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„Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben ist das große Thema“: Christina Häring (l.) und Martina Ludwig. 

Frauen gründen Personalagentur

Volle Kraft voraus für die Teilzeit

Gröbenzell - Je höher ein Posten im Unternehmen angesiedelt ist, desto mehr gilt: Vollzeit oder nichts. Das ist nicht zeitgemäß, finden Martina Ludwig (46) und Christina Häring (44). Sie haben in Gröbenzell eine Personalagentur gegründet, die Fach- und Führungskräfte in flexible Arbeitsmodelle vermittelt.

Hochqualifizierte Arbeitnehmer, die Teilzeit arbeiten möchten, haben es oft schwer, einen Job zu finden. Teilzeit, Jobsharing, Home Office – noch sind es in der Mehrzahl Frauen, die nach diesen Optionen suchen. Doch seit einigen Monaten klopfen verstärkt auch Männer bei Häring & Ludwig an. „Vereinbarkeit ist das große Thema“, sagt Martina Ludwig. Dabei geht es nicht nur um Kindererziehung, sondern auch um die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger oder um ein ehrenamtliches Engagement. Oder darum, dass sich Menschen einfach eine andere Balance zwischen Arbeit und Privatleben wünschen.

Dass Häring und Ludwig vor eineinhalb Jahren eine Marktlücke aufgetan haben, merken sie an der starken Resonanz von Seiten der Jobsuchenden. Martina Ludwig berichtet von gut ausgebildeten, hochmotivierten Fachleuten, die teilweise schon am Verzweifeln seien, weil sie auf ihrem Niveau keine geeignete Stelle mit reduzierter Stundenzahl finden.

Dass landläufige Headhunter an solchen Bewerbern kein Interesse haben, mussten Häring und Ludwig am eigenen Leibe feststellen. Beide wollten nach der Geburt ihrer Kinder weniger arbeiten, und beide konnten dies nur bei ihrem angestammten Arbeitgeber – einem Telekommunikationsunternehmen – umsetzen. Externe Bewerbungen liefen ins Leere.

Eine spezielle Personalagentur

So entstand die Idee, sich mit einer spezialisierten Personalagentur selbstständig zu machen. Mittlerweile scheint auf Arbeitgeberseite ein Umdenken einzusetzen, so Ludwig. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen seien für Teilzeitmodelle zunehmend offen. Dort sei das Verhältnis zum Arbeitnehmer persönlicher und die Wertschätzung für seine Kompetenzen höher.

Außerdem haben Häring und Ludwig gute Argumente auf ihrer Seite. Sie können Studien zitieren, die belegen, dass Teilzeitkräfte effizienter arbeiten, hochmotiviert und besonders loyal sind.

„Teilzeit ist heute nicht mehr das, was sie vor 40 Jahren war“, sagt Ludwig. Ab 9 Uhr am Schreibtisch sitzen und um Punkt 13 Uhr den Griffel fallenlassen – dieses Klischee stimme längst nicht mehr. Wer flexibel arbeitet, sei in der Regel durchaus bereit, in stressigen Phasen mehr Zeit zu investieren – ob im Büro oder mit Hilfe der modernen Kommunikationstechnik von zu Hause aus.

Eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten ist das Jobsharing. Doch auch das kann gelingen, wenn die Voraussetzungen stimmen. „Die Aufgabe muss es hergeben, Werte und Arbeitsstil der beiden Mitarbeiter müssen übereinstimmen, die Übergabe zwischen ihnen muss funktionieren, und sie müssen sich als Team verstehen und die Arbeitsergebnisse des anderen mittragen.“ In ihrem eigenen Unternehmen praktizieren Häring und Ludwig das tagtäglich – mit Erfolg.

Ulrike Osman

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