Harte Arbeit: Eine Gruppe von Frauen im Moor. Mit Hilfe von Loren wurde der Torf abgebaut. Foto: tb

So waren die alten Mooser

Haspelmoor - Wie haben die Haspelmoorer früher gelebt? Wie sah der Ort aus? Ein Vortrag über die alten Mooser beantwortete diese Fragen - und rief bei den Haspelmoorern manche Erinnerungen wach.

War auf dem Gruppenphoto der alte Trinkl wirklich der zweite von links? Vermutlich. Führte die Eisenbahnsekretärswitwe tatsächlich ein Lebensmittelgeschäft? Nein. Und hatte die Familie von Haus 66 wirklich sechs Kinder? Zwölf waren es, korrigierte die Wirtin im Sportlerheim, von denen zehn noch leben. Heimatgeschichte zum Mitreden gab es jetzt wieder bei der Jahreshauptversammlung des Vereins „Lebensraum Haspelmoor“, der diesmal einen Historiker aus Nassenhausen zu Gast hatte. Stefan Trinkl, der schon vor Jahren sämtliche Anwesen in Haspelmoor abgeklappert hatte, um vor allem alte Fotos zu sammeln, stellte in seinem Vortrag über das Leben der alten „Mooser“ auch eine bebilderte Häuserchronik vor.

Der Schwerpunkt lag auf den Neubauten der späten 20er- und frühen 30er- Jahre, als die noch winzige Ortschaft eine Art Bauboom erlebte. Ob wegen des günstigen Grundes oder wegen der Nähe zum Bahnhof - über ein Dutzend (meist frisch verheiratete) Paare aus Nachbarorten bauten in Haspelmoor und gründeten Familien. Die alten Schwarzweiß-Ansichten zeigen oft die Kinder dieser Häuslebauer - auf einem Schlitten im Schnee oder musizierend vor der Haustür - aber auch ein Altersporträt wie aus einem Gemälde, von zwei betagten Haspelmoorern, auf der selbstgezimmerten Bank unter einem Rosenspalier. Nicht wenige der Aufnahmen wurden im Sportlerheim kommentiert, weil ein Gesicht wiedererkannt wurde („Die Leni!“) oder weil von den drei Kindern im Schnee zwei im Krieg fielen oder weil einige der späteren Photos Erinnerungen wach riefen („So kenn’ ich sie auch noch“).

Begleitet wurde die Häusergeschichte von Anekdoten und Bildern aus dem eigentlichen Moor, die von den Anfängen des Torfabbaus Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Nachkriegsjahre reichten, als die ehemaligen Baracken der Reichsarbeitsdienstler den heimatvertriebenen Flüchtlingen als Unterkunft dienten. Daneben gab es Erinnerungen an das Kriegsgefangenenlager des Ersten Weltkriegs am Bahnhof oder an den Fasching in der Gastwirtschaft Erhard. Eine der jüngsten Aufnahmen war eine Ansichtskarte der Ortschaft: Zu den Besonderheiten gehörten damals ein kleines Lebensmittelgeschäft mit dem Charme der 50er-Jahre und ein Haspelmoor, das die Natur zurückzuerobern begonnen hatte.

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