Dort drüben: Claudia Reichenbächer (mit Hund Marty) zeigt auf das Fenster des Nachbarhauses, das die beiden Einbrecher eingeschlagen hatten. Foto: Peter Weber

Aufmerksame Nachbarin

Sie vertrieb die Steinschleuder-Bande

Hattenhofen – Zum vierten Mal innerhalb eines halben Jahres brachen Unbekannte in Häuser im westlichen Brucker Landkreis ein. Es handelte sich offenbar immer um die gleichen Täter von der Steinschleuder-Bande. Doch diesmal wurden die Männer ohne Beute vertrieben – von einer aufmerksamen Nachbarin.

Claudia Reichenbächer, 46, wollte gerade mit Hund Marty zum Gassigehen und trat aus der Haustüre. „Da habe ich plötzlich ein Klirren gehört“, erzählt sie. Schnell blickte sich die Frau aus Hattenhofen um, entdeckte aber nichts, was zu diesem Geräusch passte. Erst als Reichenbächer ein paar Schritte ging und an ihrer Garage vorbei in Richtung Nachbarhaus blickte, fiel ihr ein Fenster im Erdgeschoss auf. „Der Vorhang war anders als sonst.“

Die 59-jährige Nachbarin und Freundin zieht ihn entweder komplett zu, oder lässt ihn ganz offen, wusste Reichenbächer. Jetzt war der Vorhang aber halb geöffnet. „Das ist mir komisch vorgekommen.“ Dass das Fenster eingeschlagen war, konnte die Frau aber nicht erkennen. Dennoch: Reichenbächer reagierte sofort.

„Ich bin rüber zur Haustüre, die auf der anderen Seite des Gebäudes liegt.“ Reichenbächer klingelte mehrmals, aber niemand öffnete. „Dann wollte ich mir das Fenster genauer anschauen.“ Sie ging also an der Hauswand entlang um das Gebäude herum. „Ich dachte überhaupt nicht an einen Einbruch. Ich weiß nicht, an was ich gedacht habe“, erzählt sie. „Aber ich hatte ein komisches Gefühl.“ Und plötzlich stürmten zwei dunkle Gestalten an ihr vorbei. Reichenbächer blieb wie versteinert stehen. Die Männer gruben sich blitzschnell durch die Hecke und verschwanden. Die Türklingel hatte die Einbrecher offenbar erschreckt und vertrieben.

„Sie waren noch jung und hatten dunkle Kleidung an und Mützen auf. Sie haben mich gesehen, aber nicht reagiert.“ Als Reichenbächer das eingeschlagene Fenster entdeckte, verstand sie, was passiert war – Einbruch am hellichten Tag. „Ich wollte schnell zu mir und die Polizei rufen.“ Auf dem Weg in ihr Haus hetzten die Einbrecher noch einmal an ihr vorbei. „Ich bin total erschrocken. Vor allem hat der zweite mich mit großen Augen angeschaut und ’Buh’ gerufen“. Die rannten die Straße hinunter.

Stundenlang und mit Hunden suchte die Polizei nach den Männern – ohne Erfolg. Reichenbächer und ihre Nachbarin sind verängstigt. „Wir schließen seitdem alles doppelt und dreifach ab.“ Ihr größter Schutz gegen Einbrecher ist aber offenbar, dass sie aufeinander achten. (can)

Die Methode

Der Steinschleuder-Bande werden sechs Einbrüche beziehungsweise Einbruchsversuche in der Region zugerechnet. Die Gangster kommen untertags, schleudern offenbar mit einer Zwille Steine gezielt durch Scheiben direkt neben Fenster- oder Türgriffen und gelangen so in die Häuser. Die Wucht der meist faustgroßen Steine war teils so groß, dass sie an Wänden gegenüber einschlugen. Diese Methode gilt als exotisch, sodass offenbar wirklich davon auszugehen ist, dass immer dieselbe Bande am Werk war. Aktiv war die Steinschleuderbande, soweit der Polizei im Moment bekannt, in Ried (Kreis Aichach-Friedberg, 27. Oktober), in Augsburg (10. November), in Althegnenberg (10. August), in Hattenhofen (19. November), in Jesenwang (9. Dezember) und jetzt wieder in Hattenhofen (11. Dezember). Meist erbeuten die Diebe Geld oder Gegenstände, die man leicht abtransportieren kann. Ganz unabhängig davon ist die Polizei derzeit massiv gegen Einbrecher unterwegs. Die Beamten bitten um Verständnis für Kontrollen.

Scheuen Sie sich nicht, die 110 zu rufen

Am vergangenen Freitag gelang es der Steinschleuder-Bande nur denkbar knapp, der Polizei zu entkommen. Die Beamten jedenfalls hatten alles denkbare aufgeboten, um der Einbrecher habhaft zu werden. Bei der Suche wurden auch ein Hund und ein Hubschrauber eingesetzt. Hilfreich mag für die Diebe – gute Ortskenntnis anzunehmen wäre reine Spekulation – der Wald bei Hattenhofen gewesen sein. In diesem Zusammenhang, aber auch generell mit dem Phänomen der Dämmerungseinbrüche, rät die Polizei zu tätiger Nachbarschaftshilfe, sprich dazu, Augen und Ohren offenzuhalten und gegebenenfalls aktiv zu werden. Wer etwas Seltsames beobachtet, so die Polizei, solle sich auf keinen Fall scheuen, die 110 anzurufen. Sicherheit, so hieß es, gehe alle an. (st)

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