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Angestrengtes Nachdenken und Taktieren: Die Marthabräuhalle war den ganzen Samstag über Schauplatz für viele Schnellschach-Partien.

Brain Games 2016

Sie wollen nicht nur Schach spielen

Fürstenfeldbruck - Hier wird keine Sekunde vertan: Beim Schnellschachturnier in der Marthabräuhalle müssen die Hobby- und Profispieler angestrengt nachdenken und trotzdem flink ziehen. Dabei geht es um weit mehr als Sieg oder Niederlage.

Kunin und Manfred Grosse reichen sich lächelnd die Hand. Das Los hat entschieden, ihre erste Partie bei den „Brain Games“ müssen sie gegeneinander spielen. Kunin, der den höchsten Schachtitel „Großer Meister“ trägt, tritt zum zweiten Mal in Fürstenfeldbruck an. Häufiger spielt er klassisches Schach, heute versucht sich der Champion aber an der schnellen Vari-ante, bei der jeder Spieler nur 15 Minuten Bedenkzeit pro Partie hat. Auf den Sieg hofft er dabei nicht, in der Marthabräuhalle geht es dem Darmstädter nur um die Freude am Spiel.

Mit den ersten Zügen wird es sehr still im Saal. Wo sonst Krüge gehoben und Blasmusik gespielt wird, kommen die einzigen Geräusche jetzt von den Schritten der Schiedsrichter, die durch die Gänge schlendern und interessiert auf die Spielbretter schauen. Ab und an fährt ein Spieler hoch, kurz und hitzig wird ein Zug diskutiert, dann geht es hochkonzentriert weiter. Beim Schnellschachturnier in der Marthabräuhalle wollen die Spieler zeigen, dass sie mit Dame, Läufer und Springer umgehen können.

Normale Spieler wie der aus Ulm angereiste Manfred Grosse (r.) hatten die Chance, einmal gegen einen Großmeister wie Vitaly Kunin anzutreten.

Nach einer halben Stunde rascher Züge ist die erste Partie vorbei, die Sieger geben den Schiedsrichtern die Ergebnisse durch. Gegen Manfred Grosse siegt der routinierte Großmeister Vitaly Kunin nach kurzer Zeit. „Das war ja klar“, sagt Grosse ohne Verdruss, gegen den Meister hatte er sich keine Chancen ausgerechnet. Der Ulmer genießt das Turnier ganz unabhängig von den Tabellen, die nach jeder Partie aktualisiert werden, um später den Gewinner zu ermitteln.

Grosse, der mit drei Mannschaftskollegen angereist ist, besucht die Marthabräuhalle das erste Mal und ist begeistert von der Atmosphäre, in der die Schachfreunde aufeinander treffen. „Braugasthaus und Schnellschach, das finde ich klasse“, schwärmt Grosse. Das sei genau der richtige Ort, um neue Kontakte mit Gleichgesinnten zu knüpfen und zu lernen, wie in unterschiedlichen Kulturen Schach gespielt wird.

Weil die Partien ausgelost werden, messen sich bei den Brain Games viele ungleiche Paare. Obwohl die meisten Teilnehmer Männer sind, sitzen an den Brettern auch ein paar Frauen und Kinder, die sichtlich Spaß am Spiel haben. „Das fasziniert mich am Schach so“, meint Manfred Grosse. „Natürlich muss man die Theorie beherrschen, aber über die Grundlagen hinaus kann man einfach drauf los spielen.“

Podium vor Schachkulisse: Kurt Winhart (am Mikrofon) spielt schon seit den 1950er-Jahren für den TuS und war bei den „Brain Games“ als ein Ehrengast mit dabei.

Genau das schätzt auch Christoph Hunburg aus Wolfratshausen so am königlichen Spiel. Er spielt hier mal gegen ältere Männer, mal gegen Schüler und Gleichaltrige. Der 30-Jährige erlebt dabei, dass auch eine Partie gegen starke, überlegene Spieler lehrreich und unterhaltsam sein kann.

Das bestätigt auch Sonya Kukulina aus München, die ein paar Tische weiter gerade eine verlorene Partie beendet. Die Zwölfjährige spielt bereits seit sieben Jahren Schach und lernt aus ihren eigenen Fehlern genauso wie aus denen der Gegner. Auch die Partie gegen Philipp Tunka aus Olching hat ihr Spaß gemacht. Beide verbindet ein gewisser Ehrgeiz, mit dem sie über Sieg und Niederlage resümieren. „Natürlich soll der Sport Spaß machen – aber es geht auch ums Gewinnen“, meint Tunka und Kukulina stimmt zu.

Bis die ersten zwei Partien zu Ende sind, vergeht mehr als eine Stunde. Die gespannte Stille am Anfang wird immer mehr durchbrochen von den Gesprächen der Spieler, die schon gesiegt oder verloren haben und nun die Partie noch einmal durchgehen oder sich über vergangene Turniere unterhalten.

Als alle Paarungen entschieden sind, ergreift Schachabteilungsleiter Helmut Becker das Wort für eine besondere Spielpause. Im vergangenen Jahr hat er viel Zeit und Mühe in eine Chronik der 90-jährigen Schachabteilung investiert, nun kann er sie stolz an die Ehrengäste der Brain Games überreichen. „Eigentlich wollte ich an dieser Stelle dem Herrn Oberbürgermeister gute Genesung wünschen, aber jetzt ist er ja selbst da“, freut sich Becker, dass er Klaus Pleil neben der stellvertretenden Landrätin Martina Drechsler und Dritter Bürgermeisterin Karin Geißler persönlich eine druckfrische Ausgabe der Chronik überreichen kann. Einer der Ehrengäste dürfte die meisten Einträge allerdings schon kennen: Kurt Winhart (84), der schon seit den 1950er-Jahren regelmäßig für den TuS gewinnt.

Maria-Mercedes Hering

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