Eine Ära geht zu Ende: Familie Dirrigl schließt ihre Videothek in der Hasenheide. Nach 35 Jahren müssen (v.l.) Vater Rudolf Dirrigl, Mutter Inge und Sohn Jürgen das Geschäft aufgeben.

In der Hasenheide

Letzte Klappe fällt für Videothek

Fürstenfeldbruck - Von den ersten VHS-Kassetten bis zur Blu-Ray-Disk, von Sissi bis Star Wars hat das Videocenter Dirrigl alles miterlebt. Doch Streaming-Dienste und Film-Piraterie haben dem Geschäft stark zugesetzt. Der Familienbetrieb schließt.

„Wir haben die beste Zeit erwischt.“ Inge Dirrigl blickt zufrieden auf 35 Jahre Videocenter zurück. Als sie das Geschäft mit ihrem Mann 1981 auf der Lände eröffnete, kamen gerade die ersten Videorecorder und VHS-Kassetten auf den Markt und viele Neugierige wollten die neue Technik ausprobieren. In den Regalen standen damals riesige Abspielgeräte mit konkurrierender Technik. Eine Kassette war eine Großinvestition. Doch alle wollten sich das Kino ins Wohnzimmer holen.

Schon als Kind schaute Sohn Jürgen (48) über die Theke des Geschäfts und reichte den Eltern eifrig die Karteikarten, auf denen die Kunden und ihre entliehenen Filme vermerkt waren. Bald wurde der Laden größer und zog in die Hasenheide um, wo auch Jürgen Dirrigl voll in den Betrieb einstieg. In den langen Regalen im Flachbau reihten sich Actionfilme, Liebesschnulzen und Kinderabenteuer aneinander, die Filmfans standen für die neuesten Streifen Schlange. In den 1990er-Jahren bedienten bis zu 20 Mitarbeiter die Kunden in ihren weißen Firmen-Shirts. Von den angesagtesten Filmen, zum Beispiel „Titanic“ oder „Sissi“, hatten Dirrigls bis zu 90 Kopien vorrätig – und nicht selten waren trotzdem alle Videos verliehen.

Wenn Inge Dirrigl daran denkt, dass der Familienbetrieb im März schließen wird, kommt Wehmut auf. Nach 35 Jahren fällt es schwer, den Betrieb aufzulösen, für den die Familie so lange gelebt hat. Doch so gut das Geschäft für Videotheken vor zehn Jahren noch war, so schwierig war es seit 2005, den Laden weiterzuführen. Vor allem Streaming-Dienste und illegale Portale haben dem Videocenter immer mehr Kundschaft genommen.

 „Vor 20 Jahren war das Videocenter der Treffpunkt der Jugend“, erinnert sich Inge Dirrigl. „Heute machen die alles übers Internet.“ In die Videothek kommen junge Menschen nur noch selten, die meisten Kunden sind jetzt zwischen 40 und 60 Jahre alt, meist kennen sie das Videocenter schon sehr lange.

Schon länger steht nach einer Verkleinerung nun der Ladenschluss im Raum. Bevor im Sommer die Verleihzahlen wie gewohnt ihr Jahrestief erreichen, wollen Dirrigls deshalb den Betrieb beenden. Deshalb werden jetzt alle DVDs, Blu-Ray-Disks und Spiele verkauft. Teilweise sind sie stark reduziert un kosten nur noch einen Bruchteil des ursprünglichen Preises. 

50 Jahre Filmgeschichte steht in den Regalen, auch besondere Stücke wie die Originale der Star-Wars-Filme gibt es noch. Dass das Videocenter auf ein breites Angebot aus Blockbustern, Kinderfilmen und besonderen Streifen gesetzt hat, schlägt sich eben im Angebot nieder. Mitte März räumt Brucks vorletzte Videothek endgültig die Regale – für die Familie nach der harten Vergangenheit auch eine Erleichterung. „Wir hatten 35 tolle Jahre“, sagt Inge Dirrigl, die den Kunden für ihre Treue sehr dankbar ist. „Aber alles hat seine Zeit.“ Und die der Videotheken neigt sich wohl dem Ende zu.

Maria-Mercedes Hering

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