Chaos auf der Stammstrecke: Deswegen verspäten sich die S-Bahnen bis zu 40 Minuten

Chaos auf der Stammstrecke: Deswegen verspäten sich die S-Bahnen bis zu 40 Minuten
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Tatort ­S-Bahnhof Harthaus: Walter S. an der Stelle, wo er von den Kontrolleuren attackiert wurde.

Nach der Attacke zeigt er auch den Zugführer an

Walter S. klagt an: „S-Bahn-Kontrolleure haben mich gewürgt“

Vier Kontrolleure in Zivil sollen Walter S. in der S-Bahn der Linie S8 nach Germering bedroht und gewürgt haben. Diese Personen inklusive dem Zugführer hat er nun angezeigt.

Germering - Wenn Walter S. (59) in eine S-Bahn steigt, tut er das seit dem 8. März mit einem mulmigen Gefühl. „Das Vertrauen ist zerstört“, sagt der freiberufliche Pilot. Vier Kontrolleure in Zivil sollen ihn bedroht und gewürgt haben! Er hat die jungen Männer wegen Körperverletzung angezeigt – und den Zugfahrer wegen unterlassener Hilfeleistung. „Der hat alles mit angesehen!“, schimpft S.

Ein Schwarzfahrer sei er nicht, darauf pocht Walter S. Er habe seine Streifenkarte brav gestempelt an dem Tag. „Mit dem Kauf der Fahrkarte habe ich einen Vertrag abgeschlossen mit dem MVV. Es ist dessen Pflicht, mich gesund von A nach B zu befördern. Das war nicht der Fall. Eine Frechheit!“

„Einer legte mir die Hand an die Kehle und drückte zu“

Walter S. schildert den Vorfall so: An jenem Mittwochnachmittag sitzt er in der S8 nach Germering. Da spricht ihn ein junger Mann an, ohne Uniform, er will die Fahrkarte sehen. S. will erst mal den Ausweis des Mannes sehen. „Darauf stand kein Name, das ist für mich kein Ausweis.“ Der Kontrolleur droht mit der Polizei, S. sagt: „Nur zu“. „Der junge Mann war ruppig und unverschämt, er hat mich geduzt.“

Am Bahnhof Harthaus bugsiert ihn der Mann aus dem Zug. „Plötzlich kamen da noch drei Gestalten auf mich zu.“ Junge, kräftige Männer seien das gewesen. Kontrolleure in Zivil. „Zwei drängten mich in eine Ecke neben einer Mülltonne, einer legte mir die Hand an die Kehle und drückte zu!“

„Der Fahrer der S-Bahn hat das alles mitbekommen“

S. überlegt kurz, ob er zuschlagen soll, lässt es aber bleiben. „Wer weiß, was die Typen dann mit mir gemacht hätten.“ Er drückt lediglich mit der Hand den Kopf des Würgers nach oben und brüllt um Hilfe. „Der Fahrer der S-Bahn hat das alles mitbekommen, er hat geschaut, dann ist er einfach angefahren und war weg!“

Als die Bundespolizei eintrifft, haben die mutmaßlichen Angreifer von S. abgelassen. Der Pilot erstattet Anzeige und fährt zum Arzt. „Mir tat der Hals weh, ich hatte einen Schock.“ Der 59-Jährige versteht nicht, warum er angegriffen wurde. „Und warum hat sich von der Bahn niemand bei mir entschuldigt? Geht man so mit Menschen um?“

Bundespolizei will sich zum Stand der Ermittlungen nicht äußern

Die Fahrkarten-Kontrolle lief völlig aus dem Ruder.

Von Seiten der Bahn heißt es: S. müsse sich an den „Kundendialog“ wenden, erst dann könne man den Fall prüfen. Die Kontrolleure in Zivil kämen von einer privaten Sicherheitsfirma – die Bahn sei nur Auftraggeber. Zwar würden auch die für den Umgang mit Fahrgästen geschult – leider könne man „schwarze Schafe“ aber nicht ausschließen, so Sprecher Bernd Honerkamp. Sollten die Kontrolleure handgreiflich geworden sein, würden diese in Zukunft nicht mehr für die Deutsche Bahn arbeiten. Alle Kontrolleure tragen Ausweise mit Foto, aber ohne Namen – zu ihrem Schutz.

Die Bundespolizei will sich zum Stand der Ermittlungen nicht äußern, weil erst noch mehrere Zeugen gehört werden müssten. Der Bahnhof Harthaus wird nicht videoüberwacht. Walter S. will die Kontrolleure auf Schmerzensgeld verklagen. 

Tobias Scharnagl

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