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Fast täglich wischt die hochschwangere Mutter die feuchten Wände trocken – mit mäßigem Erfolg. 

Weihnachtsaktion des Fürstenfeldbrucker Tagblatts

Zu fünft in der Schimmel-Wohnung

Fürstenfeldbruck - Selma H. erwartet gerade ein Kind. Es ist ihr viertes. Zusammen mit ihrem Ehemann freut sie sich schon auf den neuerlichen Nachwuchs. Doch die Freude ist nicht ungetrübt. Denn die Familie weiß in ihrer engen, feuchten Wohnung nicht wohin mit dem Baby.

 In zwei Zimmern müssen sich Eltern und die Geschwisterkinder Frida (5), Lara (4) und Anoar (1) jetzt schon zusammendrängen. An Privatsphäre ist da nicht zu denken. „Wir schlafen alle in einem Raum“, erzählt die 35-jährige Mutter. Alle drei Kinder liegen auf einer Matratze. Die liegt tagsüber auf dem Bett der Eltern, sonst könnte man den Raum nicht betreten.

Einen eigenen Platz zum Spielen haben die Geschwister nicht. Sie improvisieren so gut es geht. Auf dem kleinen Platz im Wohnzimmer zwischen Couch und Schrank hüpft das Trio herum. Frida, Lara und Anoar purzeln dabei schon einmal übereinander. Und dann lachen sie ausgelassen. Ihre Hochschwangere Mutter Selma bleibt in dem Tumult erstaunlich gelassen. Noch im Dezember wird sie niederkommen.

Ebenso belastend wie die Enge ist für die Familie der Zustand der Wohnung. Einige Wände in der Küche, im Flur und im Schlafzimmer sind von Schimmel befallen. Fast jeden Tag muss Selma sie trocken wischen. Doch das nützt nicht viel. Schon wieder sind zwei ihrer Kinder krank, Anoar und Lara sind stark erkältet. Wenn der Einjährige hustet, schüttelt es seinen ganzen Körper. Der Vater ist überzeugt, dass das mit dem Schimmel zusammenhängt. Lüften, um die Feuchtigkeit aus den Räumen zu bringen, ist jetzt im Winter problematisch. Denn dann wird es in den kleinen Zimmern sofort kalt – und das ist für die Kinder auch nicht gut.

Verzweifelt suchen die H.’s eine neue Bleibe. Doch das ist nicht leicht. Denn viel Geld hat die Familie nicht. Der Vater arbeitet in einer Bäckerei. Dort hat auch Selma gewerkelt. Doch jetzt sind drei Kinder ihr Vollzeitjob. „Mein Mann arbeitet hart, weit mehr als 40 Stunden in der Woche, damit wir von seinem Verdienst leben können“, erzählt die 35-Jährige. Und sie müssen auch noch ihre Eltern unterstützen. Wenn das Baby da ist, braucht die Familie noch mehr Geld. Alle finanziellen Reserven sind längst aufgebraucht.

Bei der Wohnungssuche bekamen die Eltern bisher nur Absagen. Mutter Selma ist es unangenehm, um Hilfe zu bitten. Aber langsam weiß die Schwangere keinen anderen Ausweg mehr. Die Kette der helfenden Hände will dafür sorgen, dass die Wohnungssuche zumindest nicht am Finanziellen scheitert. Ist eine neue Bleibe gefunden, soll Geld für die Kaution da sein. In der werden sicherlich die Kinder ein eigenes Zimmer bekommen. Und dafür brauchen sie dann natürlich auch Möbel. Denn die Zeit, in der sich Frida, Lara und Anoar eine Matratze teilen können, wird bald vorbei sein. Und dann ist da ja bald auch noch ihr neues Geschwisterchen. (akk)

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