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Rätselhafte Post: Margot Blindow präsentiert die Karte mit der Unterschrift von "Micha".

Polizei fahndet

Dreister Dieb bedankt sich mit Postkarte bei Opfer

Gernlinden - Dass ein Geldbeutel gestohlen wird, ist ärgerlich. Dass der Dieb danach dem Opfer eine Dankeskarte schreibt, ist einzigartig. Einer Gernlindnerin ist genau das passiert.

Mitte Dezember 2013 fliegt Margot Blindow nach Hamburg. Sie besucht dort ihren Sohn. In der Hansestadt wird ihr der Geldbeutel gestohlen. Obwohl sie gleich zur Polizei geht, bleibt die Börse verschwunden - und mit ihr etwa 200 Euro Bargeld, Papiere nebst Kreditkarten.

Zwei Wochen später ist die Beamtin wieder daheim und hat sich mit dem Verlust abgefunden. Da zieht sie eine rätselhafte Post aus dem Briefkasten: Eine Neujahrskarte mit Klee, Schweinchen und Kaminkehrer. Ein Unbekannter namens Micha wünscht der „Lieben Margot“ Glück, Zufriedenheit und Gesundheit fürs neue Jahr. Als P.S. fügt er hinzu: „Danke für das schöne Geschenk.“

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Die Karte ist vom Dieb, da ist sich die zweifache Mutter sofort sicher. „Das war so ein Bauchgefühl.“ Und nicht nur das: Der Poststempel stammt aus Hamburg, die Karte wirbt für einen Laden in der Hansestadt. Ihre Adresse konnte der Dieb den Papieren entnommen haben, die ihm in die Hände gefallen waren. „Ich habe die Karte an die zuständige Kripo geschickt, aber bis jetzt konnte mir noch niemand weiterhelfen“, sagt Margot Blindow. Dabei hat sie einen konkreten Verdacht, wer sie bestohlen hat: An dem Imbissstand, an dem der Geldbeutel verschwand, ist ihr ein etwa 60 Jahre alter „Künstlertyp“ aufgefallen.

An dem Stand am Dammtor will die Gernlindnerin schnell etwas zu Mittag essen. Ihr Gepäck stellt sie hinter sich ab. Nach dem Bezahlen legt sie ihren Geldbeutel zurück in ihre Tasche und wendet sich wieder dem Tresen zu. „Es war sehr leichtsinnig von mir, meine Tasche da einfach stehen zu lassen. Aber man rechnet ja nicht damit, dass einem dann gleich was gestohlen wird.“

Als sie sich mitsamt Schnitzel zum Gepäck umdreht, steht die Tasche offen. Und die Geldbörse ist weg. „Ich musste davor schon eine Ewigkeit auf mein Essen warten, hatte Hunger und dann auch noch das“, schildert die Bestohlene ihr Erlebnis. Da ihr der Hunger gehörig vergangen ist, will sie ihr Essen zurückgeben. Der Mann vom Imbissstand sei ziemlich patzig geworden. Sie könne ja zurück nach Bayern gehen, wenn es ihr in Hamburg nicht passe. Statt diesem Rat zu folgen lässt die 64-Jährige erstmal alle Kreditkarten sperren.

Danach wird sie langsam ruhiger. Und da fällt ihr ein, dass sich der Künstlertyp bei dem Imbissstand herumgedrückt hat. Sie habe ihn sogar noch darauf aufmerksam gemacht, dass seine Leinenhose nicht korrekt geschlossen war. „Er hat was gemurmelt und ist dann weggegangen.“ Als der Geldbeutel weg ist, begegnet sie dem gutaussehenden Mann noch einmal. Zufall? Margot Blindow meint Nein.

Sie fragt sich inzwischen auch, ob man sie absichtlich so lange auf ihr Essen warten ließ, damit der Langfinger in aller Ruhe zu Werke gehen konnte. Die Grußkarte vom Hamburger Dieb wird sie jedenfalls aufheben – als Erinnerung und als Mahnung zugleich, nie wieder einem Gauner eine solche Gelegenheit zu bieten.

Christina Strobl

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