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63 Atemschutzgeräteträger der Feuerwehren rund um den Ammersee haben an der großen Übung in Stegen teilgenommen. Zuletzt gab es eine solche Gelegenheit vor zehn Jahren. Ausgerüstet mit Atemschutz krochen die Kameraden durch den Bauch der „Herrsching“ – immer auf der Suche nach Verletzten.

Die "Herrsching" brannte

Spektakuläre Übung am Ammersee: Ein Feuerwehrmann erzählt

Stegen/Kottgeisering – Auf dem Dampfer „Herrsching“ hat es gebrannt. Allerdings nicht wirklich. Richard Schuster, Kommandant der Echinger Feuerwehr, hatte dort eine ungewöhnliche Übung inszeniert.

Darum, den erfundenen Brand zu bekämpfen, ging es allerdings nicht.

Die Atemschutzgeräteträger von zwölf Feuerwehren aus den Landkreisen Bruck, Landsberg und Starnberg sollten dort lernen, wie sie sich im dichten Rauch – der eigentlich Nebel aus einer Maschine war – zurechtfinden. Tagblatt-Reporter Max-Joseph Kronenbitter war für die Kottgeiseringer Feuerwehr mit dabei und berichtet.

So lief die Übung auf der "Herrsching" ab

Aus den Ritzen der geschlossenen Luke des Achterdecks dringt weißer Rauch. Unten im Bauch des Schiffes sind ein Dutzend Leute gefangen. Sie müssen raus – und zwar schnell. Ich werfe einen letzten Blick auf den Druckanzeiger der schweren Luftflaschen auf meinem Rücken, setzte eine letzte Funkmeldung an die Atemschutzüberwachung ab und runter geht’s ins milchige Nichts, in dem sich auch der Schein der Handlampe schnell verliert.

Schauplatz ist der für 500 Personen zugelassene Raddampfer „Herrsching“, der für eine Generalüberholung während der Winterpause im Trockendock steht. Zahlreiche „Verletzte“ in Form von Dummies verteilten Schuster und seine Kameraden im untersten Deck – freilich so, wie sich fälschlicherweise Menschen angesichts einer Gefahr oft verhalten. Sie verstecken sich dort, wo man sie nicht finden kann. Erst recht nicht, wenn man als Retter selbst fast nichts sieht und keine Vorstellung vom Grundriss des Dampfers hat.

Auch Tagblatt-Reporter Max-Joseph Kronenbitter und sein Bruder Benedikt (r.) sowie (v.l.) Markus Schmitt und Willibald Schamberger von der Kottgeiseringer Wehr kämpften sich durch. Ihr Fazit: Es war körperlich hart, hat aber Spaß gemacht

Man sieht die Hand nicht vor Augen, geschweige denn wohin man tritt. Meinem Bruder Benedikt und mir wurde die Schiffskombüse zugeteilt, die „irgendwo in der Mitte liegt“. Vermutlich ist der Brand dort entstanden, der Koch wird vermisst. Zu zweit tasten wir uns kriechend durch den Schiffsbauch. Der Pressluftatmer zischt mit kürzer werdender Atemfrequenz. Ich halte mich an Benedikts Schuh fest. Er ruft mir zu, was er zu sehen glaubt. Unter der Atemschutzmaske verstehe ich ihn so gut, wie wenn er mit einem Socken im Mund spricht. Dann will der Atemschutzüberwacher Florian Fiedler per Funk auch noch ständig wissen, wo wir sind (keine Ahnung), was wir machen (den Smutje suchen) und wie viel Luft wir noch in den Flaschen haben (reicht noch).

Es ist eng, ständig bleibe ich mit den Flaschen irgendwo hängen. An den Turbinen geht’s gar nicht mehr weiter – also umkehren. Dank der Wärmebildkamera kriegen wir einen Hinweis, dass wir die Kombüse erreicht haben. Der brennende Herd wird durch ein Tablett voller Teelichter imitiert. Und da liegt auch der Smutje, der locker zwei Zentner hat. Mit seinem schmerzverzerrten Plastikgesicht glotzt er uns scheinbar an, woraufhin wir beschließen, medizinische Diagnosen zu verschieben und mit der Evakuierung zu beginnen.

Das Verletztentragetuch unter seinen Brustkorb, die Fluchthaube auf die Rübe und los geht’s. Dass er uns dabei keine Hilfe ist, rächt sich dadurch, dass er sicher eine mehrfache Schädelfraktur davongetragen hat, als wir ihn endlich am oberen Treppenabsatz haben und ihn über den eleganten Teakholzboden des Hecksalons Richtung Steg schleifen. Um die medizinische Erstversorgung von Verletzten sollte es aber auch nicht gehen, wie Kommandant Richard Schuster schon bei der Einweisung erklärte. Ziel der Übung war es, sich in völlig fremder Umgebung zurechtzufinden. 

Max-Joseph Kronenbitter

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