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Zeitzeugen erzählen vom Leben in der DDR

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Wie war das Leben in der ehemaligen DDR? Das erzählen die Zeitzeugen (v.l.) Sylvia Burk, Volker Bantzhaff, Barbara Marian und Hermann Winkler Emmeringer Schülern. foto: fiedler
Wie war das Leben in der ehemaligen DDR? Das erzählen die Zeitzeugen (v.l.) Sylvia Burk, Volker Bantzhaff, Barbara Marian und Hermann Winkler Emmeringer Schülern. foto: fiedler

Fürstenfeldbruck - In der Projektwoche Tolerant statt Extrem haben Emmeringer Schüler mit Zeitzeugen gesprochen. Sylvia Burk, Barbara Marian, Hermann Winkler und Volker Bantzhaff erzählten von der DDR.

Mit den Worten „Der Feind hört mit“ begrüßte Volker Bantzhaff die Neuntklässler. Was wie ein Witz klingt, war früher bitterer Ernst. „Wir waren uns nie sicher, ob uns jemand bespitzelt“, erzählt der. Auf die Frage nach seiner Kindheit in Leipzig weiß der 67-Jährige viel zu erzählen. „Die Zeit war vom Überleben geprägt.“ Um in der Schule nicht zu frieren, mussten er und seine Mitschüler selbst Brennmaterialien mitbringen. Bantzhaff zog mit seinen Freunden durch Ruinen, wo sie Munition und Handgranaten fanden. „Wir waren gut ausgestattet.“

Als Volker Bantzhaff auf den Mauerbau zu sprechen kommt, imitiert die Stimme von Walter Ulbricht. „Wisst ihr überhaupt wer Walter Ulbricht war?“, fragt er die Schüler. Einer meint, er hätte den Namen schon einmal gehört. Also erklärt Bantzhaff, dass der bedeutendste DDR-Politiker von dem ehemaligen DDR den sozialistischen Staat mit entwickelt hat. Auch beim Mauerbau hatte Ulbricht seine Finger maßgeblich mit im Spiel. Bantzhaff hat ihn selbst miterlebt. „Wie die Viecher haben sie uns weggejagt als wir schauen wollten, was da los war.“

Als Jugendlicher musste er unterschreiben, dass er kein Westradio hörte. Das Hören der „Heulbojen“ - damit waren westliche Musiker wie Elvis gemeint - war verboten. Und wurde trotzdem heimlich gemacht. „Schon in dem Alter lernte ich, zweigleisig zu fahren“, erzählt der 67-Jährige. Es gab die offizielle Meinung und es gab die eigenen Vorstellungen. Bantzhaff geriet in Schwierigkeiten, weil er einen Freund nicht angezeigt hatte, der aus der DDR flüchten wollte. Dafür wurde Bantzhaff in Untersuchungshaft gesteckt, zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt und durfte nicht weiterstudieren. 1977 floh er schließlich selbst mit gefälschten Pässen aus der DDR. (fis)

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