Wie misst man kulturelle Bedeutung?

Wie misst man die kulturelle Bedeutung eines Vereins für die Stadt? Diese Frage hat nach dem Kulturausschuss, der darüber lange diskutiert hatte, nun auch den Stadtrat beschäftigt – und ratlos zurückgelassen.

Puchheim – Das für die finanzielle Förderung wichtige Kriterium der kulturellen Bedeutung soll nun wieder im Kulturausschuss beraten werden, an den das Thema zurückverwiesen wurde. Offenbar habe man ein noch „unausgegorenes Produkt“ vor sich, urteilte Manfred Sengl (Grüne).

Ursprüngliches Ziel der Kulturpolitiker war, analog zur Sportförderung für mehr Transparenz bei der Zuschussvergabe an die elf betroffenen Vereine zu sorgen. Statt praktisch nach Gusto auch mal einen höheren als den Sockelbetrag zu gewähren, sollte jetzt eben neben der an der Mitgliederzahl messbaren Größe des Vereins auch die kulturelle Bedeutung von Chor oder Theatergruppe für das städtische Leben gewürdigt und als Richtschnur mit herangezogen werden. Wie die bewertet werden soll, hatte der Ausschuss allerdings offen gelassen. Nur Kämmerer Harald Heitmeir wurde beauftragt, anhand einer Modellrechnung darzustellen, wie sich die Zuschüsse bei gleicher Wertung von Mitgliederzahl und Bedeutung (je drei Punkte) entwickeln würden und wie bei doppelter Wertigkeit der Bedeutung (sechs zu drei Punkten).

Diesem „rein mathematischen Modell“ (Heitmeir) konnte der Stadtrat allerdings nicht folgen. Dass in der Beispielrechnung einmal null Punkte vergeben wurden, gehe nun gar nicht, meinte Kulturreferentin Ramona Weiß (CSU). Und legte gleich einen Kriterienkatalog vor, wonach etwa die Beteiligung an städtischen Terminen (etwa Volksfesteinzug) sowie die Häufigkeit und Öffentlichkeitswirksamkeit eigener Veranstaltungen bewertet würde.

SPD-Fraktionschef Jean-Marie Leone malte sich bereits Reaktionen unterbewerteter Vereine aus: „Was? Wir sind kulturell unbedeutend? Wer hat das entschieden?“ Eine Satzung müsse rechtssicher formuliert sein und nicht der Willkür Tür und Tor öffnen.

Es handele sich um eine interne Richtlinie für die Stadt, nicht um eine rechtsverbindliche Satzung, korrigierte Heitmeir. Und die kulturelle Bedeutung sei eben auch in dem neuen Entwurf nicht definiert, um dem Kulturausschuss die Entscheidungskompetenz zu erhalten. Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) fragte sich, ob es angesichts der bisherigen Gesamt-Förderung von 1900 Euro wirklich einen Bedeutungsstreit brauche und sprach sich für eine smarte Lösung aus. Angesichts der ins Auge gefassten Verdoppelung der Zuschuss-Summe werde eh kein Verein zu kurz kommen.  

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