Asyl am Fliegerhorst

Wenn Flüchtlinge zum Stadtbild gehören

Fürstenfeldbruck - In der beginnenden Freiluft-Saison dürften sich die Begegnungen zwischen Asylbewerbern und Bürgern häufen.

Gerade für Bruck stellt dies eine gewisse Herausforderung dar – vor allem wegen der Erstaufnahmeeinrichtung in Fursty.

"Personengruppen im öffentlichen Raum“: Das ist der bürokratische Begriff auch für Asylbewerber, die sich in Parks, am Luftwaffenehrenmal oder vor Supermärkten treffen. Die Stadt will sich nun verstärkt um die Flüchtlinge kümmern, die der Tristesse und der Beschäftigungslosigkeit in der Fursty-Dependance in Richtung Stadt entfliehen. Ein Schwerpunkt der Bemühungen soll der Gerblkeller-Park sein, der schon jetzt zu einem sehr beliebten Treffpunkt nicht nur, aber auch für Asylbewerber geworden ist. Warum der Platz für die Flüchtlinge so attraktiv ist, hat Brucks Integrationsreferent Willi Dräxler (BBV) dieser Tage erfahren: In dem Park gibt es offenbar ein frei zugängliches W-Lan-Netz, mit dem die Asylbewerber völlig unkompliziert ins Internet gehen können. So können sie mit der Familie zu Hause oder mit Freunden kommunzieren.

Weil der Park im Sommer noch beliebter werden könnte, hat Dräxler beantragt, dort Toiletten aufzustellen. Zudem, so Dräxler, müsste man darüber nachdenken, in der Dependance selbst W-Lan zu schaffen. Die Stadt erwägt in diesem Zusammenhang auch, einen Streetworker öfter zum Park zu schicken, respektive die Regierung, die die Dependance betreibt, hier um Hilfe zu bitten. Neben den Parks werden auch die Seen der näheren Umgebung – namentlich Pucher Meer und Emmeringer Weiher – mit dem Sommer als Anziehungspunkte zweifellos attraktiver.

 Nach dem tragischen Tod eines Flüchtlings in Emmering will die Regierung auch prüfen, inwieweit man Infomaterial in den gängigen Sprachen in der Erstaufnahme zur Verfügung stellen kann. Der Helferkreis gibt Schwimmhilfen aus. Insgesamt ist ein Aufeinandertreffen sich fremder Kulturen an den Seen zu erwarten. Immer ein Teil der Fursty-Herausforderung ist der mittlerweile doch starke Wechsel der Flüchtlinge. Dass die Erstaufnahme-Einrichtung nur eine Zwischenstation ist, erschwert die Integration. Macht sie aber nicht unmöglich, wie Willi Dräxler auf Anfrage sagt. Er will anstoßen, dass die Flüchtlinge Ein-Euro-Jobs erledigen können. Viele der Hilfesuchenden werden gerade in der Erstaufnahme mit einer Realität konfrontiert, die sie sich völlig anders vorgestellt hatten, erklärt Dräxler.

Vereinfacht und überspitzt gesagt: Sie finden sich in einem Lager und in Ungewissheit über ihre Zukunft wieder, wo sie doch vom europäischen El Dorado geträumt und dafür alles zurück gelassen haben. Zur Traumatisierung nach Vertreibung und Flucht kommt so oft eine große Enttäuschung hinzu. Auch dies führt zu Alkoholkonsum. Weil dieser in der Dependance verboten ist, halten sich viele Asylbewerber vor oder an Discountern in der Hasenheide auf.

Trotz des Wechsels der Bewerber in Fursty gibt es weiterhin Flüchtlinge, die in der Dependance stranden und lange Zeit nicht weitervermittelt werden – das schafft Unmut aus Unsicherheit (Kasten). Wenn die Vermittlung in kleinere Unterkünfte stocke, dann liege das aber schlicht daran, dass die Kreise nicht genügend Unterkünfte schaffen, sagte eine Sprecherin der Regierung (siehe auch Leserbrief Seite 4). Im Hintergrund laufenden Überlegungen, die Dependance noch zu vergrößern, tritt Integrationsreferent Dräxler auf Anfrage übrigens vehement entgegen. 600 immerwährend durchwechselnde Flüchtlinge an einem Platz – das sei ohnehin schon eine große Einheit.

Rangeleien, Reibereien und ein Seitenhieb

Die Brucker Polizei berichtet auf Anfrage, dass sie in der Tat vom Sicherheitsdienst immer wieder in die Erstaufnahme am Fliegerhorst gerufen wird. Meist handele es sich letztlich um Rangeleien oder Streitigkeiten, die unterm Strich meist schnell erledigt seien. Schwere Straftaten, betont Polizeisprecher Michael Fischer, sind nicht bekannt. Dass es angesichts der Umstände zu Reibereien kommt, hält Fischer freilich für völlig normal. Man müsse sich vorstellen, wie es wäre, wenn 600 deutsche Flüchtlinge in Fursty lebten. Eine Rolle spielt in der Unterkunft auch die Tatsache, dass hier auf engstem Raum unterschiedliche Kulturen auf einander treffen. So gab es einmal Handgreiflichkeiten, die aus einer Glaubensdiskussion heraus entstanden waren. Für Aufsehen gesorgt hatte in diesem Zusammenhang natürlich der Fall der Syrerin, die ein Büro in Fursty verwüstete. Die Mutter zweier Kinder hatte die Nerven verloren, weil sie schon lange darum gebeten hatte, mit ihrem in Ebersberg lebenden Mann zusammengelegt zu werden, aber immer wieder vertröstet wurde. Als andere Flüchtlinge in kleinere Unterkünfte gebracht wurden, sie aber wieder nicht zu ihrem Mann durfte, verlor die Frau die Contenance. Integrationsreferent Willi Dräxler kennt sie persönlich und bestätigt die Hintergründe, die zu dem Ausraster führten. Hier sei Kritik an der Regierung von Oberbayern angebracht, sagt Dräxler. Denn über die vielen Wochen hinweg hätte es möglich sein müssen, die Familie zusammenzubringen. Beurkundungsfragen – das ist oft ein Problem – spielten hier jedenfalls keine Rolle.

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