Wie es mit dem Landkreis weitergehen soll

Fürstenfeldbruck - Die Struktur- und Potenzialanalyse für den Landkreis soll ein Fahrplan sein. Doch nicht alle glauben an den Erfolg. Viele bemängeln, dass das Konzept in der Schublade landen würde. Jetzt hat Landrat Karmasin zum Workshop geladen. Experten und Vertreter der Kommunen spielten Wünsch Dir was. 

In den Räumen des Rasso-Gymnasium stand eine Frage im Zentrum: Wie soll sich der Landkreis als Ganzes und in Teilen entwickeln? Und weil das Thema weit gefasst ist, wurde es in Häppchen serviert. An verschiedenen Tischen unterhielten sich Bürgermeister und Experten vom Fach über die Themen Siedlung, Landschaft und Mobilität.

An fünf Tischen, die jeweils mit einer Landkreiskarte und Post-its ausgestattet waren, erarbeiteten die rund 80 Teilnehmer ihre Wünsche und Vorschläge. Kaum einer der Bürgermeister, Bauamtsmitarbeiter, Kreisräte oder andere Funktionsträger verharrte aber an seinem Tisch. „Wenn jemand vorschlägt, den Jesenwanger Flugplatz für die Brandbeobachter auszubauen, muss ich dazwischengehen“, sagte Jesenwangs Bürgermeister Erwin Fraunhofer augenzwinkernd.

Neue Ideen

Kottgeiserings Bürgermesiterin Sandra Meissner (Bürgervereinigung) hatte eine ausgefallene Idee. Sie machte sich für Gewerbegebiete stark, die nach Themen und nicht nach Gemeinden aufgebaut sind. „Wir können bei uns beispielsweise nichts anbieten, was viel Fläche braucht.“ Dafür würde sie gerne kreative Unternehmer aufnehmen.

Am Tisch zum Thema Mobilität warf die Schweizerin Fabienne Perret recht provokante „push-Methoden“ in den Raum. Dabei werden die Verkehrsteilnehmer zu Verhaltensänderungen gezwungen. „Die Reduktion von Stellplätzen oder das Verbot des sogenannten Elterntaxis sind Methoden, den Verkehr erst gar nicht entstehen zu lassen“, so die Moderatorin. Sie gab allerdings zu, dass diese Ideen nicht von Teilnehmern stammten.

Beim Thema Landschaft zeigte sich, dass den kommunalen Vertretern die Amper besonders wichtig ist. „Sorgen bereiten zu viele Discounter an den Ortsrändern, privilegierte Bauten in der freien Landschaft und die Frage, wie der rasante Flächenverbrauch gestoppt werden könne“, fasste die Landschaftsplanerin Diana Huß die Statements aus ihrer Gruppe zusammen.

Gemeinsames Wohnen

Architektin Doris Zoller überraschte die vielfache Forderung nach gemeinschaftlichen Wohnformen. Bei dem eher vagen Thema „Wie sieht der Landkreis in Zukunft aus?“ plädierten einige für die verstärkte Ausrichtung nach Augsburg statt nach München, beziehungsweise für eine stärkere Behauptung gegenüber München.

Skeptisch äußerte sich Grafraths Ex-Bürgermeister Hartwig Hagenguth: „Das hier sind alles leere Worthülsen, passieren wird eh nichts.“ Der Grafrather Gemeinderat habe sich seinerzeit deshalb dazu entschieden, nicht an der Analyse teilzunehmen. Hagenguth war als Vertreter des Bund Naturschutz trotzdem dabei. Die Ergebnisse des Workshops werden in Kürze veröffentlicht, ein zweites Treffen ist bereits für April angesetzt.

Grundlage für das mit der Analyse beauftragte Planerteam aus Stadt- und Raumplanern, Architekten, Landschaftsarchitekten und Verkehrsexperten waren übrigens die Ergebnisse des Leitbildprozesses und das Klimaschutzkonzept, das in den vergangenen Jahren erarbeitet wurde. „Unsere Vorarbeit war das Aufbereiten der Unterlagen. Aber wir wissen immer noch viel weniger als Sie“, gestand Alain Thierstein, der zuständige Professor für Raumentwicklung an der TU München, ein. (mjk)

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