Wegen Wildtierhaltung

Zirkus in Bruck: Tierschützer rufen zur Demo auf

Fürstenfeldbruck - Der SPD-Stadtrat Axel Lämmle ruft zur Teilnahme an einer Demonstration gegen den Zirkus auf, der zurzeit am Volksfestplatz gastiert. Man trifft sich am Freitag um 13.30 vor dem Zirkus.

"Wir wollen gegen die Anwesenheit des Zirkus Louis Knie und seinen Tieren in Bruck demonstrieren. Aufstehen und Zeichen setzen gegen Tierquälerei! Nehmt auch ruhig eure Kinder mit", heißt es in dem Aufruf, den Axel Lämmle am Mittwoch Mittag verbreitete.

Treffpunkt für die Demo ist demnach der Eingang zum Zirkus am Freitag um 13.30 Uhr. Die Demo ist bis 18 Uhr angesetzt. Sie richtet sich gegen den "Skandalzirkus Louis Knie aka Alberti", wie es in dem Aufruf heißt.

Schon am Dienstag hatte es große Aufregung um den Zirkus gegeben, der auch Wildtiere in seinem Repertoire führt, sie aber nicht nach Bruck mitgebracht hat.

In der Causa Zirkus kam es auch am Abend im Rahmen einer Sitzung zu einem Schlagabtausch zwischen Axel Lämmle und dem derzeit amtierenden Bürgermeister Erich Raff. Lämmle warf Raff vor eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, als er dem Zirkus erlaubte, in Bruck zu bleiben. Raff verteidigte seine Entscheidung mit dem Hinweis auf die Rechtslage und griff Lämmle seinerseits an.  „Es ist unverschämt, was Sie hier machen“, sagte Raff zu Lämmle. Durch Angabe der entsprechenden Telefonnummern und Mailadressen auf Facebook habe Lämmle die ganze Stadt-Verwaltung lahmgelegt. Die Telefone seien nicht mehr stillgestanden und sein Mail-Postfach sei vollgemüllt worden. Sachliche Zuschriften seien unter den Protestmails nur wenige gewesen, sagte Raff, der Lämmle vorwarf: „Das ist keine Art und Weise, wie man kollegial zusammenarbeitet.“

Lämmle indes betonte erneut seine Überzeugung, dass man den Vertrag mit dem Zirkus hätte kündigen müssen. „Fehler passieren. Sie sind aber dafür da, korrigiert zu werden.“ (fd,st)

Kommentar: Manege frei für ein Schlamassel

Wenn der Spruch in diesem Zusammenhang nicht etwas doof klänge, könnte man sagen: Die Stadtverwaltung hat sich mit der Genehmigung für den Zirkus Alberti ein echtes Ei gelegt. Denn egal wie man zum Wildtierverbot in Bruck inhaltlich steht: Es ist nach einer ernstzunehmenden politischen Willensbildung beschlossen worden, und damit muss die Verwaltung es auch umsetzen. Selbst wenn manche die Regelung vielleicht für affig halten mögen.

Ohne jetzt wie ein wildgewordener Elefant auf der Stadt herumtrampeln zu wollen, ist es daher wirklich absolut verständlich, wenn sich Verbände und Politiker hinters Licht geführt fühlten, als sie von der Alberti-Erlaubnis hörten. Selbst wenn die Zirkus-Leute versicherten, keine Bären oder Affen nach Bruck mitzubringen, so gehören sie doch genau dem Kreis von Tierhaltern an, dem die Stadträte keinen Raum in Bruck bieten wollen.

Konsequent wäre es also gewesen, sich als Stadt auf die Hinterläufe zu stellen und dem Zirkus höflich die Genehmigung für den Volksfestplatz zu versagen. Als der Zirkus seine Zelte aufgeschlagen hatte, war das Kind schon in den Brunnen gefallen – und die Manege frei für ein echtes Schlamassel mit Possencharakter. Am Dienstag jedenfalls konnte die Stadt nur noch Fehler machen, wobei sie das dann wirklich auch tat. Dass das arme Kamel von seinen Tierkollegen getrennt wird, dürfte den Tierschützern jedenfalls kaum gefallen. Den Zirkus nicht zu vertreiben, war dagegen wohl eher richtig. Sonst wäre Bruck möglicherweise regresspflichtig geworden – und das hätten dann vor allem die Alberti-Anwälte bärig gefunden. (st)

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