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Nach Sonnenuntergang ist der Wilderer unterwegs, vorzugsweise in Vollmondnächten.

In den Wäldern der Region

Vollmond-Bande wildert seit Monaten

Landkreis - Rehe, Wildschweine, Enten oder Fasane: In den weitläufigen Wäldern des Brucker Landkreises treiben seit Monaten Wilderer ihr Unwesen.

Das Fleisch, das sie illegal verkaufen, könnte für Menschen sogar gefährlich werden.

Die Täter treten offenbar bevorzugt in Vollmondnächten in der Dämmerung auf – eine gruselige Vorstellung angesichts der Tatsache, dass sie gefährliche Waffen verwenden. Die Wilderer sind offenbar seit Sommer vergangenen Jahres in den südöstlich von Fürstenfeldbruck gelegenen Jagdrevieren unterwegs – das heißt in den Wäldern des Parsberg, bei Germering und bei Puchheim.

Die Täter erlegen mit ihren Großkaliber-Waffen beispielsweise Rehe, Fasane oder Wildschweine und transportieren sie unbemerkt ab. Als Motiv vermutet die Polizei pures Gewinnstreben. Denn die Wilderer können die erlegten Tiere zumindest theoretisch an private oder sogar gewerbliche Abnehmer verkaufen.

Erste Hinweise auf die Vollmond-Bande kamen von Jägern. Sie wunderten sich über nächtliche Schüsse, die sie keinem Kollegen zuordnen konnten. Jäger, so berichtet ein Insider, können sehr genau unterscheiden, wer wann wo schießt und forschen auch untereinander entsprechend nach. Sprich: Die soziale Kontrolle gilt als vergleichsweise hoch.

Bei der Polizei spricht man von Jagdwilderei in besonders schwerem Fall. Die Beamten gehen davon aus, dass es sich um mehrere Täter handelt. Möglicherweise benutzen sie einen roten Kleinwagen. Ein solches Auto jedenfalls wurde mehrfach in den betreffenden Jagdrevieren gesehen – auch das fällt unter Jägern auf. Es sei zwar normal, dass immer wieder mal Autos aus verschiedenen Gründen durch Wälder rollen – wenn aber immer wieder dasselbe auftaucht, denn stimme das doch nachdenklich.

Die Polizei hat sich mittlerweile ihrerseits an die Jäger im Landkreis gewandt. Die Beamten bitten um Hinweise auf verdächtige Wahrnehmungen jeder Art. Sie erhoffen sich aber auch Tipps zu unseriösen Kaufangeboten von Wildfleischprodukten.

Beim Kreisjagdverband spricht man von einem wirklich beispiellosen Phänomen, das man so noch nicht erlebe habe. Es handele sich aber um Straftaten – mithin sei die Polizei zuständig.

Ein Insider zweifelt übrigens ein wenig an der Verkaufs-Theorie. Ein ausgewachsenes Reh mit einem Gewicht von etwa 15 Kilo bringe beispielsweise auf dem Markt gerade mal etwa 75 Euro – dass sich wegen dieser Summe jemand der Wilderei schuldig macht, sei doch eher unwahrscheinlich. Der KiloPreis von Wildschweinfleisch gilt als etwas günstiger. Es kann aber beispielsweise mit Trichinen belastet sein. Wer solches Fleisch ohne Prüfung weiterverkauft, macht sich doppelt strafbar, weil Trichinen ja für Menschen sehr gefährlich sein können. Außerdem sind viele Wildschweine radioaktiv belastet.

Dass die Wilderer großkalibrige Waffen verwenden, gilt als folgerichtig. Mit kleineren Waffen auf ein Wildschwein zu schießen, ist höchst gefährlich, da das Tier durch einen Treffer möglicherweise nur leicht verletzt würde und dann entsprechend aggressiv reagieren würde.

Woher die Täter die Jagdwaffen haben, bleibt rätselhaft, da diese illegal wegen ihrer Auffälligkeit kaum gehandelt würden, so ein Insider. Allerdings dürften gerade in ländlichen Gebieten diverse halblegale Waffen unterwegs sein – und Sportschützen können Waffen ganz legal kaufen. Jäger übrigens müssen mit ihren Waffen äußerst sorgsam umgehen – die Regeln gelten hier als äußerst strikt.

Die Polizei ist froh um Hinweise auf die unbekannten Täter. Tipps nehmen alle Polizeidienststellen im Landkreis entgegen.

Fischfrevel: Damals halfen Videokameras und Kommisar Zufall

Schon einmal ließ ein Fall von Wilderei im Landkreis aufhorchen: Im Frühjahr 2013 schnappte die Germeringer Polizei drei Rumänen, die zuvor über mehrere Monate hinweg Teiche zwischen Alling und Germannsberg fast leer gefischt hatten. Die Täter erbeuteten damals um die 600 Karpfen, Saiblinge und Forellen im Wert von über 10 000 Euro. Sie verkauften ihre Angler-Beute in München.

Die Besitzer der Teiche installierten wegen der Diebstähle Videokameras, die die Täter dann auch wirklich filmten. Zu identifizieren waren die Männer damit freilich noch nicht. Dann aber half der Zufall: Bei der Kontrolle dreier Rumänen und ihres Ford Transit fanden Polizisten 15 Müllsäcke voller Fische. Dank der Videoaufnahmen konnten den Rumänen auch die vorherigen Fischdiebstähle nachgewiesen werden.

von Thomas Steinhardt

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