Secondhand aus Franken: Ausrangierte Wagen der Nürnberger S-Bahn könnten noch zehn Jahre in Bruck Dienst tun – sagen Experten. Foto: dpa
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Secondhand aus Franken: Ausrangierte Wagen der Nürnberger S-Bahn könnten noch zehn Jahre in Bruck Dienst tun – sagen Experten.

Frankenwagen für Bruck?

Vision von der Express-Bahn auf der S4

Fürstenfeldbruck - Ein Express-Zug von Bruck über Puchheim und Pasing nach München - und das am besten im 20-Minuten-Takt: Diese Vision sollen Profis im Auftrag des Landkreises prüfen.

Es käme einer Sensation gleich, wenn das gelänge, was Kreis-ÖPNV-Papst Hermann Seifert für absolut machbar hält: Eine schnelle Verbindung nach München auf dem Schienenstrang der S 4 parallel zum chronisch überlasteten S-Bahnbetrieb.

Voraussetzung für die Realisierung wären mehr Züge (siehe Kasten). Der Landkreis, der sich Rat vom Bahn-Experten Prof. Dipl.-Ing. Dieter Bodack holte, empfiehlt die Anschaffung ausrangierter Züge der X-Reihe aus Nürnberg. Diese können aufgrund ihrer technischen Ausstattung die Tunnelröhre der Stammstrecke nicht passieren. Bis München Hauptbahnhof, konkret zum Starnberger Flügelbahnhof, können die Züge oberirdisch aber sehr wohl fahren. Wie Hermann Seifert erklärt, würden die Sprinter 140 Kilometer in der Stunde erreichen. Damit wären sie so schnell, dass sie den Regionalzügen nicht in die Quere kommen, die sich die Gleise mit der S 4 teilen. Damit hätte der Sprinter ein großes Problem gelöst. Derzeit müssen die langsameren S-Bahnen die schnelleren Züge regelmäßig vorbeilassen und werden so noch langsamer.

Am Westkopf München-Pasing, dem Engpaß schlechthin, müssten nur Weichen neu gestellt werden, erklärt Seifert. Die Züge könnten in Bruck (unwahrscheinlich: Buchenau) starten, in Puchheim oder Eichenau und Pasing einen Zwischenstopp einlegen und dann durchfahren bis München - eine unglaubliche Zeitersparnis. Planer Bodack attestiert den ausrangierten, lokbetriebenen Zügen aus Nürnberg eine Restlebensdauer von bis zu zehn Jahren. Deshalb sei die Anschaffung eine sinnvolle Übergangslösung, bis andere Verbesserungen greifen.

Dass die Bahn den Mischbetrieb von mehreren Fahrzeugtypen ablehnt, kann Seifert nicht nachvollziehen. Soetwas gebe es bereits - und die Nürnberger Züge könnten in Pasing gewartet werden. Ob die Sprinter wirklich im 20-Minuten-Takt fahren könnten oder nur im Stundentakt, soll nun die Studie klären. Die Zeit drängt. Denn die Nürnberger Züge sollen irgendwann verschrottet werden, wie Seifert sagt.

Für die Erstellung der entsprechenden Studie gab der Planungsausschuss des Kreistags jetzt grünes Licht. Die Untersuchung kostet im niedrigen fünfstelligen Bereich und muss noch von Kreisausschuss und Kreistag genehmigt werden. Die Zustimmung gilt als sicher. Denn die Idee begeisterte Kommunalpolitiker quer durch alle Fraktionen.

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