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Vom Parkplatz des Brucker Hagebaumarkts aus betrachtet: So hätte die Szenerie gewirkt.

Kirche hätte selbst ein Grundstück zur Verfügung gestellt

Nach Windkraft-Urteil herrscht Entsetzen

Fürstenfeldbruck -  Mit Fassungslosigkeit haben viele auf das Urteil des Verwaltungsgerichts zur Windkraft bei Puch reagiert. Das Gericht verbietet den Bau der Anlage. Die Kirche als Kläger erntet Kritik.

Nach dem Ortstermin in Puch verkündeten die Münchner Richter ihr Urteil: Sie geben der Klage der katholischen Kirche – der Kuratiestiftung St. Sebastian Puch – statt. Die Richter heben damit die Genehmigung des Windrads auf, die das Landratsamt ausgesprochen hatte. Der Plan der Stadtwerke, in 1600 Metern Entfernung zu Puch eine weitere um die 190 Meter hohe Windkraftanlage zu bauen, ist damit (vorerst) gescheitert.

"Ich bin sehr traurig"

Die Begründung für das Urteil lässt noch auf sich warten. Offenbar aber ist das Gericht überzeugt, dass ein Windrad den Blick auf die denkmalgeschützte Pucher Kirche, ihren Turm und den Pilgerweg zur Kirche erheblich beeinträchtigen würde. Eine Berufung hat das Gericht nicht zugelassen. Das Landratsamt kann die Revision aber beantragen, wenn die Begründung vorliegt. „Ich bin sehr traurig“, kommentierte Alexa Zierl vom Energiewende-Verein Ziel 21. Wer für die Bewahrung der Schöpfung eintrete, könne eigentlich doch nicht gegen Windräder sein.

 Das Urteil habe eine fatale Wirkung auf ganz Bayern. Die Signale der Kirchen insgesamt seien eigentlich pro Energiewende.

Ärger über die Wende der Denkmalschützer

Landrat Thomas Karmasin ärgert sich vor allem über das Landesamt für Denkmalschutz. Es habe seine Haltung im Laufe des Verfahrens völlig verändert – bei der Genehmigung des Rads nämlich sahen die Denkmalschützer kein Problem, jetzt aber schon. Karmasin: „Warum fragen wir die überhaupt?“

Dass Kirchenvertreter überhaupt einen solchen Impetus gegen ein Windrad entfalten, könne er außerdem nicht verstehen, so Karmasin.

 Dekan Albert Bauernfeind begrüßt das Urteil, das auch gut für den Dorffrieden in Puch sei. Windräder seien nur ein Feigenblatt der Politik.

Kirche bot einst selbst ein Grundstück für das Windrad an

Stadtwerke-Chef Enno Steffens dagegen sprach von einem herben Urteil. Er erinnerte daran, dass die Kirche einst bereit gewesen sei, ein Grundstück für ein Windrad ganz in der Nähe zur Verfügung zu stellen. Das Geschäft scheiterte nur, weil der jetzt diskutierte Standort windgünstiger liegt. Den Pilgerweg als Argument hält Steffens für an den Haaren herbeigezogen.

Jan Halbauer (Kreischef der Grünen) hält die Argumentation der Kuratiestiftung für hanebüchen. „Ich hätte mir eine weltoffenere Haltung meiner Kirche gewünscht, die Tradition und Moderne vereint." (st/imu)

Kommentar der Redaktion:

Die Kirche verhindert ein Windrad. Das ist bemerkenswert – vor allem vor dem Hintergrund, dass sich die deutsche Bischofskonferenz im Februar 2013 klar für die Energiewende ausgesprochen hat. „Die im Zuge der Energiewende notwendigen Veränderungen verlangen die Einsicht und die Bereitschaft, auch mögliche persönliche Einschränkungen und Belastungen mitzutragen“, heißt es in einer Pressemeldung, in der auch von der „Vorbildfunktion der Kirche“ die Rede ist. Die Energiewende sei ein Gebot der Vorsorge und Verantwortung, heißt es weiter.

Die Kuratiestiftung handelt also gegen den Willen ihrer Dachorganisation. Der Antrieb dazu ist offenbar individuell motiviert und beruht auf Argumenten, die aus einem abgrundtiefen, dunklen Keller man geholt und auf die Kirchturmsspitze getrieben hat.

Nicht mehr nachvollziehbar ist auch das Handeln der Denkmalschützer im Landesamt. Erst gaben sie ihr Placet zum Windrad, jetzt sind sie strikt dagegen. Das wirft unweigerlich eine Frage auf, die freilich unbeantwortet bleiben wird: Was musste im Hintergrund geschehen, um einen solchen Sinneswandel in einer nüchternen Sachfrage zu bewirken?

 Wie es weitergeht, ist unklar. Das Landratsamt steht etwas düpiert da, weil es nach monatelanger Prüfung eine Genehmigung aussprach, die jetzt ein Gericht kippt. Der Weg in die Revision wäre also nur logisch. Das aber ist von juristischen Einschätzungen („Haben wir überhaupt eine Chance?“) abhängig. Trotzdem: Das letzte Wort ist nicht gesprochen. (st)

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