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Noch jung, aber oho: Das Trio mit (v.l.) Tassilo Probst, Felix Lotter und Amrei Bohn. Sie präsentierten eine Komposition von Antonín Dvorák.

Jugend musiziert

Warum Üben alleine nicht reicht

Fürstenfeldbruck - Die besten jungen Musiker des Landkreises haben sich am Wochenende wieder im Stadtsaal getroffen. Für viele von ihnen gehört stundenlanges Proben zum Alltag. Doch das ist nicht das Wichtigste, wie drei Nachwuchstalente erzählen.

Nach einem Klassiker von Johann Sebastian Bach schallt der Charthit „Hurt“ von Christina Aguilera durch den gut gefüllten Stadtsaal. Das Besondere: An den Intstrumenten sind nicht die großen, sondern die kleinen Profis. Sie wurden im Rahmen des internationalen Wettbewerbs „Jugend musiziert“ bereits ausgezeichnet und tragen bei der Veranstaltung der Kreismusikschule ihre einstudierten Stücke vor Publikum vor. Einige von ihnen spielen das nächste Mal gleich beim Landeswettbewerb in Regensburg.

Der Youngster am Akkordeon

Florian Wagner (9) aus Olching ist schon ein Profi am Akkordeon. Für den Landeswettbewerb ist er zwar zugelassen, aber noch zu jung

Genauso unterschiedlich wie die Genres der gespielten Musik, sind auch die einzelnen Musiker und ihre Instrumente. Einer von ihnen ist der neunjährige Florian Wagner aus Olching. Er spielt seit gut zwei Jahren Akkordeon und dürfte bald beim Landeswettbewerb antreten. Leider gibt es da bei Florian aber ein kleines Problem. Er ist einfach zu gut für sein Alter, denn die Untergrenze beim Landeswettbewerb liegt bei zehn Jahren. „Der Wettbewerb und die Preise sind mir aber eh nicht so wichtig“, erzählt der Grundschüler. 

Für ihn ist entscheidend, dass er Musik machen kann. „Mein Mann und ich spielen selber kein Instrument, aber Florian wollte unbedingt Akkordeon lernen“, erzählt Florians Mutter. Ihm sei wichtig, dass er sein Instrument überallhin mitnehmen könne, um sowohl alleine als auch mit Freunden zu spielen. Denn die Passion gibt den Ausschlag dafür, wie gut man sein Instrument beherrscht, meint der Neunjährige. Üben reicht nicht. Ohne aber geht es natürlich auch nicht, deshalb probt Florian jeden Tag eine Stunde.

Der Profi am Schlagwerk

Timo Stucky (19) aus Eichenau ist fit am Schlagwerk

Bei Timo Stucky aus Eichenau sieht das anders aus. Der Gymnasiast übt seit fast zehn Jahren täglich vier Stunden Schlagwerk. „Und nebenbei muss ich noch mein Abi schaffen“, witzelt er. Der 19-Jährige geht in München auf ein musisches Gymnasium und lebt dort seine Leidenschaft aus. Es sei wichtig, dass man klassisches Schlagwerk und einfaches Schlagzeug unterscheiden könne, denn da gäbe es meilenweite Unterschiede. 

Dieses Wissen erlernt Stucky bei Alexander Fickel vom Bayerischen Rundfunk. Mit ihm zusammen bereitet er sich auch jetzt schon intensiv auf den Landeswettbewerb in Regensburg vor. Er hat im Regionalwettbewerb die Bestnote erreicht und gilt somit als einer der Favoriten, um in den bundesweiten Wettbewerb einzuziehen.

Der Spitzenspieler am Klavier

Einer, der genau das schonmal geschafft hat und sogar im Bundeswettbewerb die maximale Punktzahl erreicht hat, ist der 15-jährige Jakob Aumiller aus Emmering. Aber auch ihm ist der Wettbewerb eigentlich nicht so wichtig. „Das was wirklich zählt, ist, ob man nach dem Stück mit seiner eigenen Leistung zufrieden war“, meint der Gymnasiast. Der Pianist ist bei dem Preisträgerkonzert nur Zuschauer, da ein Mitglied aus seinem Trio kurzfristig erkrankt ist. Für alle drei Musiker zählt bei einem Wettbewerb aber vor allem eines: Die ehrliche und kompetente Meinung einer Fachjury.

Jakob Aumiller (15) aus Emmering spielt Klavier, war aber nur Zuschauer

Bei einem normalen Konzert würde man nicht wirklich wissen, was man falsch gemacht habe. Die Zuschauer würden aus Anstand so oder so klatschen. Denn im Publikum sitzen bei Jugend-Konzerten immer die größten Fans: Die Eltern. Allerdings ist ihnen auch schon aufgefallen, dass manch ein Elternteil mit dem Ehrgeiz über die Stränge schlagen kann. Sie bekämen des öfteren mit, wie mancher Mutter oder Vater den Nachwuchs fordern, statt ihn zu fördern. Die drei sind sich aber einig, dass das absolut nichts bringe. Entweder man habe die Affinität zu einem Instrument oder man sei schlichtweg nicht erfolgreich.

Heute Proben auf Augenhöhe

„Früher war das noch viel schlimmer“, erzählt Angelika Lutz-Fischer, Vorsitzende der Kreismusikschule. Heute sei die Kooperation mit den Kindern offener und auf Augenhöhe. Trotzdem käme es vor, dass Eltern enttäuscht seien, wenn ihre Kinder nicht beim nächsthöheren Entscheid antreten dürfen.

Was aber zähle, sei der Spaß an und die Faszination für die Musik. Deswegen wird beim Preisträgerkonzert jeder Musiker geehrt. Bei dem Konzert sollen sich die jungen Talente einmal wie richtige Stars fühlen. Aber genau solche haben auch immer ihre nächsten Ziele im Kopf und deshalb diene die Veranstaltung auch als Generalprobe für den nächsten Wettbewerb. Lutz-Fischer ist überzeugt: „Ich lehne mich da vielleicht etwas weit aus dem Fenster, aber ich bin mir sicher, dass alle mit einem Preis aus Regensburg nach Hause kommen.“

Tim Grübl

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