An der Bahnstrecke zwischen Eichenau und Puchheim

Vereister Zug schleudert Steine auf Auto

Eichenau – Ungewöhnlicher Unfall am Bahndamm: Ein Eichenauer fuhr mit seinem Auto neben den Gleisen, als sich aus dem Fuhrwerk des entgegenkommenden Zuges ein Eisbrocken löste. 

Bisher war der Winter zwar mild. In einigen Nächten aber hat es doch gefroren. Es ist früher Nachmittag, als der Eichenauer auf der Aubinger Straße in Richtung Puchheim unterwegs ist. Rechts neben ihm verlaufen die Bahnschienen.

Gegen 13:50 Uhr sieht er einen herannahenden Regionalzug Alex. Im Fahrwerk zwischen Rad und Karosserie hängt ein Eisbrocken. Er muss sich in der Nacht zuvor entwickelt haben, als die Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt lagen. Ein Zeuge beschreibt den Klotz später als einen halben auf einen halben Meter groß.

Der Eichenauer sieht, wie der Zug den Eisklotz verliert und dieser im Gleisbett einschlägt. Dann fliegen Brocken auf die Straße. „Und plötzlich ist alles weiß geworden.“ Er habe in diesem Moment sofort versucht zu bremsen und sich dann instinktiv unter das Lenkrad geduckt. Anschließend hört er die Einschläge. Stein- und Eisklumpen prasseln auf seinen Multivan ein. „Der Eisbrocken ist nicht einmal direkt neben mir aufgeschlagen“, schildert der Eichenauer. Die gefrorene Masse habe eine solche Wucht entwickelt, dass die Trümmer und die aufgeschleuderten Gleisbettsteine 100 bis 150 Meter weit geflogen seien.

Als alles wieder still ist, öffnet er die Pkw-Tür und steigt aus. Erst dann begreift er das Ausmaß des Schadens: Scheinwerfer, Kühlergrill, Lüftung und Windschutzscheibe sind beschädigt. Die Karosserie zieren bis zu einen Zentimeter tiefe Löcher. „Da sind nicht nur Kratzer im Lack, da waren Löcher im Blech!“, so der Betroffene.

Danach alarmiert er die Polizei. Während er wartet, passieren drei Radlfahrer die Straße. Das bringt den Pkw-Fahrer zum Nachdenken. „Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn ich mit dem Radl unterwegs gewesen und mich ein Stein am Kopf getroffen hätte...“ Schließlich sei der Bahndamm nicht extra gesichert.

Innerhalb der Stunde, in der er auf die Olchinger Polizei wartet, braust der Express erneut an ihm vorbei. „Ein Teil des Eisblocks hing immer noch im Fahrwerk“, konstatiert der Eichenauer verbittert.

Wann verliert der nächste Zug Eisbrocken?

Die Sprecherin der Länderbahn („Alex“ und Vogtlandbahn) Christine Hecht bedauert den Vorfall, sagt aber: „Es gibt keine Verpflichtung, dass wir unsere Fahrzeuge vor Fahrtantritt von Schnee und Eis befreien müssen.“ Ähnlich wie bei Lkw und Bussen. Gereinigt werde die Flotte nachts in speziellen Werkstätten. „Während der Wendeschichten ist das aber einfach nicht zu leisten.“

Für die Länderbahn ist das Ganze letztlich ein Versicherungsfall. Sollte sich herausstellen, dass der Express tatsächlich Schuld trägt, komme das Unternehmen für den Sachschaden auf. Das wird ein Gutachten klären, das momentan noch nicht abgeschlossen ist.

Für den Eichenauer ist der Schaden jedoch nicht nur materieller Natur. „Wenn ich jetzt dort vorbeifahren muss, wird mir Angst und Bange“, beschreibt er. Schließlich kann er sich nie sicher sein, dass der Zug beim nächsten Mal ausreichend von Eis und Schnee befreit ist.

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