Mit dem Visum geht’s nach Rassonien

Fürstenfeldbruck - Wie funktioniert ein Staat? Das lernen die Schüler des Graf-Rasso-Gymnasiums bei einem großen Planspiel. Für zwei Tage leben und arbeiten sie in Rassonien.

850 Schüler von der 5. bis zur 10. Klasse sind an den riesigen Planspiel beteiligt. Sie füllen einen Mikrostaat mit Leben - mit eigener Währung, Polizei und allem, was dazu gehört.

Dass man nicht mehr das Rasso, sondern nun Rassonien betritt, wird schon an der Eingangstür klar. Jeder, der rein will, muss erst ein Tagesvisum beantragen. Jakob Fischer vergibt als Grenzbeamte diese Visa. „Es macht richtig Spaß“, erzählt der 17-Jährige. „Wir wechseln uns alle eineinhalb Stunden beim Kontrollieren ab.“

Damit der Ministaat auch funktioniert, sind alle Aufgaben klar verteilt. „Die 10. Jahrgangsstufe übernimmt alle Staatsaufgaben, wie das Gericht, die Polizei oder auch die Bank“, erklärt Verbindungslehrerin Andrea Reusch. Sie hat mit ihrem Kollegen Tobias Neuner und der Schülermitverwaltung das Projekt geplant. Seit Ostern hat das Team am Ablauf der Projekttage getüftelt. Auch Strafen, wenn sich jemand nicht an die Gesetze von Rassonien hält: Die Übeltäter müssen im Gefängnis Latein- und Matheaufgaben lösen.

Das Ziel des Planspiels „Schule macht Staat“: „Die Schüler sollen lernen, wie das Leben in einem Staat abläuft“, erklärt Neuner. Neben den Staatsinstitutionen gibt es auch eine freie Wirtschaft, also Geschäfte, in denen Hot Dogs, Kuchen und Waffeln verkauft werden. „Gestern haben wir Kuchen gebacken“, erzählt die 15-jährige Mira Mittelhammer. Die Auswahl kann sich sehen lassen: Spiegeleikuchen, Muffins und Brownies liegen in der Theke. Ein Stück kostet fünf Rassonier, das sind umgerechnet etwa 50 Cent.

Rassonier? Damit bezahlt man in Rassonien. Schließlich braucht jeder Staat auch eine Währung. Jeder Schüler musste zehn Euro - also 100 Rassonier - umtauschen, damit die Wirtschaft des Staats in Schwung kommt. Dazu kommen Steuern, 30 Rassonier pro Kopf. Damit werden die Projektkosten gedeckt. „Die 100 Rassonier können die Schüler am Montag in der Bank zurücktauschen“, sagt Lehrerin Reusch.

Die Idee des Projekts entstand vor zwei Jahren. Damals wurde man im Gymnasium auf das Ferienprojekt „Mini München“ aufmerksam. Dabei lernen die Kinder spielerisch die Stadtpolitik kennen. „Dieses Jahr veranstalten wir das Projekt zum zweiten Mal“, erzählt Reusch. „Dabei haben wir es dieses Mal besser strukturiert.“ Jede Klasse hat eine bestimmte Aufgabe zugeteilt bekommen.

Es gibt neben den Staatsinstutionen und Wirtschaftseinrichtungen auch eine Glaubenssekte. Mit Trommeln und Plakaten machen sich die Mitglieder der „Church of Cookie“ (übersetzt „Kirche des Kekses“) im Schulgebäude bemerkbar. Katharina Übel (14) erklärt die Ansichten der Sekte, wobei sie selbst ein wenig darüber lachen muss: „Die Welt geht am 29. Juli unter, wenn man nicht unsere Glückskekse kauft.“

Ob Rassonien tatsächlich dem Untergang geweiht ist, zeigt sich am heutigen Montag. Denn da folgt der weitere Projekttag im Schulzentrum am Tulpenfeld. „Zwei Projekttage für diesen Aufwand sind einfach zu kurz“, sagt Reusch. Doch eine weitere Verlängerung ist nicht mehr drin. Denn am letzten Schultag vor den Ferien gibt es die Zeugnisse wieder am alten Graf-Rasso-Gymnasium. (hub)

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