Jeans, Anorak, feste Schuh – und d er Rollator: So ausgerüstet wandert Ingrid Polster gemeinsam mit ihrer Gruppe, den Altsenioren. Foto: tb „Unsere Finger waren so gefroren, dass wir nicht mal mehr die Seiten im Wanderführer umblättern konnten.“Ingrid polster

Im Porträt

Wandern mit Rollator: Sie zeigt wie’s geht

Gröbenzell – Heuer feiert die Senioren-Wandergruppe Gröbenzell ihr 25-jähriges Bestehen. Ingrid Polster ist seit Anfang mit dabei. Sie ist nicht nur regelmäßig mitmarschiert, sondern hat auch unzählige Touren organisiert. Mittlerweile führt sie eine eigene Gruppe, die Altsenioren. Sie beweisen, dass man auch mit dem Rollator noch wunderbar wandern kann.

 Auf die Gehhilfe ist Ingrid Polster – Jeans, hellgrüner Anorak, praktischer Kurzhaarschnitt – seit einer Hüft-OP vor fünf Jahren auch selbst angewiesen. Was soll’s? Die 86-Jährige hat immer noch einen flotten Schritt drauf und muss jedes Mal aufpassen, dass sie den anderen bei den etwa einstündigen Spaziergängen nicht davonläuft.

Der Name Altsenioren ist übrigens eine Bezeichnung, die sich die Gruppe selbst gegeben hat, um sich von der Haupt-Wandergruppe zu unterscheiden. Die Älteren laufen kürzere und einfachere Strecken. Alle Touren enden mit einem Café-Besuch. „Das ist natürlich der Clou von dem Ganzen“, sagt Ingrid Polster.

„Ich muss mir vorher überlegen: Wer geht wohl mit, und was können die Leute noch schaffen?“, erzählt sie. Wenn sich zum Start alle am Bahnhof Gröbenzell treffen, schaut sie beim Händeschütteln als erstes nach unten, auf die Schuhe – „dann weiß ich, was geht“. Da sie mit ihrer Gruppe gern rausfährt ins Grüne, ist festes Schuhwerk wichtig, „und im Winter Spikes“. Nur im Notfall – sprich bei Eis und Schnee – beschränken sich die Spaziergänger auf die Straßen Gröbenzells. „Nur zwischen den Häusern herumkrabbeln, das ist nichts für mich“, sagt die 86-Jährige.

Ihre allererste Senioren-Wanderung 1992 führte zum Kloster Andechs. Viele Touren ist sie mit wenigen Begleitern zunächst „probegelaufen“. Einmal verirrte sich das Grüppchen bei einem Unwetter heillos. „Es war dunkel, und wir waren bei Poing mitten in der Pampa“, erinnert sich die Rentnerin. „Es hat gestürmt und geschneit, und unsere Finger waren so gefroren, dass wir nicht mal mehr die Seiten im Wanderführer umblättern konnten.“ Zum Glück stießen sie auf einen Bauernhof, wo sie nach dem Weg fragen konnten und die Orientierung wiederfanden.

Solche Erlebnisse gehören halt dazu – den Spaß am Wandern haben sie Ingrid Polster nie verderben können. Ebensowenig wie die Tatsache, dass sich nicht alle Teilnehmer immer an die einfachen, eigentlich selbstverständlichen Regeln halten. Wenn jemand die Tour mittendrin abbricht und verschwindet, ohne Bescheid zu sagen, dann ist erst mal Rufen und Suchen angesagt. Stressig wird’s auch, wenn sich einer der mitgebrachten Hunde selbstständig macht.

Ingrid Polster hat durch die Wandergruppe ihre Wahlheimat Gröbenzell und die weitere Region erst so richtig kennengelernt. Dabei lebt die gebürtige Vogtländerin schon seit Ende 1961 im Ort. „Aber früher kannte ich mich nur in meinem Laden aus.“

20 Jahre führte sie gemeinsam mit ihrem Mann eine Bäckerei mit Café. Ihm zuliebe hatte sie umgesattelt von ihrem erlernten Beruf als Direktice in der Textilindustrie. Drei Kinder hat Ingrid Polster großgezogen. Inzwischen ist sie sechsfache Großmutter und zweifache Urgroßmutter.

Wenn sie nicht draußen unterwegs ist und neue Wander-Touren plant, kommt die zweite große Leidenschaft zum Zuge: Stricken was das Zeug hält. 50 Paar Socken Jahres-Leistung sind keine Seltenheit für die 86-Jährige.

Auch wenn sie inzwischen das ein oder andere Wehwechen plagt, ihre beiden Hobbys will Ingrid Polster noch lange weiter betreiben. „Hauptsache, hier stimmt’s noch“, sagt sie und tippt sich an die Stirn.

Dass sie irgendwann ihre Altsenioren nicht mehr führen könnte, mag sich keiner vorstellen. Muss auch nicht sein. „Ich will schon noch ein Weilchen bleiben, das habe ich vor.“(os)

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