Die Römer waren da

Die Vermessung des Klosters Fürstenfeld

Fürstenfeldbruck – Kettenhemden, schwere Helme, Lanzen: Echte Römer waren unlängst am Kloster zu Besuch. Die Gruppe Pedites Singulares aus Dasing zeigte, wie die Menschen im zweiten Jahrhundert lebten. Doch was macht für die Darsteller überhaupt die Faszination aus?

Im Schatten der Kastanienbäume messen römische Arbeiter die Entfernung zwischen zwei Punkten. Zehn Meter weiter duellieren sich als Soldaten verkleidete Männer mit Schwertern. Doch dann klingelt ein Handy. Nein, wir befinden uns nicht im zweiten Jahrhundert. Sondern auf der Klosterwiese in der Jetztzeit.

Manche der Darsteller der Gruppe Pedites Singulares (ausgewählte Fußtruppen) aus Dasing (Kreis Aichach-Friedberg) leben aber doch irgendwie in einer vergangenen Zeit. Sie fühlen sich in den Charakter hinein, den sie darstellen.

Der 22-jährige Florian Weber aus Friedberg ist an diesem Tag ein römischer Soldat. Der Kaminkehrer hat seine Arbeitskleidung abgelegt und schlüpft für die Veranstaltung in ein Oberteil aus Metall. Ein Schild und der Helm machen sein Outfit komplett. „Ich finde es wahnsinnig toll, wie die ganzen Ausrüstungen rekonstruiert werden. Man kann hier sein Interesse an der Geschichte voll und ganz ausleben“, sagt der 22-Jährige. Seine Rüstung hat Weber selbst hergestellt. Mehr als 200 Arbeitsstunden investiere er allein in sein Oberteil. „Dazu kommt, dass die Kleidungsstücke regelmäßig gewartet und repariert werden müssen.“

Ein Kettenhemd – dazu eine bunte weite Hose – trägt dagegen einer von Webers Kollegen. „Die hätte sich der Soldat zum Beispiel bei den Kelten kaufen können“, erklärt der 23-jährige Felix Adelwarth aus Walkertshofen (Kreis Augsburg). Er wolle den Besuchern nahebringen, wie viel Arbeit in der Vorbereitung stecke und genau darstellen, wie die Römer früher gelebt haben.

Denn nicht nur bei einer solchen Veranstaltung müssten die Darsteller Hand in Hand zusammenarbeiten, auch im alten Rom waren die Soldaten wahre Allrounder. „Wenn man als Soldat nicht gebraucht wurde, musste man in einem anderen Beruf arbeiten. Deswegen musste jeder alles können“, erzählt Adelwarth. Deshalb könne auch jeder Darsteller sowohl Wege vermessen, als auch Kämpfe vorführen.

Doch was denken eigentlich die Normalos über den Einsatz der nachgemachten Römer? „Toll“, meint der 67-jährige Besucher Werner Weiß. Der Rentner aus Puchheim interessiert sich schon länger für Römer. „Und ich habe im Fernsehen einen Beitrag über den Limes gesehen, das hat mich einfach fasziniert“, sagt er. Und die Gruppe Pedites Singulares sei so professionell und genau.

Der gleichen Meinung ist auch der 14-jährige Florin Riedel. „Ich finde das schon sehr interessant. Sowas lernt man auch nicht in der Schule“, sagt der Realschüler aus Mammendorf. Er sei ganz unvoreingenommen mit seiner Familie zum Kloster gekommen und schätze die lebensnahen Vorführungen.

Als diese irgendwann vorbei sind, werden die Zelte am Kloster abgebaut, die Römer ziehen sich zurück. Was bleibt, ist der Wunsch, dass sich auch in Zukunft mehr Menschen für die Geschichte interessieren, meint Ulrike Bergheim, Vorsitzende des Historischen Vereins, der die Aktion organisiert hat.  (Tom Grübl)

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