Die Arbeit wird schon ein bisschen beschwerlicher mit den Jahren. Doch ans Aufhören denkt Elisabeth Polke nicht. Sie macht halt etwas langsamer.
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Die Arbeit wird schon ein bisschen beschwerlicher mit den Jahren. Doch ans Aufhören denkt Elisabeth Polke nicht. Sie macht halt etwas langsamer.

St. Ottilien

Unermüdlich im Einsatz für die Blumen am Kloster-Bahnhof

  • Eva Strauß
    VonEva Strauß
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Überall grünt und blüht es: Kein Wunder, dass der Bahnhof von St. Ottilien als schönster in ganz Bayern gilt und auch schon prämiert wurde. Zu verdanken ist das Elisabeth Polke. Die 90-Jährige kümmert sich seit über 60 Jahren um die Station – und will es weiter machen.

St. Ottilien – Kittelschürze, Kopftuch, leicht auf einen Stock gestützt: So steht Elisabeth Polke vor dem ländlichen Bahnhof. Kommen Radler vorbei, ratscht sie mit ihnen. Dann wendet sie sich wieder den Blumenrabatten zu, zupft welke Blütenblätter ab und jätet Unkraut – in einem Alter, in dem andere längst auf Hilfe angewiesen sind.

Davon will die 90-Jährige nichts wissen. „Ich mache, was noch geht. Ich tue halt langsam“, sagt sie bescheiden. Gerade erst hat sie wieder mal Löwenzahn an der Stufe zum Bahnsteig entfernt. Im Stehen geht das nicht mehr. „Ich knie mich halt hin.“ Das Hochkommen sei nicht mehr so einfach, aber irgendwie schaffe sie es.

Elisabeth Polkes Einsatz lohnt sich: Überall grünt und blüht es – in Beeten, in Schalen und auf einem alten hölzernen Wagen, der die 90-Jährige an frühere Zeiten erinnert. Damals, als an Wochenenden die Augsburger scharenweise im Badezug an den Ammersee fuhren, sie am Verkaufsschalter in gestochen scharfer Handschrift Fahrkarten ausstellte und mehrmals die Schranken am Bahnübergang hochkurbelte.

Seit 1958 lebt die gebürtige Schlesierin in dem kleinen Haus direkt neben dem Bahnhof. Ihr Mann war Bahnwärter – und ebenfalls großer Blumenfreund. Die beiden teilten sich die Arbeit, die Erziehung der drei Kinder und die Gestaltung der Außenanlagen. Über die Jahre ist es stiller geworden. Längst kaufen Reisende ihre Tickets am Automaten, den beschrankten Übergang gibt es nicht mehr. Elisabeth Polke versorgt aber weiter die Blumen. Hin und wieder fegt sie sogar noch den Bahnsteig.

Wenn es heiß ist, wird jeden Abend gegossen. X-mal läuft sie dann mit einer Gießkanne zu den Regentonnen und zurück. Gedüngt wird nur mit Brennnessel-Wasser. Die Nesseln pflückt die 90-Jährige selbst und weicht sie ein. „Dafür hab ich die“, sagt sie und zeigt auf extra lange Wollhandschuhe. Auf die Frage, wie sie das alles in ihrem Alter eigentlich noch schafft, meint sie nur: „Das weiß ich auch nicht.“

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