Arbeit an der Ortschronik

Das vergessene Kassenbuch des Herren Baron

Oberschweinbach - Historisch interessierte Bürger arbeiten derzeit an einer Ortschronik. Nun ist die Projektgruppe überraschend an ein ganz besonderes Dokument gekommen.

Die Übergabe des Kassenbuchs: (v.l.) Stefan Pongratz, Annette Hofner, Hartwig Lucht, Peter Hofner, Stefan Pfannes, Therese Hofner, Fanny Schweiger, Bürgermeister Norbert Riepl, Georg Kühlmuß und Richard Hardy

Eine Amtsrechnung der Hofmark Spielberg, dem damaligen Herrschaftsbezirk des aus einem alten bayerischen Adelsgeschlecht entstammenden Barons von Lerchenberg. Es stammt aus dem Jahr 1793. Entdeckt hat das über 200 Jahre alte Buch Stefan Pfannes, Kulturreferent und Archivar in Maisach vor zwei Jahren. Damals suchte er im Keller der Familie Hofner in Rottbach (Maisach) nach Postkarten aus dem Ersten Weltkrieg, die er für eine Lesung brauchte. „Das war nämlich eine Sammler-Familie“, erklärt Pfannes. Zufällig stieß er in dem Keller auch auf die Amtsrechnung. Darin sind Einnahmen aus Pacht und Fischerei ebenso aufgelistet sind wie Bauausgaben oder die Reparatur eines Ofens.

Als Archivar Stefan Pfannes nun von der Ortschronik-Gruppe aus Oberschweinbach hörte, erinnerte er sich an das Dokument und wandte sich an Stefan Pongratz, der an der Chronik mitschreibt und zudem Archivar im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ist. Pongratz konnte als Experte die altertümliche Schrift des Dokuments problemlos entziffern. Er war und ist hocherfreut über den seltenen Fund. „Aus der Lerchenfeldzeit wissen wir bei uns bisher sehr wenig. Es ist eine großartige Quelle für die Ortsgeschichte, eine Momentaufnahme, was sich 1793 in dieser Hofmark abgespielt hat.“ Vermutlich handelt es sich bei dem Kassenbuch des Barons um einen Band aus einer ganzen Serie. Wo sich der Rest befindet, ist bislang ebenso ein Rätsel wie der Weg, auf dem das relativ gut erhaltene Schriftstück nach Rottbach und in den Keller der Familie Hofner gelangte.

Jetzt ist das Haushaltsbuch des Herrn Baron jedenfalls nach Oberschweinbach zurückgekehrt. Im Rathaus übergaben es Therese, Annette und Peter Hofner offiziell an Bürgermeister Norbert Riepl (CSU/DG). Das Ortsoberhaupt dankte Spendern und überreichte Blumen sowie ein Flascherl Sekt. Noch ist nicht entschieden, wo der große Schatz für den Ort künftig seinen Platz finden wird. „Aber jetzt bekommt er erst einmal einen archivgerechten Karton“, sagte Stefan Pfannes. (Sebastian Öl)

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