Mohammed Al-Rammahi mit Inspektionsleiter Jürgen Voraberger (r.) und Andreas Ruch. foto: pi germering

16 Jahre alter Held

"Wenn jemand Hilfe braucht, dann helfe ich"

Germering - Er ist erst 16 Jahre alt, aber Mohammed Al-Rammahi hat in einer Extremsituation mehr Größe bewiesen als mancher Erwachsene. Bei einem Unfall leistete der Germeringer erste Hilfe. Gezögert hatte er keine Sekunde.

Es ist ein sonniger Nachmittag, Mohammed Al-Rammahi ist schnellen Schrittes auf dem Weg zur S-Bahn in Germering. Der gebürtige Iraker hat gerade Schule aus. In der Unteren Bahnhofstraße fallen ihm mehrere Streifenwagen mit Blaulicht auf. Der Blick des 16-Jährigen fällt auf den Asphalt neben den Wagen: Dort sieht er eine riesige Blutlache. „Dann wusste ich, es ist ein Verkehrsunfall“, sagt der Neuntklässler der örtlichen Realschule.

Er schaut genauer hin und sieht eine Rentnerin mit stark blutenden Wunden auf der Straße liegen. Wie sich später herausstellt, hatte ein 72-Jähriger die Radlerin mit dem Auto angefahren.

Al-Rammahi verliert keine Sekunde. Er fragt eine Polizistin, die gerade den Kopf der verletzten 71-Jährigen verbindet, ob er helfen kann. Al-Rammahi sagt ihr, dass er die Handgriffe für Erste-Hilfe-Maßnahmen bei der Germeringer Wasserwacht und als Sanitäter in der Schule gelernt hat.

Dann geht alles ganz schnell. Die Polizistin reicht ihm Handschuhe und einen Verbandskasten. Al-Rammahi beugt sich über die Beine der Verunglückten. „Ich wusste, dass das Blut nicht nur von der Platzwunde kommen kann. Dann habe ich gesehen, dass die Hosenbeine rot sind“, sagt er. Bei genauerem Hinsehen bietet sich ihm ein grausiges Bild.

Die Einschnitte am linken Knöchel gehen bis auf den Knochen. Al-Rammahi denkt nicht lange nach, er legt eine Mullbinde auf die Wunde und macht einen Druckverband. Auch die klaffende Wunde am rechten Unterschenkel verbindet er. „Die Blutung hat gestoppt“, so der 16-Jährige. Bis der Rettungswagen kommt, kümmert er sich um die Verletzte.

„Wenn jemand Hilfe braucht, dann helfe ich“, sagt der Realschüler ganz selbstverständlich. Das große Ziel des Hobby-Fußballers ist es, Polizist zu werden. Ein Praktikum in einer Polizeiinspektion ließ seine Begeisterung noch wachsen. Gute Chancen für das Vorhaben attestiert Andreas Ruch, stellvertretender Leiter der Polizei Germering, dem Burschen nach seiner Hilfsaktion.

Die Beamten luden den Retter prompt auf die Inspektion ein. Aber nicht für eine Zeugenaussage, sondern um ihm zwei Kinogutscheine als Dank für seine Hilfe zu überreichen. „Er ist auf einem sehr guten Weg“, meinte Ruch in Hinblick auf die angestrebte Karriere des 16-Jährigen.

Der Inspektionssprecher wird den Schüler für die Auszeichnung „Kavalier der Straße“ vorschlagen, einer Ehrung für verantwortungsbewusste Verkehrsteilnehmer. Denn: „Mohammed kann ein Vorbild für alle sein.“ Für den hört die Nächstenliebe nicht am Krankenwagen auf. Er wollte auch wissen, wie es mit der alten Dame weitergeht. Bei einem Anruf im Krankenhaus erfuhr er, dass sie auf dem Weg der Besserung ist. (vu)

Auch interessant

Kommentare