Nur vom Ticketpreis können Kinobetreiber wie Petra Löw von den Gröbenlichtspielen nicht leben. Getränke- und Popcornverkauf sind unverzichtbares Zubrot. Foto: daschner

Das Tagblatt fragt nach

Warum sind Kinokarten so teuer?

Landkreis – Winterzeit ist Kinozeit. Zum Jahreswechsel gibt’s immer neue Filme. Der schlagzeilenträchtigste heuer ist Star Wars. Neue Techniken wie 3D, HFR und jetzt auch noch bewegliche Stühle machen den Kinobesuch zum Erlebnis – aber auch teuer.

Für fünf Mark ins Kino? Diese Zeiten sind längst vorbei. Ein Rechenbeispiel: Im neuen Germeringer Cineplex läuft ein Top-Blockbuster mit 125 Minuten Spieldauer in 3D. Will man diesen von einem sehr guten Platz aus sehen, ist man als Erwachsener 16,50 Euro los – 8,50 Euro regulärer Eintritt, am Samstag drei Euro Wochenendzuschlag für die letzte Reihe, 1,50 Euro Top-Film-, drei Euro 3D- und 50 Cent Überlängen-Zuschlag.

Die Technik macht´s

Doch es sind nicht nur neue Techniken, die Preise in die Höhe treiben. Auch die Verleihfirmen langen vor allem bei den Kinos außerhalb der Großstädte inzwischen kräftig hin. „Beim neuen Star Wars hat Disney erstmals die 50-Prozent-Marke geknackt“, sagt Markus Schmölz, Leiter des Scala in Fürstenfeldbruck. Soll heißen: 53 Prozent der Einnahmen aus den Eintrittskarten reichen die Kinobetreiber direkt an den Verleiher durch. Beliebig niedrig können die Eintrittspreise aber auch nicht angesetzt werden. Je nach Verleiher wird ein Mindestbetrag pro verkauftem Ticket fällig. „Wir wollen keine Preiserhöhungen mehr, aber wenn die Verleiher ihre Preise erhöhen, müssen auch wir schauen, wo wir bleiben“, sagt Schmölz.

Die Produktionsfirmen geben die steigenden Kosten bei der Filmherstellung an die Kinos weiter. Möglichst spektakuläre Stunts und Effekte heißt derzeit die Devise der Studiobosse in Hollywood. Um diese Kettenreaktion deutlich zu machen, greift das Cinema in Dachau zu einem Kniff: Für Disney-Filme wird ein Zuschlag von einem Euro berechnet – ganz offiziell wegen den Verleihbedingungen der Firma mit der Maus.

Digitale Umrüstung

Ein tiefes Loch in die Taschen der Kinobetreiber hat die Umstellung auf die digitale Vorführung gerissen. Mindestens 80 000 Euro kostete die Umrüstung eines Saals laut Michael Riedlberger, Theaterleiter im Cineplex. Zudem müssen bei der Preisgestaltung die laufenden Kosten berücksichtigt werden. Projektoren, Computerserver und Klimaanlagen fressen Strom. „Die meisten Geräte laufen mit Starkstrom, und zwar den ganzen Tag“, sagt Schmölz. Dazu halten die Lampen in den Projektoren nur zwischen 500 und 1000 Stunden. Kostenpunkt bei jedem Wechseln je nach Projektor: zwischen 2000 und 4000 Euro. Dazu kommen Gema-Gebühren, Mieten, Brandschutz und auch das Kinopersonal will bezahlt werden.

Ticketverkauf allein reicht nicht

Mit der High Frame Rate (HFR) steht außerdem bereits die nächste technische Neuerung ins Haus – eine besonders hohen Bildauflösung. Dafür braucht man wieder Spezialprojektoren. Bislang lief nur „Der Hobbit“ in der neuen Technik. Das Cineplex schlägt für HFR nochmal einen Euro auf.

Nur vom Ticketverkauf alleine könnten die Kinos trotz aller Zuschläge nicht leben. Das betonen Schmölz, Riedlberger und Petra Löw, Eigentümerin der Gröbenlichtspiele in Gröbenzell, unisono. „Ich verdiene an einer großen Tüte Popcorn mehr, als an einer Kinokarte“, sagt Löw. Riedlberger sagt: „Ohne den Verkauf von Popcorn und Getränken geht’s nicht.“ Petra Löw muss sich zudem noch mit ihren relativ kleinen Gröbenlichtspielen und der Filmstation Gilching gegen die Konkurrenz der Multiplex-Paläste wehren.

Besonders schwierig wird es für sie immer dann, wenn Filme nicht besonders laufen. „Wir sind von den Verleihern gebunden, den Film drei Wochen zu zeigen“, sagt die Kino-Eigentümerin. Bei einem echten Flop könne man noch mit den Firmen reden. Doch bei 150 bis 300 Zuschauern am ersten Wochenende komme man aus der Klausel nicht mehr raus. Das ist für das Kino jedoch zu wenig, um daran zu verdienen. Löws einziger Vorteil: Ihr Kino ist seit Generationen im Familienbesitz. Miete muss sie nicht zahlen.

Preise im Vergleich

Die Preise in den Kinos der Region sind jeweils für Erwachsene angegeben.

 Cineplex Germering: Eintritt 8,50 Euro, Kinotag (Montag und Dienstag), 6 Euro Zuschläge: Mittlerer Saalbereich 1 Euro, Letzte Reihe 3 Euro, 3D 3 Euro, Überlänge ab 0,50 Euro, HFR 1 Euro, 4D-Sitz 6 Euro.

Scala Fürstenfeldbruck: Eintritt Mittwoch und Donnerstag 7 Euro, Freitag bis Sonntag und Feiertage 8,50 Euro, Kinotag (Montag und Dienstag) 6 Euro Zuschläge, 3D: 2 Euro + 1 Euro für die Brille, Obere Saalhälfte (nur Freitag bis Sonntag) 1 Euro, Überlänge 1 bis 2 Euro

Gröbenlichtspiele: Eintritt Loge 8 Euro, Parkett 7,50 Euro, Reihen eins und zwei 6 Euro, Kinotag (Montag und Dienstag) 6 Euro, Zuschläge: 3D 2 Euro + 1 Euro für die Brille, Überlänge 1 bis 3 Euro

Filmstation Gilching: Eintritt Montag, Mittwoch und Donnerstag 7 Euro, Freitag bis Sonntag und Feiertage 8 Euro, Kinotag (Dienstag) 6 Euro, Zuschläge: 3D 2 Euro Überlänge 1 bis 3 Euro

Cinema Dachau: Eintritt Dienstag bis Sonntag 7,50 Euro, Kinotag (Montag) 5,50 Euro, Zuschläge: 3D 3 Euro Überlänge 0,50 bis 2 Euro Walt Disney-Filme 1 Euro. Unterschiedliche Ermäßigungen gibt es bei den Kinos für Kinder und andere Personenkreise sowie für einzelne Veranstaltungen und Nachmittagsvorstellungen unter der Woche

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