Zeitenwende vor der Kino-Leinwand

Fürstenfeldbruck - In Zeiten, in denen man Filme aus dem Internet herunterladen kann, und es Großbildschirme fürs Wohnzimmer zu erschwinglichen Preisen gibt, haben Kino-Betreiber ganz schön zu kämpfen.

Ohne digitale Vorführtechnik geht kaum noch was. Resultat: Die Kino-Landschaft verändert sich - die einen müssen aufgeben, andere sind nach wie vor Publikumsmagneten.

Petra Löw ist quasi ein alter Hase im Kinogeschäft: Ihre Familie betreibt seit 1950, also seit 64 Jahren, die Gröbenlichtspiele in Gröbenzell. Die 52-Jährige hat den Betrieb 2007 von ihrem Vater Ludwig Mair übernommen. Schwester Susanne Mair betreibt in Fürstenfeldbruck das „Scala“. Das Lichtspielhaus hat Susanne Mayr vor über einem Jahr aufgegeben, weil sich ein Umrüsten auf die digitale Technik am Standort an der Maisacher Straße nicht gelohnt hätte.

In den Gröbenlichtspielen dagegen ist das digitale Zeitalter bereits 2010 angebrochen. „Zum 60-jährigen Bestehen habe ich dort umgerüstet.“ Die Filmstation in Gilching war noch ein Jahr früher dran. Im klimatisierten Gröbenzeller Vorführraum steht jetzt ein Digitalprojektor statt eines 35-Millimeter-Filmprojektors. „Die Klimaanlage war ein absolutes Muss, auch der Kinosaal wurde renoviert und klimatisiert“, berichtet Petra Löw.

Die Streifen, die früher auf großen Filmrollen abgespult wurden, werden heute via Internet auf einen Stick in den Rechner geladen. Die Filme werden auf einer DCP-Festplatte gespeichert. Welch ein Wandel. Ganz früher, vor der Eröffnung der Gröbenlichtspiele, gab es einen „fahrenden Filmvorführer“, der Filme in der heutigen Wirtschaft „Die Hexe“ zeigte, berichtet die Kino-Chefin. Damals war das noch die Bahnhofswirtschaft, die der Opa der 52-Jährigen führte. „Ich habe schon als Kind Kinoluft geschnuppert und bin so schon in jungen Jahren ins Geschäft hineingewachsen.“

Auch Werner und Ilka Scholz sind keine Grünschnäbel im Kino-Geschäft. In der Germeringer Stadthalle betrieben sie 21 Jahre lang das Universumkino. Nach 33 000 Kinostunden an 7640 Vorführungstagen legte Werner Scholz vor kurzem die letzte Filmrolle ein. „Im Hinblick auf die baldige Eröffnung des Multiplex-Kinos im GEP war klar, dass sich ein Umrüsten am Germeringer Standort nicht mehr lohnt“, sagt Scholz. Aber er ist trotzdem nicht raus aus dem Kinogeschäft: Das Ehepaar betreibt weiterhin das Filmeck in Gräfelfing, das er im August 2013 auf die digitale Technik umgerüstet hat.

Denn ohne die neuen Vorführ-Computer geht kaum noch etwas. Scholz: „Es wird immer schwieriger, analoge Filme im Verleih zu kriegen.“ Doch eine Umrüstung in Germering hätte rund 60 000 Euro gekostet.“ Und dieser Betrag wäre wohl nicht mehr hereingekommen.

Denn die Digitalisierung ist nicht der einzige Wandel mit dem Kinobetreiber derzeit zu kämpfen haben.

Cineasten werden allgemein immer anspruchsvoller. So legen Besucher heutzutage beispielsweise immer mehr Wert auf eine gewisse Beinfreiheit - im wahrsten Sinne des Wortes. Doch lässt man zwischen den Sitzreihen mehr Platz, passen nicht mehr so viele Filmfans in einen Saal. „Wir hatten früher 350 Plätze in Gröbenzell, heute sind es noch 191“, erklärt Petra Löw.

Auch optisch und akustisch wollen Filmfans bestens bedient werden. „Als wir 2009 in Gilching umrüsteten lief gerade der erste 3-D-Film ‚Ice Age3’ an“, erzählt Petra Löw. Das war kurz bevor der Kassenschlager „Avatar“ in die Kinos kam. Sie sprang als „early User“ auf den startenden Digital-Zug und sagt heute: „Im Anfang liegt immer auch ein Zauber - damals konnten neben Gilching nur das Mathäser, das Cinema und das Forum der Technik in München diese Filme laufen lassen.“

Die Folge: Avatar lief drei Monate lang vor ausverkauftem Haus, das Umrüsten hat sich schnell ausgezahlt. „Unternehmerisch war das meine beste Entscheidung, aber es war auch eine Portion Glück dabei“, sagt Petra Löw. Außerdem müsse man „gepflegtes“ Kino bieten und auf die unterschiedlichsten Ansprüche des Publikums Rücksicht nehmen. In Gilching spricht die 52-Jährige mit ihrem Angebot überwiegend junge Menschen an - in Gröbenzell ist das Hauptpublikum 40 plus. Aber es kommen auch Schulkinder zu speziellen Vorführungen, ebenso gibt’s in Gröbenzell einmal monatlich Seniorenkino für 6 Euro plus einer Tasse Kaffee.

Die Technik alleine macht ein Kino nicht erfolgreich - auch das Drumherum muss passen: „Ich gehe immer wieder auch in anderen Städten in Kinos um dazuzulernen und Eindrücke zu sammeln; sonst wird man irgendwann betriebsblind“, so Löw. Und das wäre gerade in ihrem Metier wohl das Schlimmste, was passieren kann.

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