In diesem Cabrio starb Maria H. an einem wunderschönen Sommertag. Auch erfahrene Feuerwehrleute und Polizisten waren nach dem Einsatz geschockt. Archivfoto: weber

Zwei Jahre Haft für Todesfahrt im Suff

Puchheim-Ort/Adelshofen - Mit zwei Promille hat eine 28-Jährige mit ihrem Skoda ein entgegenkommendes Käfer-Cabrio frontal gerammt. Die 44-Jährige am Steuer des roten Oldtimers starb noch an der Unfallstelle. Die Todesfahrerin muss jetzt für zwei Jahre ins Gefängnis. Ein hartes Urteil - aber gerecht, sagt der Richter.

Die 28-jährige Münchnerin war am 15. Juni auf dem Weg zu ihrem Freund nach Fürstenfeldbruck. Auf der B 2 hinter Puchheim-Ort fuhr sie in einer Kurve einfach geradeaus. Als sie den Lapsus bemerkte, versuchte sie noch gegenzulenken. Maria. H. machte mit ihrem Cabrio sofort eine Vollbremsung. Doch beide Manöver waren vergeblich. Der tödliche Crash war nicht mehr zu verhindern.

Aber warum war die 28-Jährige auf die falsche Spur geraten? Ihr Navi habe sie abgelenkt, erklärte sie im Prozess. Richter und Staatsanwalt konnten das nicht nachvollziehen. Sie sei einfach „voll bis unter die Haarspitzen“ gewesen, meinte der Staatsanwalt. „Etwas schlimmeres gibt es im Verkehr nicht“, empörte sich der Brucker Amtsrichter Johann Steigmeier.

Ein halbes Jahr vor dem Unfall hatte die Todesfahrerin damit begonnen regelmäßig zu trinken. Auch am Vorabend des Crashs hatte sie zur Flasche gegriffen, am Morgen gab’s zum Frühstück Wein. Trotz ihrer hohen Promillezahl war die 28-Jährige am Nachmittag jedoch soweit Herrin ihrer Sinne, dass sie juristisch in vollem Umfang für die fahrlässige Tötung zur Verantwortung gezogen werden kann. Das attestierte ihr ein Gutachter.

Im Prozess brach die Münchnerin immer wieder in Tränen aus. „Das ist mein aller schlimmster Albtraum“, stammelte sie. „Es wäre mir lieber gewesen es hätte mich getroffen als jemand Unschuldigen.“ Ihr Verteidiger versuchte eine Aussetzung der Freiheitsstrafe zur Bewährung herauszuschlagen. Doch der Richter winkte ab. Das sei nicht möglich. Bei so schweren Folgen müsse ein Signal gesetzt werden, sagte der Staatsanwalt. Der Führerschein der Frau bleibt weitere 22 Monate eingezogen.

Der Unfall hatte im Juni 2013 wegen seiner doppelten Tragik viel Aufsehen erregt. Zum einen war da das verhängnisvolle Aufeinandertreffen von alter und neuer Fahrzeugtechnik. Während der moderne Skoda der Münchnerin fast völlig in Takt und die betrunkene Fahrerin bis auf ein paar Kratzer nahezu unverletzt blieb, hatte der 40 Jahre alte VW von Maria H. der Wucht des Aufpralls nichts entgegenzusetzen. Die linke Seite des Oldtimers wurde quasi völlig vernichtet.

Zum anderen war auch Maria H. auf dem Weg zu ihrem Lebensgefährten. In München auf dem Stadtgründungsfest wollten sie feiern, dass sie auf den Tag genau drei Jahre ein Paar waren. Der Liebe wegen war die 44-Jährige zum Freund nach Adelshofen gezogen. Sie war Jägerin, spielte Jagdhorn und war im Brucker Motorsportclub.

Als ihr Lebensgefährte vom Tod seiner Liebsten erfuhr, war er fassungslos. Für ihn gab es nur eine Erklärung, warum seine Maria viel zu früh sterben musste: „Im Himmel wurde ein Engel gebraucht“, sagte er damals dem Tagblatt. Maria H.’s Söhne wurden damals zu Vollwaisen. Der Vater war schon früher verstorben. Den Prozess verfolgten die beiden mit versteinerten Mienen. (sus)

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