Zahnarzt arbeitet ohne Approbation: Schuldig

Germering - Bis zuletzt hatten ein Zahnarzt (62) aus Germering und sein Verteidiger um einen Freispruch gekämpft. Er hatte trotz entzogener Approbation gearbeitet.

Er habe auf die Auskunft seines Anwalts vertraut und gedacht, dass er trotz Entzugs der Approbation vorerst noch weiterarbeiten dürfe, so der Angeklagte. „Eine Verurteilung würde endgültig die Vernichtung seiner beruflichen und privaten Existenz bedeuten“, sagte Verteidiger Hans Dinkel.

Doch es nützte nichts. Das Landgericht München II verurteilte den Zahnmediziner zu einem Jahr Haft auf Bewährung. Wegen 26-facher unerlaubter Ausübung der Zahnheilkunde, Missbrauchs von Berufsbezeichnungen und achtfachen Betrugs.

Das Amtsgericht Fürstenfeldbruck hatte den Germeringer im Juni 2013 freigesprochen. Doch die Staatsanwaltschaft ging in Berufung, forderte eine Verurteilung - die Verteidigung erneut Freispruch.

Für Regina Holstein, Vorsitzende Richterin am Landgericht, war die Sache klar: Der Germeringer nannte sich, praktizierte als und stellte Rechnungen als Zahnarzt, obwohl ihm die Approbation wegen Abrechnungsbetrugs und Steuerhinterziehung entzogen worden war. Sie griff dafür ein Zitat von ihm auf: „Ich habe Scheuklappen aufgehabt.“ „Sie wussten, dass Sie nicht mehr praktizieren durften, wollten aber“, sagte die Richterin. Er sei nämlich ein guter Zahnarzt, wie alle gehörten Patienten bestätigt hatten.

Der Angeklagte hatte den Instanzenzug ausgeschöpft, mit Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom Juni 2009 war ihm die Approbation bestandskräftig entzogen worden. Doch er habe es dem zuständigen Mitarbeiter der Regierung von Oberbayern „zeigen wollen“, sagte Holstein. Der Fall sei ähnlich einem Führerscheinentzug, nach dem ein Autofahrer trotzdem weiter fährt: „Damit erhebt man sich über das Gesetz. Das kann unser Rechtsstaat nicht dulden.“ (nina gut)

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