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Den Nachwuchs fest im Griff hat Bernhard Brunetti – in der Elternzeit übernimmt er für zwei Monate die Betreuung von Sohn Raphael und Tochter Lia.

Väter erzählen von ihrer Elternzeit

Wenn der Papa daheim bei den Kindern bleibt

Landkreis - Ostern feiern die meisten Familien zusammen. Dauerhaft bleiben aber die wenigsten Väter daheim bei ihren Kindern, obwohl sie Elternzeit für sich beanspruchen könnten.

Doch das Tagblatt hat zwei Papas getroffen, die genau das getan haben und von ihren Erfahrungen berichten.

Es ist immer noch keine Selbstverständlichkeit, dass Väter nach der Geburt ihres Kindes daheim bleiben und eine Zeit lang nicht mehr zur Arbeit gehen. Ende 2015 waren nur 18 Prozent aller Elterngeld-Bezieher in Bayern Väter. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Anders sieht es dagegen im Landkreis Fürstenfeldbruck aus: Mehr als jeder dritte Papa beansprucht Elternzeit. Auch Stephan Völk (34) und Bernhard Brunetti (35) gehören dazu. D

ie beiden haben eine Gemeinsamkeit, die ihnen wahrscheinlich einen kleinen Vorteil in punkto Elternzeit beschert: Sie sind im öffentlichen Dienst beschäftigt. Das müsse man schon berücksichtigen, meint Stephan Völk, Sachgebietsleiter bei der Stadt Fürstenfeldbruck für Stadtkasse und Steuern. „Wir haben einfach einen gesicherten Beruf“, sagt er.

Anders als in der freien Wirtschaft, schwebe über den Beschäftigten im öffentlichen Dienst nicht das Damoklesschwert der Existenzgefährdung. Deswegen sei vielleicht die mentale Hürde, Elternzeit auch tatsächlich in Anspruch zu nehmen, in der freien Wirtschaft um einiges höher. Dort murrt der Arbeitgeber deutlich hörbarer, wenn ein Mitarbeiter mit einem solchen Anliegen um die Ecke kommt, das zeigen Umfragen.

Stephan Völk an seinem Schreibtisch im Brucker Rathaus: „Mein Arbeitgeber hat mit Elternzeit gar kein Problem.“

Die Stadt und das Landratsamt, die Arbeitsstellen der beiden Väter, sind da lockerer – schließlich haben sie als Behörden eine besondere Pflicht, das Gesetz zu achten. „Mein Arbeitgeber hat da gar kein Problem“, erzählt Bernhard Brunetti. In der Integrierten Leitstelle (ILS), wo er beschäftigt ist und Notrufe entgegennimmt, sei das sogar Usus: Dort hätten fast alle der männlichen Kollegen, die deutlich in der Mehrzahl sind, Elternzeit genommen.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Auch im öffentlichen Dienst ist es natürlich nicht ganz einfach, zu pausieren. „Wir spüren schon auch Druck“, sagt Stephan Völk. Großartig vorbereiten muss er seine Abteilung auf seine Abwesenheit aber nicht: Beim Tagesgeschäft ist sich der Sachgebietsleiter sicher, dass er sich auf seine zehn Mitarbeiter verlassen kann. Und seine „Kunden“, die Steuerbescheide oder ähnliches bekommen, seien wahrscheinlich gar nicht traurig über seine Elternzeit, meint Völk und lacht: „Die sind eher froh, wenn sie nichts von mir hören.“

Bernhard Brunetti hat es da ein wenig einfacher: „Die tagesaktuelle Arbeit ist ein Vorteil, ich muss nichts übergeben.“ Richtig abschalten können Sie aber schon, wenn sie erst einmal zuhause sind, sagen beide. Zwei Monate Elternzeit nehmen beide in Anspruch, Brunetti möchte diese auf zwei Abschnitte aufsplitten. Sowohl Brunetti als auch Völk haben schon bei ihren ersten Kindern Elternzeit genommen.

„Man erlebt alles hautnah mit – die Probleme und die Freuden“, sagt Stephan Völk. „Man erlebt die Entwicklungssprünge mit“, sagt Brunetti. Bei seiner ersten Tochter Lia war der Vater allein mit ihr zuhause, seine Frau ging in die Arbeit. Das Fazit: „Es war super“, sagt Brunetti. Warum dann aber nur zwei Monate?

Immerhin wären bis zu 14 Monaten drin. Entscheidend dabei ist wohl bei vielen schlicht das Geld: „Das Elterngeld kann den Verdienstausfall nicht auffangen“, sagt Völk. Bei ihm ist es noch zusätzlich so, dass er als Sachgebietsleiter schlecht für ein halbes Jahr fehlen könnte: „Länger als zwei Monate wird schon kritisch.“

Fakten zu Elternzeit und Elterngeld

Beide Elternteile haben nach der Geburt ihre Kindes Anspruch auf Elternzeit. Während dieser Zeit ruht das Arbeitsverhältnis eines Angestellten, danach kann er zurückkehren. Theoretisch können sowohl Mutter als auch Vater jeweils drei Jahre in Elternzeit gehen. Dieser Anspruch besteht grundsätzlich bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres des Kindes. Neuerdings können Mama und Papa auch 24 Monate Elternzeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes genommen werden.

Das Elterngeld, das sowohl Mutter als auch Vater erhalten können, bezieht man dagegen kürzer. Mindestens zwei und höchstens 14 Monate lang zahlt der Staat einen Betrag, der sich an der Höhe des vorherigen Einkommens orientiert. Obergrenze sind 1800 Euro. Neue Regelungen seit 2015 erlauben auch eine längere Laufzeit bei geringeren Bezügen, nämlich dann, wenn die Eltern wieder in Teilzeit arbeiten möchten (ElterngeldPlus) .

von Fabian Dilger

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