat keinen Grund mehr für eine Verfolgung. Deshalb ist Ali Z. nunmehr nur geduldet. Bald darf er aber wieder arbeiten, dazu bekam er nun die Erlaubnis. „Als Koch in einem italienischen Restaurant“, sagt er und zeigt seinen Ausweis, auf dem die Erlaubnis zu arbeiten festgehalten ist.

Alexander Thal nickt nur, er kennt diese Geschichten. Und er kritisiert die strikte Lagerunterbringung, auf die der Staat beharrt. In den anderen Bundesländern ist es leichter, Flüchtlinge schnell und unbürokratisch dezentral unterzubringen und so in den Gemeinschaftslagern Platz für Neuankömmlinge zu schaffen.

Mit der Unterkunft ist Ali Z. aber gar nicht unzufrieden. „Wenn ich die Türe zu mache, habe ich mein Reich“, sagt er. Aber die Menschen in Deutschland, die die Gesetze machen, verstehe er nicht. Denn Ali Z. ist nirgends zu Hause. In den Irak zurück kann er nicht, schon wegen seinem Kind. Und in Deutschland sei er immer nur ein „Ausländer“.

So ähnlich fühlen sich auch die anderen Flüchtlinge in Germering. Wer glaubt, die meisten von ihnen würden nicht lange in einem solchen Lager verbringen, hat weit gefehlt: Die Kenianerin, die die anderen nur „Mama Nu“ nennen, ist die Heim-Älteste. Seit zehn Jahren lebt sie in Germering. Auch sie ist nur geduldet. „Mama Nu“ unterhält sich viel mit ihren Mitbewohnern. Über den Brand im Januar, der immer noch nicht geklärt ist, sprechen die meisten aber nicht mehr. Kurz nach dem Feuer, bei dem niemand verletzt wurde, seien die Menschen „sehr verunsichert“ gewesen, erzählt eine Betreuerin. Das habe sich im Laufe der Monate aber wieder gelegt. (vu)

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