Gerade haben sie wieder einen Transport auf den Weg gebracht: Ursula Reisch und Pedro.
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Gerade haben sie wieder einen Transport auf den Weg gebracht: Ursula Reisch und Pedro.

Unterschweinbach

Wenn Hilfe zum Abenteuer wird

  • VonDieter Metzler
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Was für Ursula Reisch mit einer Weihnachtspäckchen-Aktion begann, hat längst professionelle Ausmaße angenommen. Pünktlich zum zweiten Jahrestag ihrer ersten Hilfsaktion rollte am vergangenen Freitagabend ein Lkw von einem Hof im Gewerbegebiet Unterschweinbach. Beladen war er mit 2,2 Tonnen Hilfsgütern.

Unterschweinbach – Noch ein wenig ungläubig, aber überglücklich verfolgte Ursula Reisch, wie sich der Lastzug in Richtung Moldawien in Bewegung setzte. Wenn alles gut ging, würde Pedro, der Lkw-Fahrer, in vier Tagen in Europas Armenhaus ankommen. „Das ist mein erster eigener abgewickelter Hilfstransport“, sagte die 45-jährige Unterschweinbacherin nicht ohne Stolz.

Acht Reisen hat Ursula Reisch bisher in die Republik Moldawien unternommen. „Wenn mir jemand vor drei Jahren gesagt hätte, ich würde mit dem Auto in ein osteuropäisches Land fahren und für einen 40-Tonner die Zollabwicklung nebst Regierungsfreigabeprozess abwickeln, hätte ich Tränen gelacht“, sagt Reisch.

Diesmal hat der Lkw 78 Notebooks, 18 PCs, 37 TFT Displays, Baby- und Inkontinenzprodukte, Krankenhauszubehör, Krücken, drei Rollatoren, 15 Rollstühle, vier Whiteboards, zwei Büroschränke sowie vier Wickeltische geladen. Gesamtwert: 20 000 Euro. Die Spenden gehen an zwei Geburtskliniken, eine Psychiatrie, eine Gehörlosen-Vereinigung, eine Sozialstation und Waisenhäuser.

Hunderte von Arbeitsstunden stecken in dem Transport, berichtet Reisch. Die Malerfirma von Andreas Klausnitzer und Freunde stellten ihr die nötigen Lagerflächen zur Verfügung. Es dauerte lange, bis sie die Transportkosten zusammen hatte. „Die Sachwertspender möchte man ungern auch noch um Geld für den Transport fragen“, erklärt Ursula Reisch. Eigentlich kostet er bis zu 2500 Euro. Doch sie hat Sonderkonditionen ausgehandelt. „1000 Euro spendeten befreundete Unternehmer aus Moldawien, 500 Euro kommen von der Feuerwehr Unterschweinbach.“

Auch die politischen Zustände in Moldavien verzögerten die Lieferung. Eine Übergangsregierung wollte die Verantwortung nicht übernehmen. Es gebe nämlich viele Firmen, die unter dem Deckmantel einer Hilfsorganisation agieren, um länderübergreifend steuerfrei Handel zu treiben. Zahlreiche Hilfsorganisationen haben deshalb ihre Transporte eingestellt – auch wegen der grassierenden Korruption und der instabilen Verhältnisse.

Auch Ursula Reisch hat damit schon Bekanntschaft gemacht. So bat die Regierung sie etwa im Oktober 2020 um Computer wegen Homeschooling während Corona. Die ehemalige IT-Vertrieblerin besorgte die PCs, die Regierung versprach eine Ausnahme bei der Transportabwicklung. Doch acht Wochen später gab es die Regierung nicht mehr.

Bis heute hat Ursula Reisch elf Hilfstransporte für Moldavien mit Waren für rund 60 000 Euro organisiert – zum Teil mit dem eigenen Anhänger. „Für die Menschen vor Ort ist der Wert noch viel höher“, sagt die 45-Jährige. Es habe ihr nicht gereicht, nur zu spenden. „Ich wollte selbst handeln.“ Dabei hatte die Unterschweinbacherin zu Beginn keine Ahnung von der Armut in Moldavien und den Herausforderungen, die da auf sie zukamen. DIETER METZLER

„Land ohne Eltern“

Über die von ihr ins Leben gerufene Hilfsorganisation und ihre Erfahrungen berichtet Ursula Reisch am 4. September um 9 Uhr und um 14 Uhr, beide Male in der Dieselstraße 5 in Egenhofen (Unterschweinbach).

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